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Letzter Flug - Bye, Bye Air Berlin

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Der letzte Air-Berlin-Flieger ist gelandet. Die insolvente Fluggesellschaft hat damit den Flugbetrieb eingestellt - und es endet ein Stück Luftfahrtgeschichte.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin am 12.10.2017 über dem Flughafen Berlin Tegel
Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin am 12.10.2017 über dem Flughafen Berlin Tegel Quelle: ap

Am späten Freitagabend um 23.45 Uhr landete die offiziell letzte Maschine der zweitgrößten deutschen Airline auf dem Flughafen Berlin-Tegel. AB 6210 war in München gestartet. In Tegel blieb für die Fans von Air Berlin die Besucherterrasse länger offen. Denn mit diesem Flug endet ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte.

Zuletzt ging alles sehr schnell. Jahrelang schrieb Air Berlin rote Zahlen. Immer wieder musste der Anteilseigner Etihad als Geldgeber aushelfen. Trotz immer neuer Sparprogramme erholt sich die Airline nicht. Im August 2017 drehte der arabische Partner den Geldhahn zu. Air Berlin musste Insolvenz anmelden. Eine Bundesbürgschaft von 150 Millionen Euro reichte gerade für zwei Monate. Jetzt hat Air Berlin kein Geld mehr und muss den Flugbetrieb einstellen. 

Am Anfang war viel Glamour

Nach der Wiedervereinigung öffnet sich der deutsche Flugmarkt. Die Air Berlin GmbH wird gegründet und Joachim Hunold  positioniert die Gesellschaft als preiswerten Ferienflieger. Der Mallorca Shuttle wird zum Markenzeichen. Es beginnt der Aufstieg zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland  nach der Lufthansa. 2006 bringt  Mister Air Berlin das Unternehmen an die Börse. Gerne zeigt sich der gebürtige Rheinländer mit den Schönen und Reichen. Es gibt rauschende Partys auf Sylt und Mallorca. Aus dem erfolgreichen Ferienflieger will Hunold etwas Größeres machen, es wird ein Gemischtwarenladen. Air Berlin will die Urlauber nicht verlieren, die Geschäftsreisenden auf den innerdeutschen Strecken bedienen und mitspielen im Geschäft der Langstrecke. Zu viel für den Konzern meinen Experten, die schnelle Expansion treibt Air Berlin in die roten Zahlen. Hunold gibt 2011 die Unternehmensführung ab. Ex-Bahnchef Mehdorn übernimmt, holt die Ehtihad ins Boot. Für Air Berlin gibt es eine Verschnaufpause, aber immer noch keine Gewinne.

Und dann ging es steil bergab

Die Vision der angeschlagenen Airline, lag in der Eröffnung des Flughafens BER. Hier wollte Air Berlin ein internationales Drehkreuz an einem eigenen Terminal errichten. Doch der Flughafen eröffnete nicht und Tegel war für die hochfliegenden Pläne zu klein und zu alt.

2014 war mit 315,5 Millionen Euro Verlust das bis dahin schlechteste Wirtschaftsjahr in der Firmengeschichte. Es häuften sich Pech und Pannen mit der Gepäckabwicklung, verspäteten Flügen und unzufriedenen Passagieren. Im folgenden Jahr stiegen die Verluste schon auf 447 Millionen Euro.

Die Chefs wechselten, die Misere blieb

Die Vorstandsvorsitzenden wechselten, die Misere blieb. Anfang 2017 übernahm Thomas Winkelmann. Er bemühte sich vergeblich um staatliche Bürgschaften für die angeschlagene Airline. Nur eine Bürgschaft wurde fest vereinbart, sein Gehalt ist bis Januar 2021 sicher. Mitarbeiter der Air Berlin stehen nach vielen Jahren für die Firma vor dem Nichts, Thomas Winkelmann kann im besten Fall für seine sieben Monate Arbeit bis 4,5 Millionen Euro kassieren.

Mit der Insolvenzanmeldung am 15. August 2017 hatten vor allem Kunden, die vorher ihr Ticket gekauft hatten das Nachsehen. Wenn ihre Maschine nicht flog, gab es auch keinen Ersatz mehr. Der Vorstand forderte die Belegschaft auf, weiter zu machen. Nur so hätte Air Berlin eine Chance beim Verkauf. Die Airberliner wie sie plötzlich überall genannt wurden, hatten aber schlechte Karten.

Die Lufthansa will zwar bis zu 3.000 Mitarbeiter übernehmen, aber wahrscheinlich zu schlechteren Konditionen. Alle anderen hatten auf eine große Transfergesellschaft gehofft, getragen durch die Länder Berlin, Nordrhein- Westfalen, Bayern und den Bund. Beteiligen sollten sich auch Air Berlin und die Lufthansa. Dazu ist es nicht gekommen. Nur für 1.200 Mitarbeiter gibt es ein kleine Lösung - getragen vom Land Berlin und Air Berlin. Alle anderen müssen damit rechnen, dass ihnen Ende des Monates gekündigt wird.

Das Schokoherz ist Geschichte

Das Markenzeichen von Air Berlin war über Jahre das rote Schokoherz. Beim Verlassen der Maschine bekamen es die Passagiere in die Hand gedrückt. 20 Gramm schwer aus Vollmilchschokolade stand es für "Herzlichkeit und Gastfreundschaft", so das Air Berlin Werbekonzept. Jetzt werden die Letzten auf eBay angeboten als Erinnerungsstücke.

Flug AB 6210 hat am Abend Tegel erreicht, Air Berlin hat damit den Flugbetrieb eingestellt. Die Passagiere verlassen den Flieger ohne das legendäre rote Schokoherz.

Air Berlin: Erst Erfolgsprojekt dann Krisen-Airline

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