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Verheerende Buschfeuer - Australien brennt, doch der Klimawandel wird kleingeredet

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Seit Wochen brennt der Südosten Australiens in kaum gekanntem Ausmaß - nach einer extremen Dürre. Doch viele Australier halten den Klimawandel immer noch für erfunden.

Nie gab es im Bundesstaat New South Wales so viele Brände, zeitgleich, katastrophal, außer Kontrolle. Was den Boden für diese Katastrophe bereitet hat, ist offensichtlich: Australiens große Dürre.

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Es sind Bilder wie aus einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Löschfahrzeuge, die in die rote Hölle fahren, scheinbar ins Nichts, umgeben von Feuer und Rauch. Bewohner, die verzweifelt mit Gartenschläuchen versuchen, ihre Häuser vor den Flammen zu schützen, tote Koalas und Reptilien in schwarz verkohlten Wäldern. Holzhäuser, die bis auf die Grundmauern abgebrannt sind; nur verglühtes und von der Hitze verformtes Wellblech, das einmal ein Dach war, liegt in der verkohlten Landschaft herum.

Der Sommer hat in Australien gerade erst begonnen - doch die Buschfeuer haben ein bislang fast unbekanntes Ausmaß angenommen. Drei Menschen starben in den vergangenen Tagen in den Bundesstaaten New South Wales und Queensland, mehr als 200 Häuser wurden zerstört. Und allein im Koala-Reservat bei Port Macquarie an der Ostküste befürchten Umweltschützer, dass die Hälfte der 600 Tiere in den Flammen umgekommen ist. Die Flammen machten auch vor den Städten nicht halt. In Sydney brannte es in den Vororten - die Millionenmetropole hatte zuvor eine Katastrophenwarnung herausgegeben, erstmals in ihrer Geschichte.

Jahrhundertdürre in New South Wales

Der Feuerwalze ist vor allem in New South Wales eine Jahrhundertdürre vorausgegangen. Seit über drei Jahren warten die Menschen auf Regen. So auch die Farmer Adrian und Gary Worrell aus Baradine, einem Ort mit ein paar Hundert Einwohnern. Die Worrells betreiben seit mehreren Generationen Viehzucht - und bangen nun um ihre Existenz. "Wir haben gerade 15 Kühe verkauft, um überleben zu können", sagt Adrien Worrell. Er packt mit an, als auf seiner Farm seine Tiere auf einen Transporter verladen werden. Ein Anblick, der schmerzt. "Es ist hart, sie zu verkaufen, wenn du sie eigentlich nicht verkaufen willst", sagt Gary, sein Bruder.

Farmer Adrian und Gary Worrell in Baradine im Bundesstaat New South Wales
Farmer Adrian und Gary Worrell in Baradine, im Bundesstaat New South Wales
Quelle: ZDF

Im Vergleich zu anderen Farmern, die ihre Existenz komplett verloren haben, geht es der Familie noch vergleichsweise gut. Zwar halten sie noch 290 Zuchttiere, glauben aber, dass sie bald weitere Tiere verkaufen müssen. Eine Entwicklung, die tragische Züge annimmt. "Die Selbstmordrate unter Farmern ist in der Umgebung massiv gestiegen", sagt Nea Worrell, die Mutter von Adrian und Gary. Sie ist eine zupackende Frau, kommunikativ und optimistisch von Natur aus. Der Verladeaktion der Tiere sieht sie schweigend zu. Sie mag keine Schwäche zeigen, nicht vor ihren Jungs und schon gar nicht vor dem ZDF-Reporter aus Deutschland. Doch ihre Tränen kann sie nur verstohlen zurückhalten. "Zur Geburt haben wir beiden Kindern jeweils eine Kuh geschenkt", sagt Nea Worrell leise.

Nea Worrell (rechts) im Shop, den die Landfrauen von Baradine für bedürftige Farmer eingerichtet haben
Nea Worrell (rechts) im Shop, den die Landfrauen von Baradine für bedürftige Farmer eingerichtet haben.
Quelle: ZDF

Nea Worrell engagiert sich bei den Landfrauen in Baradine, hat im Ort einen Shop eröffnet, in dem bedürftige Farmerfamilien kostenlos mit Lebensmitteln und Haushaltsutensilien versorgt werden. Nea Worrell als Vizepräsidentin der Landfrauen hat alle Hände voll zu tun, denn die Nachfrage ist groß. "Wir haben klein angefangen, aber diese Dürre schlägt ja alle Rekorde", sagt sie.

Kinderzeichnung, die im Shop hängt
Kinderzeichnung, die im Shop hängt
Quelle: ZDF

Zunächst hätten viele Farmer das Hilfsangebot ausgeschlagen. "Sie haben sich geschämt", sagt sie, "sie waren anfangs zu stolz, um sich hier blicken zu lassen". Doch die Not ist groß und die anfängliche Scheu verflogen. Nea Worrell und ihre Mitstreiterinnen servieren Kaffee und Kuchen und haben eine Sitzecke zum Plausch eingerichtet - eine kleine Oase des Zuhörens und der Aufmunterung zwischen Waschpulver, Obst und Gemüse.

Klimawandel - "bloß eine neumodische Erfindung"

Wie denkt sie über den Klimawandel? Macht sie ihn für die persönliche Misere ihrer Familie verantwortlich? "Unser Wetter war schon immer extrem", sagt Nea Worrell. "Wir brauchen lediglich Regen." Adrian, ihr Sohn, fügt hinzu: "Man kann lange zurückgucken, diese Hitzeperioden haben wir schon öfters gehabt. Klimawandel ist doch bloß eine neumodische Erfindung."

Das Thema wird in Australien kontrovers diskutiert. Bis in höchste Regierungskreise wird es kleingeredet oder gänzlich in Abrede gestellt. Woran liegt das?

Viele wollen einfach nicht wahrhaben, dass Menschen für diese Entwicklung verantwortlich sind.
Lesley Hughes, Klimaexpertin

In Sydney lehrt Lesley Hughes an der Macquarie-Universität. "Viele wollen einfach nicht wahrhaben, dass Menschen für diese Entwicklung verantwortlich sind", sagt die Klimaexpertin. Hinzu komme, dass der Wohlstand des Landes auf seiner Kohlepolitik beruhe. Doch werde es auf Dauer zunehmend heißer im Land, und die Hitzewellen verliefen länger und trockener. "Der Klimawandel ist desaströs für dieses Land", sagt Lesley Hughes.

Eine Meinung, die Premierminister Scott Morrison nicht gerne hört. Die Kohleindustrie boomt und wird von dem konservativen Regierungschef verteidigt. Vor ein paar Tagen wich er der Frage aus, ob Klimawandel und die aktuellen Buschfeuer zusammenhängen. "Ich kümmere mich jetzt um die Bedürfnisse der Menschen", antwortete er knapp. Bereits vor ein paar Monaten wies der Premier genervt darauf hin, dass sein Land lediglich für 1,3 Prozent des weltweiten Ausstoßes an Kohlendioxid verantwortlich sei.

"Die denken eh nur, dass ich spinne"

Doch im Outback von New South Wales gibt es nicht nur Stimmen wie die von Familie Worrell. 200 Kilometer südlich von Baradine sitzt Neil Westcott auf seinem grünen Mähdrescher. Der Farmer engagiert sich in Umweltfragen und gilt in der Gegend, so sagt er, "eher als Paradiesvogel".

Zwar käme er mit seinen Farmerkollegen in der Nachbarschaft gut klar, ihm bliebe aber auch nichts anderes übrig, denn all zu viele Nachbarn, die zudem mehrere Kilometer voneinander entfernt wohnen, habe er nicht in dem dünn besiedelten Landstrich. "Aber wenn wir uns sehen, reden wir nicht über den Klimawandel", sagt er, das führe zu nichts. "Die denken eh nur, dass ich spinne", sagt er. Und grinst.

Neil Westcott auf seiner Farm bei Dubbo
Neil Westcott auf seiner Farm bei Dubbo
Quelle: ZDF
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