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Zahl der Nutzer legt stark zu - Neue Impulse durch flexibles Carsharing

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Derzeit nutzen etwa 2,1 Millionen Menschen in Deutschland Carsharing, 400.000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Ändert sich unser Verkehrsverhalten?

Carsharing-Fahrzeuge
Quelle: imago

heute.de: Die Zahl der Nutzer von Carsharing war im Jahr 2016 um gut ein Drittel gestiegen, 2017 gab es wieder einen kräftigen Schub, wie die neuen Zahlen zeigen. Wird dieses Mobilitätskonzept jetzt doch langsam zum Massenphänomen?

Manuela Schönau: Das muss die Zukunft zeigen, derzeit jedoch sehen wir beim Carsharing mit jetzt rund 2,1 Millionen angemeldeten Nutzern sicherlich noch ein Nischenangebot. Das sind nach wie vor etwa nur ein bis zwei Prozent Anteil am gesamten Autoverkehr in Deutschland. Auf jeden Fall hat Carsharing durch das Free-Floating-System, auch voll-flexibles Carsharing, neue Impulse bekommen und konnte so vor allem neue Nutzergruppen erreichen.

heute.de: Was ist das für ein System?

Schönau: Ursprünglich gab es ja nur das stationsgebundene Carsharing. Man hat sein Fahrzeug an einem festen Ort abgeholt und es nach der Nutzung dort auch wieder abgestellt. Beim Free-Floating-Carsharing hingegen kann ich das Fahrzeug überall innerhalb einer vordefinierten Zone, also beispielsweise im gesamten Stadtgebiet abstellen. Die Apps der jeweiligen Anbieter zeigen dann den Standort an, und der nächste Nutzer kann es dort übernehmen. Diese Variante wurde 2012 in Deutschland eingeführt, und das hat der Branche schon einen Kick gegeben.

heute.de: Hört sich nach einer Lösung für Großstädte an.

Schönau: Noch ist das auf jeden Fall so. Free Floating ist derzeit in Deutschland auf wenige Ballungsräume beschränkt. Stuttgart, München und Berlin liegen da weit vorne in den insgesamt zwölf Metropol-Regionen mit Free-Floating-Anbietern. Da sieht man dann auch klar die Vorteile von One-Way-Fahrten und wie sich Carsharing in neue Mobilitätskonzepte einbinden lässt.

heute.de: Wie sehen solche Konzepte aus?

Schönau: In Großstädten geht es um das Zusammenspiel innerhalb des Umweltverbundes – also der kombinierten Nutzung von öffentlichem Personenverkehr mit Bus und Bahn, Fahrrad, Fußwegen und eben Varianten des Carsharing.

heute.de: Sind da auch die Kommunen mit ihren Verkehrsverbünden gefragt?

Schönau: Auf jeden Fall! Und es tut sich ja bereits eine Menge. Einerseits arbeitet man an so genannten Mobilitätspunkten. An solchen Orten liegen U-Bahn-Stationen, Fahrradverleih und Carsharing-Angebote direkt beieinander und bieten dem Nutzer einen vereinfachten Zugang zu einer Vielzahl von Verkehrsmitteln. Dadurch wird intermodales Verkehrsverhalten, also die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel während einer Wegstrecke, vereinfacht. Neben diesen realen Schnittstellen wächst die Bedeutung von digitalen Plattformen, die mir die effizienteste Nutzung für einen Weg von A nach B nennen: zuerst mit der S-Bahn, dann mit dem (Leih-)Rad oder einem gemieteten Auto beispielsweise. Solche Ratgeber-Apps in Verbindung mit Buchungssystemen stehen zwar noch am Anfang, aber es gibt bereits Modellversuche, die auch überregional denken und Verkehrsverbünde miteinander verknüpfen.

heute.de: Wirkt sich Carsharing in solchen Verbünden auch auf die Luft in unseren Großstädten aus? Immerhin sind es ja größtenteils weiter Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Schönau: Ich denke schon. Aus technischer Sicht kann Carsharing bei Stickoxid- und CO2-Emissionen eine Menge leisten, weil es alleine häufig schon kleinere Fahrzeuge sind, die meist drei bis vier Jahre alt sind, also über modernere Motoren verfügen, die weniger verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstoßen. Da haben die Anbieter übrigens schnell auf den Dieselskandal reagiert und sind dabei, vorhandene Dieselfahrzeuge wieder durch kleine Benziner zu ersetzen. Hinzu kommt außerdem, dass Carsharing urbane Flächen entlastet. Hier können private Neuanschaffungen vermieden werden, bestehende Fahrzeuge können von der Straße verschwinden – und hier vor allem die große Masse an parkenden Fahrzeugen.

heute.de: Gerade jetzt wird allerdings diskutiert, ob man den öffentlichen Personenverkehr für alle kostenlos anbietet, um die Luft in unseren Städten zu verbessern. Wäre das nicht das Aus für Carsharing?

Schönau: Ich halte es eher für unrealistisch, dass es einen komplett kostenlosen ÖPNV geben wird. Aber selbst wenn der öffentliche Verkehr nur günstiger wird – zum Beispiel ähnlich dem sehr günstigen und erfolgreichen Jahresticket in Wien – sollte das dem Carsharing nicht schaden. Nach wie vor schätzt die überwältigende Mehrheit auch die Freiheit und den Komfortgedanken, mit einem Auto unterwegs zu sein. Der reine ökonomische Gedanke greift da zu kurz.

Das Interview führte Christian Thomann-Busse

Carsharing: Zahlen und Fakten

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