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Carl-Zuckmayer-Preis - Ehrung trotz Empörung: Medaille für Menasse

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Es ist eine Preisverleihung im Schatten des Streits um Fakten: Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse bekommt in Mainz die Carl-Zuckmayer-Medaille für sein Gesamtwerk.

Archiv: Robert Menasse am 07.10.2017 in Frankfurt am Main
Vielfach ausgezeichnet und zuletzt umstritten - der österreichische Autor Robert Menasse
Quelle: dpa

Nie zuvor hat die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz so hohe Wellen geschlagen: Wenn Robert Menasse die Auszeichnung am Freitagabend im Staatstheater Mainz erhält, wird im deutschsprachigen Raum über seinen Umgang mit Zitaten und historischen Fakten diskutiert. Gut ein Jahr nach seinem Erscheinen ist auch Menasses Roman "Die Hauptstadt" auf einmal umstritten.

Für seinen EU-Roman hatte Menasse 2017 den Deutschen Buchpreis erhalten. Bei den Vorwürfen gegen den 64-Jährigen geht es unter anderem um die Behauptung, dass der erste Kommissionspräsident des EU-Vorläufers Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten habe. Dies ist Historikern zufolge nicht der Fall gewesen.

Menasse räumt Fehler ein

"Ein Roman darf grundsätzlich alles", sagt der Frankfurter Literaturprofessor Heinz Drügh. Vor der Preisverleihung in Mainz entschuldigte sich Menasse dafür, dass er auch "in öffentlichen Äußerungen und nicht-fiktionalen Texten" Hallstein Zitate zugeschrieben hat, die dieser so nicht gesagt hatte. Und er bedauerte: "Es war unüberlegt, dass ich im Vertrauen auf Hörensagen die Antrittsrede von Hallstein in Auschwitz verortet habe. Diese hat dort nicht stattgefunden."

Bereits Ende 2017 warf der Historiker Heinrich August Winkler Menasse vor, Hallstein zu einer tatsächlich gehaltenen Rede falsch zitiert zu haben. Winkler wandte sich dabei gegen eine Abschaffung der Nationalstaaten in Europa. Dieser Linie folgen auch die rheinland-pfälzischen Oppositionsparteien CDU und AfD, die den Preis des Landes für Menasse scharf kritisiert haben.

Dreyer will Gesamtwerk würdigen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will jedoch mit der Preisverleihung das "beeindruckende literarische Gesamtwerk" Menasses würdigen. Auch habe er mit seinem engagierten Streiten für die europäische Idee die politische Debatte um die Zukunft der EU sehr bereichert. In einer Stellungnahme räumte Menasse ein, dass die künstlerische Freiheit im Roman und Spielregeln im politischen Diskurs nicht vermengt werden dürften. "Darauf werde ich achten und darauf können Sie sich verlassen."

Der Entscheidung der Staatskanzlei in Mainz, an der Preisverleihung festzuhalten, gingen Gespräche zwischen Dreyer, Kulturminister Konrad Wolf (SPD) und Menasse voraus. Mit Menasse sei Klarheit darüber hergestellt worden, dass die "vorbehaltlose Anerkennung von Fakten zum Wertefundament unserer liberalen Öffentlichkeit gehört", betonte Dreyer anschließend.

Vielfach ausgezeichneter Autor

Menasse verfasste zahlreiche Romane, Essays und kulturheoretische Schriften und gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller Österreichs. Der Durchbruch gelang ihm 1995 mit dem Roman "Schubumkehr", für den er später mit dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet wurde. Darin beschreibt Menasse, wie der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 auch in Österreich die bestehenden Verhältnisse durcheinanderbrachte. Weitere bekannte Werke sind "Sinnliche Gewissheit", "Land ohne Eigenschaften" sowie "Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust".

Für seine Arbeit wurde der gebürtige Wiener mehrfach ausgezeichnet: Er hat den Lion-Feuchtwanger-Preis (2002), den Heinrich-Mann-Preis (2013), den Max-Frisch-Preis (2014), den französischen Orden der "Arts et Lettres" (2006) und 2017 eben den Deutschen Buchpreis erhalten.

Mit der Carl-Zuckmayer-Medaille bekommt er die höchste kulturelle Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz. Der Preis wird seit 1979 am Todestag des rheinhessischen Dichters, dem 18. Januar, überreicht. Der Preisträger bekommt dann auch ein 30-Liter-Fass mit Wein aus Zuckmayers Heimat Nackenheim. Mit der Auszeichnung sollen besondere Verdienste um die deutsche Sprache gewürdigt werden. Ausgewählt wird der oder die Preisträgerin von einer Kommission unter Vorsitz von Kulturminister Konrad Wolf (SPD). Unter den 14 weiteren Mitgliedern der Kommission war auch die Vorjahrespreisträgerin Yoko Tawada.

Lesen Sie hier den Kommentar von Michael Schmitt, Redakteur und Literaturexperte bei "Kulturzeit".

Archiv: Robert Menasse am 30.10.2018 in Wien

Kommentar - Robert Menasse und die verkehrte Welt

Trotz Kritik am Umgang mit Zitaten und Fakten bekommt der Autor Robert Menasse die Carl-Zuckmayer-Medaille. Viel Aufregung um ein paar verdrehte Textstellen, findet unser Autor.

von Michael Schmitt
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