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Widerstand gegen BDK-Vorstoß - Kripo-Beamte treten neue Cannabis-Debatte los

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Der Bund Deutscher Kriminalbeamter plädiert dafür, den Konsum von Cannabis zu erlauben. Widerstand kommt vor allem von Ärzten und dem Gesundheitsministerium.

Cannabis
Cannabis Quelle: dpa

Mit ihrer Forderung, Cannabis für Konsumenten zu legalisieren, hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eine neue Debatte losgetreten. Eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verwies in Berlin auf aktuelle Studien, wonach der Konsum der Droge "erhebliche negative gesundheitliche Folgen" gerade für Kinder haben könne. Es seien keine Änderungen der Rechtslage geplant, betonte die Sprecherin.

Ärztekammer will weiter intervenieren

Widerstand kam auch von der Bundesärztekammer. "Kiffen ist kein harmloses Freizeitvergnügen", sagte der Suchtexperte Erik Bodendieck von der Ärztekammer. Das habe zuletzt auch eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Auftrag des Gesundheitsministeriums bestätigt, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Cannabis könne demnach negative psychische, organische und soziale Effekte haben. Besonders für junge Konsumenten sei das Risiko hoch.

Bodendieck betonte, die Bundesärztekammer werde weiterhin intervenieren, wenn es um die Freigabe von Cannabis zum Freizeitgebrauch gehe. Unionsfraktionsvize Stephan Harbarth warnte ebenfalls vor einer Legalisierung - dadurch sei ein Anstieg des Konsums der Droge zu erwarten, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau".

Deutsche Polizeigewerkschaft: "Fatales Signal"

BDK-Chef André Schulz hatte in der "Bild"-Zeitung dafür plädiert, den Gebrauch von Cannabis zu entkriminalisieren. Das Verbot sei "historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend". Durch die jetzige Praxis würden Menschen stigmatisiert und kriminelle Karrieren erst befördert. Es habe nie eine Gesellschaft ohne Drogenkonsum gegeben, dies müsse akzeptiert werden.

In der Drogenpolitik gebe es bessere Möglichkeiten als Repression. "Dazu gehört zu lernen, mit einem verantwortungsvollen Drogenkonsum umzugehen, Konsumenten und Suchtkranken unter Fürsorgeaspekten zu helfen und einen tatsächlich wirksamen Kinder- und Jugendschutz möglich zu machen", sagte der BDK-Chef. Für Autofahrer müsse das Kiffen aber tabu bleiben.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält es hingegen für ein "fatales Signal", den Konsum von Cannabis zu erlauben. Er möchte aber auch nicht, dass seine Kollegen "für den Papierkorb" arbeiten, sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt. Anstatt ein aufwendiges Strafverfahren einzuleiten, sollten Konsumenten lieber zu einer verpflichtenden Beratung geschickt werden.

Experten warnen vor Wirkstoff THC

Während der Konsum von Alkohol und Tabak immer stärker reglementiert wird, scheint der Zug bei Cannabis in die entgegengesetzte Richtung zu fahren. Seit knapp einem Jahr ist die Droge als Medikament zugelassen. Einige Experten sehen diese Entwicklung mit großer Skepsis. Die enormen gesundheitlichen Gefahren durch den Cannabis-Wirkstoff THC seien durch internationale Studien bestens belegt, sagt der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Rainer Thomasius.

Gerade bei Jugendlichen führe THC zu schweren Hirnschädigungen, verhindere eine altersgerechte Entwicklung und könne zu Psychosen oder gar Schizophrenie führen. Zudem gebe es schwerwiegende psychosoziale Folgen, wie gerade die Entwicklung im US-Bundesstaat Colorado zeige, wo der Cannabis-Konsum vor zwei Jahren legalisiert wurde. "Für diejenigen, die regelmäßig kiffen, sind die Schäden durchaus vergleichbar"», sagt Thomasius zum Argument mit dem angeblich viel schädlicheren Alkohol.

Auch der österreichische Psychiater Kurosch Yazdi warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis. "Der Joint von heute ist anders als der Joint von früher", schreibt er in seinem Buch "Die Cannabis-Lüge". In modernen Züchtungen seien die THC-Konzentrationen im Vergleich zu den 60er und 70er Jahren regelrecht explodiert, während immer weniger von dem positiven Wirkstoff Cannabidiol enthalten sei. "Dadurch wird man natürlich stärker berauscht, aber auch eher psychotisch", so Yazdi.

Niederlande verschärfen Drogenpolitik wieder

In den Niederlanden, das bei Befürwortern der Legalisierung lange Zeit als Vorbild galt, wurde seit Mitte der 1990er Jahre die liberale Drogenpolitik deutlich verschärft. So wurde die Zahl der Coffeeshops, in denen man pro Person und Tag fünf Gramm Cannabis kaufen kann, von über 1.000 auf jetzt rund 570 reduziert. In den meisten Kommunen darf Cannabis nur noch an Personen abgegeben werden, die nachweislich in den Niederlanden wohnen. Auf diese Weise soll der Drogentourismus aus Frankreich und Deutschland gebremst werden. Der Anbau der Pflanzen und der Großhandel sind verboten.

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