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Filmfestival eröffnet - Cannes 2019: Zombies, Märtyrer und Elton John

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Die Filmfestspiele in Cannes setzen weiter auf die große Kinoleinwand statt auf Streaming. Und die Frauen haben fast die 20-Prozent-Hürde erreicht.

Es hat etwas Jenseitiges, das diesjährige Filmfestival von Cannes: Der Eröffnungsfilm "The dead don't die" erzählt von der Wiederkehr der Untoten, einer der letzten Filme trägt den hoffnungsvollen Titel "Dies muss der Himmel sein". Noch ist es nicht aus der Zeit gefallen, das Festival, das sich für das bedeutendste der Welt hält. Doch lange kann es nicht mehr dauern, meinen seine Kritiker, die schon seit Jahren den Abgesang aufs Kino singen und das Monopol des privaten Bildschirms voraussagen. 

Aber das Kino hält sich wacker, und mit ihm das Festival, das knapp zwei Wochen lang Filmemacher und Filmhändler, Schauspieler und Zur-Schau-Steller aus aller Welt an die Côte d’Azur zieht. Und es weigert sich weiterhin standhaft, Filme zu zeigen, die nur für Streaming-Dienste produziert werden und nicht auf die große Leinwand kommen. 

Schonungsloser Blick auf gesellschaftliche Missstände

Internationalen Filmfestspiele in Cannes 2019 - "The dead don't die"
Filmszene aus dem Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele in Cannes 2019, "The Dead don't die": Bill Murray (l.), Chloë Sevigny (m.) und Adam Driver (r.)
Quelle: dpa

Im Wettbewerb um die Goldene Palme sind viele alte Recken dabei, der Brite Ken Loach (82) ist zum 14. Mal eingeladen und hat - ebenso wie die belgischen Dardenne-Brüder Jean-Pierre (68) und Luc (65) - bereits zwei Mal die Goldene Palme gewonnen. Den dreien ist der schonungslose Blick auf gesellschaftliche Missstände gemeinsam. Ken Loach befasst sich in "Sorry we missed you" mit dem Schicksal eines scheinselbständigen Lieferwagenfahrers. Die beiden Belgier widmen sich in "Le jeune Ahmed" einem 13-Jährigen, der sich vom Islamismus faszinieren lässt.

Den größten Coup dieses Jahres landete Festivalchef Thierry Frémaux mit dem neuen Film von Quentin Tarantino "Once Upon a time in Hollywood", in dem Leonardo di Caprio den abgehalfterten Star einer TV-Westernserie spielt und Brad Pitt dessen Stuntman. Das Festival war in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil es immer weniger amerikanische Stars gewinnen konnte. Für Tarantino ist es zugleich ein Jubiläum: Vor 25 Jahren hatte er hier seine erste Goldene Palme mit "Pulp Fiction" gewonnen. 

Filmbiografien über Elton John und Diego Maradona

Elton John
Elton John
Quelle: ap

Einen hohen Promifaktor hat auch der Eröffnungsfilm von Jim Jarmusch, der mehrere Oscar-nominierte Schauspieler für einen vermutlich skurrilen Zombiefilm zusammenbekommen hat, unter anderem Bill Murray und Adam Driver. Auf dem roten Teppich werden außerdem Stars wie der Musiker Elton John und der Fußballer Diego Maradona erwartet, denen beiden dieses Jahr ein Biopic gewidmet ist.

Neben den vielen bekannten Namen gibt es aber auch einige Neulinge, deren Filme spannend klingen. Die franko-senegalesische Filmemacherin Mati Diop beschreibt in "Atlantique" die Flucht junger Afrikaner nach Europa aus der Perspektive der zurückbleibenden Frauen in Dakar. Ladj Ly, ein Franzose mit malischen Wurzeln, erzählt in "Les misérables" vom Leben in einer Pariser Vorstadt.

Wener Herzog liefert japanischen Film "Family Romance LLC"

Regisseur Werner Herzog (2018)
Regisseur Werner Herzogs Film "Family Romance LLC" läuft in Cannes außer Konkurrenz.
Quelle: dpa

Der deutscheste Film ist sicher "Ein verborgenes Leben" des Amerikaners Terrence Malick. Es ist die Geschichte des österreichischen Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter, gespielt von August Diehl, der von den Nazis hingerichtet wurde und von der katholischen Kirche als Märtyrer anerkannt wurde. Außer Konkurrenz läuft der Film "Family Romance LLC", den der deutsche Altstar Werner Herzog allerdings in Japan und auf Japanisch gedreht hat.

Die Frauenfrage wird Cannes auch weiterhin beschäftigen. Dieses Jahr sind vier von 21 Filmen von Frauen gemacht, also schon mal knapp ein Fünftel. Der Tag, an dem die zweite Frau seit Jane Campion 1993 eine Goldene Palme erhält, rückt unaufhaltsam näher. Unterdessen gibt das Festival sich erstmals familienfreundlich und hat nach Protesten im vergangenen Jahr zumindest mal eine Still- und Wickelecke eingerichtet. 

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