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Hinweis auf BVB-Spekulanten - "Komisch, dass Optionen kurzfristig waren"

Datum:

Rudolf S. aus Österreich ist Börsenexperte und BVB-Fan. Stunden vor dem Anschlag auf den Mannschaftsbus im April 2017 fielen dem 47-Jährigen hohe Umsätze mit Put-Optionen auf.

Rudolf S
"Mitten in der Nacht aufgewacht" - Rudolf S. Quelle: privat

ZDF-Reporter Ralph Goldmann sprach mit dem Mann, der gerne mal in schwarz-gelber Fan-Kluft durchs oberösterreichische Bad Ischl spaziert und offenbar den entscheidenden Anteil daran hatte, das Verbrechen aufzuklären. Er will anonym bleiben.

heute.de: Herr S., wie fing das alles an am 11. April 2017?

Rudolf S.: Ziemlich genau um 15.30 Uhr, also fast vier Stunden vor dem Anschlag, habe ich im Computer nach meinen eigenen Put-Optionen geschaut und dabei gesehen, dass an diesem Tag bereits 15.000 Stück gekauft worden waren. Das hat mich aber zu diesem Zeitpunkt nicht interessiert, weil ich noch nicht wissen konnte, was es bedeutet. Es hat mich nur überrascht, weil in Frankfurt diese Stücke so gut wie überhaupt noch nicht gehandelt worden sind, sondern eher in Stuttgart. Die Umsätze in Stuttgart waren in der Vergangenheit immer sehr gering.

heute.de: Und dann?

Rudolf S.: Später habe ich dann mein Zimmer für die Übertragung dekoriert, um mit meinen Söhnen das Spiel gegen Monaco schauen zu können. Da hätten wir es uns dann gemütlich gemacht. Stattdessen mussten wir die Berichte im Fernsehen über die Explosion und die Spielabsage gesehen.

Zwischen elf und halb zwölf bin ich ins Bett gegangen und war auch gar nicht so sehr beunruhigt, weil ich gehört habe, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist. Mitten in der Nacht bin ich dann aufgewacht und mir sind diese Put-Optionsscheine wieder eingefallen. Ganz ungewöhnlich, das muss ich mir am nächsten Tag mal anschauen, habe ich mir gedacht und eine Notiz gemacht. Dann bin ich wieder eingeschlafen.

heute.de: Und am nächsten Morgen haben Sie nochmal nachgeschaut?

Rudolf S.: Ja, ich habe dann nachgeschaut und insgesamt 60.000 Optionsscheine gefunden, die am 11. April 2017 gekauft wurden. Dann habe ich um acht Uhr in Dortmund angerufen, weil ich mir sicher war, dass das irgendetwas zu bedeuten hat, weil das einfach so ungewöhnlich war. Mir ist das aufgefallen und ich habe versucht, auf hochdeutsch dem Beamten zu erklären, um was es geht. Aber das ist natürlich schwierig, wenn da ein Österreicher anruft und irgendetwas von Put-Optionsscheinen erzählt. Da können sie sich vorstellen, dass das Gespräch nicht so der Bringer war.

Vor dem Anschlag auf den BVB-Bus beobachtet BVB-Fan Rudolf S. den ungewöhnlichen Kauf von Optionsscheinen. Er gibt der Polizei dann den entscheidenden Hinweis.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

heute.de: Hat man Ihnen die Geschichte abgenommen? Hat man das verstanden?

Rudolf S.: Ich glaube eher nicht. Ich habe erklärt, was ich glaube und dass man sich das anschauen soll. Später habe ich noch ein zweites Mal angerufen. Es hat so etwas ja noch nie gegeben. Das konnte keiner ahnen. Was mir komisch vorgekommen ist, war, dass die Optionen, die er gekauft hat, extrem kurzfristig waren. Das waren die kurzfristigsten, die es gibt. Er hat eine Versicherung gekauft, die ihm einen Gewinn für den Fall garantiert, dass der Kurs der BVB-Aktie unter einen bestimmten Wert fällt. Es hätte dafür etwas Schlimmes passieren müssen. Es ist so, als ob sie eine Feuer-Versicherung für ein Haus abschließen und es dann anzünden, obwohl sie wissen, dass da 28 Leute drin schlafen. Das ist der absolute Wahnsinn.

heute.de: Wie ging es weiter?

Rudolf S.: Ich habe noch mehrere Mails geschrieben, unter anderem auch an den BVB. Der hat die Ermittler und die Bank informiert. Die hat eine Geldwäsche-Anzeige gegen den Händler erstattet. Dann haben sie über die IP-Adresse festgestellt, dass er die Optionsscheine aus einem Zimmer im Mannschaftshotel des BVB geordert hat. Ein paar Tage später wurde er festgenommen.

Mail Rudolf S
Mail Rudolf S Quelle: privat

heute.de: Hat sich der BVB anschließend bei Ihnen bedankt?

Rudolf S.: Ich habe mir als "Belohnung" einen BVB-Geschäftsbericht mit einer Widmung von Hans-Joachim Watzke  gewünscht und den habe ich auch bekommen. Im Juni hat sich der österreichische Verfassungsschutz im Amtshilfeverfahren gemeldet und mir gesagt, dass außer mir sonst niemand einen Hinweis auf die auffälligen Transaktionen gegeben habe.

heute.de: Sind sie stolz auf das, was sie getan haben?

Rudolf S.: Das Wichtigste ist mir eigentlich, dass niemand mehr in Zukunft so etwas machen kann. Der mutmaßliche Täter hat ja offenbar schon nach weiteren Zielen gesucht. Das ist in Zukunft mehr oder weniger ausgeschlossen, weil das als Motiv jetzt in den Köpfen der Polizei ist. Das ist das Entscheidende daran. Ich bin jetzt nicht irgendwie stolz. Für mich gibt es keine Zufälle und deshalb habe ich das getan, was ich tun musste.

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