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Anschlag auf BVB-Bus - Angeklagter schweigt beim Prozessauftakt

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Sergej W. soll versucht haben, Spieler von Borussia Dortmund zu töten - um sich über eine Wette am Kapitalmarkt zu bereichern. Beim Prozessauftakt schweigt der Angeklagte.

Der Angeklagte Sergiej W. am 21.12.2017 im Gerichtssaal in Dortmund
Der Angeklagte Sergiej W. am 21.12.2017 im Gerichtssaal in Dortmund Quelle: reuters

Gut acht Monate nach dem Splitterbomben-Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter begonnen. Der 28-jährige Sergej W. soll am 11. April 2017 drei Sprengsätze gezündet haben, als der mit 27 Personen besetzte Mannschaftsbus gerade am Dortmunder Teamhotel abgefahren war. Bei der Explosion waren Metallsplitter in den Bus eingedrungen.

BVB-Abwehrspieler Marc Bartra erlitt einen Bruch des Unterarms, ein Polizist ein Knalltrauma. Die Anklage lautet auf 28-fachen Mordversuch. Bartras Anwalt Alfons Becker stellte am ersten Verhandlungstag vor dem Dortmunder Landgericht bereits einen Schmerzensgeldantrag über mindestens 15.000 Euro.

Verteidiger: Der Bus sollte gar nicht getroffen werden

Der Angeklagte selbst äußerte sich noch nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Carl W. Heydenreich erklärte im Anschluss an den ersten Verhandlungstag nur, dass seiner Ansicht nach von einem gezielten Attentat keine Rede sein könne. "Es liegt doch nahe, dass der Bus gar nicht getroffen werden sollte", sagte er. Schließlich seien nur zwei von Hunderten Metallstiften in das Fahrzeug eingedrungen. "Und der Bus ist ja kein Kleinwagen." Damit wollte der Verteidiger aber ausdrücklich nicht zum Ausdruck bringen, dass sein Mandant die Bomben gezündet habe.

Zuvor hatte Heydenreich in der Verhandlung angeregt, Oberstaatsanwalt Carsten Dombert wegen Befangenheit von der Sitzung abzuziehen. Dieser sei voreingenommen und habe eine "beispiellose Verleumdungskampagne" gegen den Angeklagten geführt, indem er einseitig ermittelt und offensichtlich Akteninhalte an Medienvertreter gegeben habe. Dombert reagierte auf die Vorwürfe so: "Ich fühle mich nicht befangen."

Zum Prozessauftakt waren nur ganz wenige Zuschauer und Fans von Borussia Dortmund ins Landgericht gekommen. Einer von ihnen, Murat Cam (44) aus Dortmund, nannte den Anschlag einen "schwarzen Tag für den Fußball".

Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der mutmaßliche Täter wollte sich bereichern

Hintergrund des Bombenattentats ist laut Staatsanwaltschaft Habgier. "Der Angeklagte handelte, um sich zu bereichern", heißt es in der Anklage. Sergej W. soll in der Woche vor dem Bombenanschlag für über 26.000 Euro Optionsscheine und Kontrakte gekauft haben, mit denen er an der Börse auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie spekulierte.

BVB-Mannschaftsbus

Hinweis auf BVB-Spekulanten - "Komisch, dass Optionen kurzfristig waren"

Rudolf S. aus Österreich ist Börsenexperte und BVB-Fan. Stunden vor dem Anschlag auf den Mannschaftsbus im April 2017 fielen dem 47-Jährigen hohe Umsätze mit Put-Optionen auf.

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Bei einem erfolgreichen Anschlag wäre das laut Staatsanwaltschaft wohl auch passiert. "Wären mehrere oder sogar alle Spieler des BVB schwer verletzt oder gar getötet worden, und wäre der Verein deshalb auf nicht absehbare Zeit nicht mehr in nationalen und internationalen Spielrunden vertreten gewesen, hätte dies die Bewertung des BVB auf dem Aktienmarkt erheblich negativ beeinflusst", heißt es in der Anklage.

6.000 Euro Gewinn durch den Anschlag

Bei einem Kursverfall der BVB-Aktie auf einen Euro hätte der Gewinn laut Anklage rund eine halbe Million Euro betragen. Tatsächlich soll der 28-Jährige an der Börse ein Plus von knapp 6.000 Euro erzielt haben.

Zehn Tage nach dem Attentat wurde Sergej W., der zuletzt in Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg lebte, festgenommen. Der Deutschrusse hat nach früheren Angaben der Behörden angegeben, in Dortmund lediglich Urlaub gemacht zu haben.

Dortmund verlor das abgesagte Spiel beim Nachholtermin

Die Mannschaft von Borussia Dortmund war am Tattag gerade in den Bus gestiegen, um von ihrem Dortmunder Mannschaftshotel "L'Arrivée" zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco in den Signal-Iduna-Park - das Dortmunder Fußballstadion - zu fahren. Das Spiel wurde abgesagt und am folgenden Abend nachgeholt. Der BVB verlor die Partie mit 2:3 (0:2).

Das Dortmunder Landgericht hat für den Prozess zunächst noch 18 Verhandlungstage bis zum 28. März vorgesehen. Spieler und Verantwortliche von Borussia Dortmund werden frühestens zu ihrer möglichen Zeugenvernehmung im Gericht erwartet. Termine dafür gibt es noch nicht.

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