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Malick erzählt die Geschichte eines Märtyrers

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Grübelnde Zuschauer in Cannes - Malick erzählt die Geschichte eines Märtyrers

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Der Österreicher Franz Jägerstätter sagt Nein zu den Nazis und wird deshalb hingerichtet. Terrence Malicks Film über den Bergbauern lässt grübelnde Zuschauer in Cannes zurück.

August Diehl und Valerie Pachner in Cannes
In Cannes präsentierten sich Valerie Pachner und August Diehl - sie spielen das junge Ehepaar, dessen Leben von den Nazis jäh zerrissen wird.
Quelle: reuters

Es passt, dass Terrence Malicks Film "Ein verborgenes Leben" in Cannes ausgerechnet an einem Sonntag Premiere hatte: In dem Drei-Stunden-Epos werden mehr Vaterunser gebetet als in einem katholischen Hochamt. Und der Film bietet viel Zeit, um Gewissensforschung zu betreiben. Wohl kaum ein Zuschauer verlässt den Kinosaal, ohne sich die Frage zu stellen: Was hätte ich getan? 

Malick erzählt die Geschichte des österreichischen Bergbauern Franz Jägerstätter, der sich während des Zweiten Weltkriegs aus religiösen Gründen weigerte, der Wehrmacht beizutreten. Er wurde deswegen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Es sind sensationell schöne Bilder, die zu Beginn des Films Franz im Glück zeigen. Malick greift tief in die Kiste der Heimatfilmrequisiten - sattgrüne Wiesen, muhende Kühe, dunkle Erde, muskulöse Bauern und goldgelockte Kinder. Da blitzt die Sonne durch die Tannen, da leuchtet eine Haarsträhne im Gegenlicht. Jede Szene ist ästhetisch perfekt komponiert. 

Kriegsdienstverweigerung im Österreich des Zweiten Weltkriegs: Mit dem Film "Ein verborgenes Leben" widmet sich Regisseur Terrence Malick der Kraft des Neinsagens.

Beitragslänge:
2 min
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Zerstörte Familienidylle in den Bergen

Eine Bergwiese mit einer Vielzahl an Kräutern und Wiesenblumen
Anfangs leben die Jägerstätters noch in einer Berg-Idylle.
Quelle: dpa

Franz lebt mit seiner Frau Fani und den drei kleinen Töchtern in einem kleinen Dorf. Die beiden sind verliebt ineinander und in ihre Kinder, die barfuß über die Bergwiesen laufen und jubelnd im Heu toben. Die Idylle währt nicht lange. Der Briefträger bringt die Einberufung, Fani erklärt den Kindern, der Vater gehe auf eine lange Reise. Als die Rekruten auf Hitler schwören, bleibt Franz stumm und wird brutal ins Gefängnis geworfen.

Für Franz waren der Eid auf Hitler und der Kriegsdienst nicht mit seinem Glauben vereinbar. Und daran hielt er auch fest, als selbst der Dorfpfarrer und der Bischof ihn mahnten, lieber an seine Familie zu denken. Während er in Haft saß, wandte sich das Dorf von seiner Familie ab. Fani wurde bespuckt, ihre Kinder von anderen Kindern mit Dreck beworfen. Und doch war es Fani, die als letzte zu ihm hielt. Der anrührende Briefwechsel der beiden macht den größten Teil des Textes im Film aus, den beide aus dem off sprechen. Und immer wieder geschieht lange nichts oder kaum etwas. Es bleibt viel Zeit, all die Argumente für und wider diesen Akt sacken zu lassen. 

Verblendung oder Überzeugung?

Wie sinnvoll ist Widerstand, wenn er die eigene Familie ins Unglück stürzt? Wenn niemand es merkt und es nichts ändert? Wo ist die Grenze zwischen Überzeugung und Verblendung? Wenn es Gott gibt, kann er das wirklich wollen? All diese Fragen stellt Franz sich immer und immer wieder - bis es zum dramatischen Finale kommt. Die katholische Kirche hat Jägerstätter 2007 als Märtyrer anerkannt und seliggesprochen, die Vorstufe zum Heiligen. Eine späte Anerkennung, die auch vergessen machen sollte, dass mehrere Geistliche Jägerstätter Gehorsam gegenüber den Nazis empfohlen hatten. 

Als studierter Philosoph, der Heidegger übersetzt hat und jegliches Rampenlicht scheut, ist Malick eine Ausnahmeerscheinung unter den in Cannes vertretenen Filmemachern. Vor der Premiere ließ er die Hauptdarsteller August Diehl und Valerie Pachner allein über den roten Teppich gehen. Beide spielen ihre Rollen hervorragend. Bedauerlich ist nur, dass sie das auf Malicks Wunsch auf Englisch tun, was vor der österreichischen Bergkulisse schräg klingt. Bevor der Film in deutsche Kinos kommt, müssen die deutschen Schauspieler sich dann wohl selber synchronisieren. 

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