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Goldene Palme und Trostpreise - Rückblick auf Cannes

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Außergewöhnlich viele Filme - Goldene Palme und Trostpreise - Rückblick auf Cannes

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Eine letzter Auflauf von Smokings und Abendkleidern - und das war es. In Cannes endet ein Festival, bei dem dieses Jahr viele außergewöhnliche Filme zu sehen waren.

Das Programm war so vollgepackt mit guten Filmen in diesem Jahr, da konnte die Jury kaum etwas falsch machen. Und bei der Goldenen Palme gab es sogar eine einstimmige Entscheidung für den Film "Parasite" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho. 

Bong Joon-ho am 25.05.2019 in Cannes
Bong Joon-ho gewinnt die Goldene Palme
Quelle: reuters

"Der Film hat uns berührt, weil er so eigenwillig, komisch und behutsam ist", sagte Jurypräsident Alejandro González Iñárritu über das Werk, das von den sich kreuzenden Schicksalen einer reichen und einer armen Familie erzählt.

"Ich denke nicht darüber nach, welches Genre von Film ich drehen will, das ergibt sich erst später", sagte Bong Joon-ho nach der Preisverleihung. "Am liebsten mische ich verschiedene Genres."

Seine großen Vorbilder seien Claude Chabrol und Alfred Hitchcock. Und er arbeite auch bereits an seinem nächsten Film, dessen Drehbuch er am liebsten in einem Café schreibe, erzählte er.

Immer noch keine Palme für eine Frau

Als Bong Joon-ho vor zwei Jahren seinen skurrilen Film über ein Riesenschwein namens Okja in Cannes zeigte, hatte es einen kleinen Skandal gegeben, weil der Streaming-Anbieter Netflix ihn produziert hatte und sich standhaft weigerte, ihn zunächst exklusiv in Kinos zu zeigen. Seitdem haben Streamingdienste in Cannes nichts mehr zu suchen und zeigen ihre Filme lieber in Venedig.

Eine Palme für einen Asiaten, das hieß zugleich: immer noch keine Palme für eine Frau, auch keine für den hoch gehypten Quentin Tarantino oder für den spanischen Altmeister Pedro Almodóvar, der tagelang die Kritikerlisten angeführt hatte.

Aber natürlich gab es noch zahlreiche Trostpreise. Der Große Preis der Jury, eine Art zweiter Preis, ging an die Franko-Senegalesin Mati Diop (36), die die erste Frau mit afrikanischen Wurzeln überhaupt im Wettbewerb war. Sie war von der Auszeichnung so überwältigt, dass sie auf der Bühne kaum noch zusammenhängende Sätze sprechen konnte. 

"Wie ein modernes Märchen"

Ihr Film erzählt von afrikanischen Flüchtlingen, die über das Mittelmeer wollen - aber auf ganz eigenwillige Art aus der Perspektive der zurückbleibenden Frauen. "Der Film hat mich sehr berührt, er ist wie ein modernes Märchen, obwohl es ein problematisches Thema ist", sagte die Schauspielerin Elle Fanning, die mit 21 Jahren das jüngste Mitglied in der Jury war.

Anstelle von Almodóvar bekam sein Schauspieler-Alter-Ego Antonio Banderas den Preis für den besten Darsteller verliehen und freute ich ganz fürchterlich darüber. "Ich war schon so oft für alle möglichen Preise nominiert und habe nie einen gewonnen. Dieser Preis ist vermutlich eine schlechte Nachricht für meinen Kardiologen", sagte er und lachte. 

Und auch der Vorort-Thriller Les Misérables von Ladj Ly, der als französischer Spike Lee gehandelt wurde, bekam mit dem Preis der Jury seine verdiente Auszeichnung. Er stehe bereits mit Präsident Emmanuel Macron in Kontakt, es werde eine Sondervorführung im Elysée geben, verkündete Ladj Ly triumphierend. Einen deutschen Verleih hat er mittlerweile auch gefunden.

Hundepalme für Tarantinos Film-Hund

Tarantino ging schließlich auch nicht ganz leer aus, denn er hatte stellvertretend die bereits am Freitag verliehene Hundepalme in Empfang genommen, mit der die Film-Hündin Brady ausgezeichnet worden war.

So endet das Festival mit den besten Filmen und dem schlechtesten Wetter seit vielen Jahren. Und noch bevor die Gewinner zur Pressekonferenz kamen, verschickte die Presseabteilung bereits die Hinweise für die Akkreditierung im kommenden Jahr.

Virginie Efira und Adele Exarchopoulos am 24.05.2019 in Cannes

Spannung vor Preisverleihung -
Gute Filme, schlechtes Wetter - Das war Cannes
 

Heute Abend wird die Goldene Palme in Cannes vergeben. Vielleicht zum zweiten Mal in der Geschichte des Filmfestivals an eine Frau.

von Ulrike Koltermann, Cannes
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