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CDU stoppt Antwort auf Rezo-Video - Amthor: "Ich fühle mich nicht ausgebremst"

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Die CDU rudert zurück: Es wird kein Antwort-Video von Philipp Amthor auf den Youtuber Rezo geben. Amthor findet das richtig: "Ich fühle mich nicht ausgebremst", sagte er dem ZDF.

Über fünf Millionen Mal wurde das Video "Die Zerstörung der CDU" von Youtuber Rezo angeklickt. Die CDU versprach zunächst ein eigenes Video, heute gab Generalsekretär Ziemiak ein Statement ab.

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Das Video war nach ZDF-Informationen bereits am Mittwoch produziert worden, wurde aber auf den diversen Internet-Kanälen nicht hochgeladen. In einem Offenen Brief an Rezo schreibt die CDU heute nun warum: Man habe "abgewogen, ob eine Antwort auf derselben Ebene - Video gegen Video - für uns als CDU die richtige, die angemessene Antwort ist. Ob es der notwendigen politischen Auseinandersetzung hilft oder Politik zum Spektakel macht." Die "Währung der Volksparteien" sei Vertrauen, nicht Klick-Raten wie auf Youtube. Deswegen wolle man lieber in die direkte Auseinandersetzung gehen und nicht auf eine "steile These" eine "hastige Antwort" geben.

"Meine Schlagfertigkeit ist nicht verloren"

Amthor selbst sagte heute dem ZDF, die Entscheidung der Partei sei richtig. "Es ist eine gemeinsame Entscheidung, die wir getroffen haben." Ein neues Video "wäre in dieser Diskussion nicht das richtige Format gewesen. Wir wollen keinen ewigen Austausch über Videos, sondern lieber einen Austausch auf einer Argumenten- und Sachebene", so Amthor. "Ausgebremst" fühle er sich aber nun nicht: "Meine Schlagfertigkeit ist in keiner Weise verloren." Er setze "nicht auf persönliche Eitelkeiten, sondern sachliche Diskussion."

Der 26-jährige CDU-Politiker hätte die Antwort seiner Partei auf das Video des Youtubers Rezo sein sollen, das die CDU seit Samstag in Unruhe versetzt. Und das im Netz seitdem zu den Topthemen gehört. Der ebenfalls 26-jährige Künstler Rezo hatte in dem fast eine Stunde dauernden Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" unter anderem die ungerechte Vermögensverteilung in Deutschland, die Klima- und Umweltpolitik der Bundesregierung und die Parteien insgesamt attackiert. Mehr als fünf Millionen mal ist es auf Youtube mittlerweile aufgerufen worden.

Ziemiak: Erst "Pseudofakten", dann doch gute Quellen

Noch am Mittwoch waren Verantwortliche in der Parteizentrale der CDU bei diesem Thema nahezu abgetaucht. Eine offizielle Antwort gebe es nicht, spielte Generalsekretär Paul Ziemiak das Ganze herunter. Wer sich das Video und die darin verwendeten Quellen anschaue, könne sehen, dass es sich "um die Vermischung ganz vieler Pseudofakten" handele. Das Video verbuche er unter einer "ganz persönlichen Meinung desjenigen, der es erstellt hat". Heute nun korrigierte sich Ziemiak: Er zweifle Rezos Quellen nicht an. Er lud Rezo per Twitter ein: "Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen, aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen", so Ziemiak. "Wir machen nicht alles richtig. Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind. Wir können beim Klimaschutz noch mehr tun." Ein gemeinsamer Austausch sei besser als ein "Video-Krieg". Ziemiak versprach für das Treffen: "Philipp Amthor kommt auch."

Seit Mittwoch war das Warten auf das Amthor-Video Thema in den sozialen Netzwerken - mit Kommentaren und mehr oder wenigen humorvollen, bisweilen hämischen Gifs. Der Hashtag #Amthor ist seit gut zwei Tagen in den Top Ten der meist getwitterten Themen. Mal geht es gegen Amthor selbst, mal gegen die CDU, die es offensichtlich nicht schaffe, ein Video hochzuladen. Am Abend meldete sich dann auch Parteichefin Annegret-Kramp-Karrenbauer zu Wort und versuchte es mit Sarkasmus: "Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab." Allerdings: In der Bibel wird von zehn, nicht von sieben Plagen berichtet. Was erneut einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken hervorrief.

"Mit dem Klammerbeutel gepudert"

Auch die politische Konkurrenz nahm das Thema auf. Es sei nicht schlimm, twitterte Grünen-Politiker Sven Giegold, dass Kramp-Karrenbauer von sieben statt zehn biblischen Plagen sprach. "Was aber schlimm ist", sagt Giegold, dass es all die Insekten, von denen in den Plagen die Rede sei, Stechmücken, Heuschrecken zum Beispiel, nicht mehr gebe. Dafür aber die biblischen Unwetter, die eine Folge des Klimawandels seien. Man sei, sagte der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken, "mit dem Klammersack gepudert", wenn man das Video und die Themen darin nicht ernst nehme.

Die Linke dagegen sieht sich von Rezos Kritik nicht angesprochen. Die treffe vor allem die Koalition, sagte der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi. Es sei aber gut, "wenn sich junge Leute engagieren" und die Politik nicht nur Politikern im Bundestag überlassen wollten, sondern auch per Video "die Klappe aufreißen".

Allerdings bekommt Rezo mittlerweile auch Zustimmung aus der Partei, wenn auch aus der älteren Garde. Ruprecht Polenz, einst selbst Generalsekretär der Partei, schrieb in einem Offenen Brief an den 26-Jährigen: "Ich glaube, Du hast mit vielen Punkten Deiner Kritik Recht, mit anderen nicht, und ich frage mich, ob Dein Video zu einem Umdenken in unserer Gesellschaft führt, was die Dringlichkeit der Klimafrage angeht", so der 72-Jährige. "Hoffentlich tut es das, kann ich nur sagen."

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