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Reallabor Schorndorf - Busfahren "on demand"

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Zu viel Verkehr und zu viel schmutzige Luft: Viele Gemeinden versuchen nun, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Eine mögliche Lösung: Busse auf Bestellung per App.

App für den Bus on Demand in Schorndorf
App für den Bus on Demand in Schorndorf
Quelle: Stadtverwaltung Schorndorf

Leere Busse außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Bis vor Kurzem war das auch im baden-württembergischen Schorndorf der Normalzustand. "Wenig erfreulich, sowohl aus Perspektiven des Umweltschutzes und der Wirtschaftlichkeit, als auch für Anwohner", meint Diana Gallego von der Stadt Schorndorf. Das könnte sich bald ändern. Die Stadt will den öffentlichen Nahverkehr effizienter machen und dabei auch gleich noch attraktiver für die Fahrgäste.

Denn mit dem Start des Projekts "Reallabor Schorndorf" wird der Busverkehr digital. Bedeutet: Wer nun in Schorndorf zum Beispiel samstags zum Einkaufen in die Stadt will, der zückt sein Handy, öffnet eine spezielle App und bestellt sich einen Bus. Entweder an eine der 40 üblichen Haltestellen oder an einen von rund 200 weiteren, "flexiblen" Haltepunkten. Dabei gibt es keine festgelegte Strecke mehr, ein Algorithmus ermittelt stattdessen anhand der vorliegenden Fahrtwünsche bedarfsgerechte Routen. Das Bestellen klappt bis fünf Minuten vor Start des Busses, wer auf Nummer sicher gehen will, kann diesen aber schon bis zu fünf Tage im Voraus buchen.

Sparsamer und leiser

Kleinbus für Bus on Demand in Schorndorf
Kleinbus für Bus on Demand in Schorndorf
Quelle: Stadtverwaltung Schorndorf

Abgeholt werden die Fahrgäste dann von einem dem Bedarf angepassten Bus. "Diese Busse sind kleiner, sparsamer im Kraftverbrauch und deutlich leiser als die bisher eingesetzten großen Stadtbusse", so Gallego. Eingesetzt wird das "Busfahren on demand" nur an Wochenenden oder Zeiten schwächerer Nachfrage. Also: Ein individuell abrufbares Bussystem mit dem Ziel, Umwelt, Fahrgäste und Verkehrsaufkommen zu entlasten. Ist der Pilotversuch ein Erfolg, könnte das System auch in anderen Städten und Gemeinden zum Einsatz kommen. Auch Duisburg experimentiert bereits mit einem ähnlichen Projekt, Hamburg hat es vor.

Seit Februar 2016 arbeitet die Stadt Schorndorf mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt und weiteren Institutionen an dem Pilotversuch. In der Entwicklungsphase sind die Wissenschaftler auf viele Herausforderungen gestoßen. Die größte ist die Kommunikation zwischen Nutzer, Busfahrer und der rechnergestützter Leitstelle - und das intelligente Zusammenstellen einer Route. Ein weiteres Problem: Wegen verkehrsrechtlicher Bestimmungen durften die "flexiblen" Haltestellen nicht beliebig festgelegt werden. Außerdem kommen wegen der Busbreite und des Abbiegewinkels einige Straßen für die Streckenplanung nicht in Frage.

"Algorithmus optimieren"

Auch jetzt ist die Arbeit an dem ausgefeilten System längst noch nicht zu Ende. "Da die Einbindung der Nutzerinnen und Nutzer ein zentraler Aspekt ist, können deren Rückmeldungen dazu führen, dass der Algorithmus angepasst und optimiert wird", erklärt Projektkoordinator Matthias Klötzke vom Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt. Ende des Jahres geht der Pilotversuch zu Ende. Spätestens dann hoffen Wissenschaftler und Stadt mehr darüber zu wissen, wie gut das System tatsächlich funktioniert.   

Und das gilt auch für die Fahrgäste. Obwohl viele von ihnen am Projekt mitgearbeitet haben, wird es trotzdem eine große Umstellung sein. "Wir erfahren viel Zuspruch, aber natürlich sind einige Bürger besorgt. Das nehmen wir sehr ernst", sagt Diana Gallego. Neu für viele: Die Abhängigkeit vom Mobiltelefon nimmt deutlich zu, da Busse über die Handy-App oder per Telefon bestellt werden. Notfalls gibt es aber auch einige Läden und Institutionen, die einen Ruf-Service anbieten.

Wenn die Rechnung aufgeht, könnte auch die Umwelt profitieren. Wird nämlich ein attraktiver Nahverkehr mehr genutzt, könnte der Autoverkehr in den Städten zurückgehen - und mit ihm der Ausstoß von Feinstaub, Stickoxiden und CO2. Auf die Ergebnisse des Pilotversuchs dürften deshalb nicht nur die Schorndorfer gespannt sein.

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