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Lichtblicke in der Apokalypse

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Buschfeuer in Australien - Lichtblicke in der Apokalypse

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Viele Australier wurden plötzlich von den Flammen überrascht und haben alles verloren. Doch in Krisenzeiten rücken sie zusammen. Sie kämpfen für ihr Leben und ihren Optimismus.

Mel Brown vor seinem zerstörten Haus.
Von Mel Browns Haus ist nur noch der Schornstein übrig.
Quelle: ZDF

Er steht im schwarzen T-Shirt und einer Wasserflasche vor seinem Haus oder vielmehr, was von ihm übrig geblieben ist. Und das ist fast nichts. Das Fundament ist gerade noch zu erkennen, auf ihm das Dach aus verkohltem Wellblech. Doch dazwischen liegen nur Trümmer und Schutt. "Das hier", sagt Mike McStephen und zeigt auf ein verformtes Regal, "war ein Schrank und die Asche darüber sind unsere Schuhe gewesen." Immerhin - sein unterhalb des Wohnhauses liegender ausrangierter Eisenbahnzug, den er zum Gästezimmer ausbaut, ist vom Feuer verschont geblieben.

Am Tag vor Silvester ist das Inferno über Mike McStephen aus Sarsfield im australischen Bundesstaat Victoria ausgebrochen. Es kündigte sich mit starken Winden und Temperaturen weit jenseits der 40 Grad an. Er habe gleich gemerkt, dass es keinen Sinn gemacht hätte, zu bleiben und das Haus mit einem Gartenschlauch zu verteidigen. "Ich wusste, diesmal haben wir keine Chance. Ich habe meine Familie in Sicherheit gebracht. Wir sind rechtzeitig geflohen."

Mike McStephen vor den Trümmern seines Hauses.
Mike McStephen vor den Trümmern seines Hauses.
Quelle: ZDF

Buschbrände kommen einer Apokalypse gleich

Mike McStephen weiß, wovon er spricht. Er ist Feuerwehrmann im benachbarten Bruthen. Eine Stunde später steht er im orange farbenen Overall im Feuerwehrhaus des kleinen Ortes - und ist bereit zum nächsten Einsatz. Zeit, sich um seine Familie zu kümmern, hat er kaum, denn er wird pausenlos gebraucht. "Dieser Sommer ist echt anstrengend", sagt er.

Für unzählige Australier kommt dieser Sommer einer Apokalypse gleich. Die Buschbrände begannen bereits ungewöhnlich früh, schon im Oktober des vergangenen Jahres standen Tausende Hektar im Osten Australiens in Flammen. Temperaturen von fast 49 Grad, starke Winde und eine jahrelange Dürre, die den Nährboden für diese Rekordbrände bereitet haben, machen den Feuerwehrleuten vor allem in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales zu schaffen. Zehntausende Urlauber und Einheimische mussten ihre Domizile an den Traumstränden im Südosten Australiens verlassen, wurden von den Flammen eingekreist und evakuiert. 24 Menschen starben in den Flammen, Hunderte verloren ihr Hab und Gut.

In Krisenzeiten wird zusammengerückt

Und obwohl Premierminister Scott Morrison für sein Krisenmanagement heftig kritisiert wird, obwohl freiwillige Feuerwehrleute nicht wissen, wie sie für ihre entfallenden Dienstzeiten an ihrem Arbeitsplatz entschädigt werden, Hoteliers und Restaurantbesitzer mit massiven Umsatzeinbußen in der eigentlichen Hauptsaison zu kämpfen haben - es gibt auch Lichtblicke in all dem Elend. Denn in Krisenzeiten rücken die Australier zusammen.

In Bairnsdale, 15 Kilometer von Sarsfield entfernt, leben Jodie Crane und Wendy McPhan. Sie haben über Facebook zur Unterstützung aufgerufen und in einer Gemeindehalle ein Hilfszentrum eingerichtet.  "Innerhalb weniger Stunden konnten wir uns vor Spenden kaum retten", sagt Wendy McPhan. Ihr Sohn Cameron ließ seinen geplanten Berlin-Trip sausen und koordiniert nun die Hilfe. "Doch wir wurden überrollt", sagt Cameron, "wir konnten keine Hilfe mehr annehmen und haben voll beladene Lkw weiter Richtung Norden geschickt."

Hilfszentrum in Bairnsdale.
Im Hilfszentrum in Barnsdale werden Spenden für die Opfer der Buschbrände gesammelt.
Quelle: ZDF

Barfuß auf der Flucht vor den Flammen

Wir saßen abends mit einem Glas Wein im Garten und haben in der Ferne den glutroten Himmel gesehen [...]. Plötzlich drehte der Wind.
Mel Brown

Im Gemeindehaus stehen nun auf unzähligen Tischen Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel. Mittendrin: Mel und Jilly Brown, die sich Pullover, Jacken und Hosen aussuchen. Auch die Browns haben ihr Zuhause verloren - von dem nur der Schornstein übrigblieb. Das Ehepaar hat die große Gefahr nicht kommen gesehen. "Wir saßen abends mit einem Glas Wein im Garten und haben in der Ferne den glutroten Himmel gesehen," erinnert sich Mel Brown. "Aber das Feuer war weit weg. Doch plötzlich drehte der Wind, eine halbe Stunde später brannten in der Nähe ein paar Bäume und eine Weide neben unserem Haus. Wir sind sofort geflüchtet."

Jilly Brown hastete barfuß zum Auto, ohne Geld und Kreditkarten, ohne persönliche Andenken. Als sie 24 Stunden später zurückkehrte, brannte noch der Gartenzaun. "Aber vom Haus war fast nichts mehr zu sehen." Das Ehepaar, das auf ihrem über 100 Jahre alten Anwesen eine Bed-and-Breakfast-Unterkunft betrieb, hat sich vor zwei Tagen ein Wohnmobil in Adelaide gekauft, in dem es nun wohnen wird. Ob ein Wiederaufbau für sie in Frage kommt? Immerhin sind sie gegen Feuer versichert gewesen. Mel Brown schüttelt mit dem Kopf. "Meine Frau will nicht mehr zurück."

Mel und Jilly Brown vor ihrem zerstörten Haus.
Trotz Versicherung können sich die Browns einen Wiederaufbau ihres Hauses nicht vorstellen.
Quelle: ZDF

Alles verloren, außer den Optimismus

Mike McStephen dagegen kann es kaum erwarten, den Schutt beiseite zu räumen. "Ich liebe diese Landschaft, diese Gegend. So schnell gebe ich nicht auf", sagt er vor den Trümmern, die mal sein Zuhause waren. Davor steht sein weißer Jeep. Irgendein Witzbold hat mit seinem Finger auf die verdreckte Rückscheibe "Happy New Year" geschrieben und dazu ein Smiley gemalt. McStephen kann darüber lachen. Sie sind bewundernswert, diese Australier, die fast alles verloren haben, nicht aber ihren Optimismus.

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