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Tillich geht, Kretschmer kommt - Sachsen-CDU: Neue Generation Politiker

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In Sachsen vollzieht sich ein Wechsel an der Spitze des Freistaats. Tillich gibt die Macht an einen Jüngeren ab. Doch wer ist der Neue, der sich gegen die AfD behaupten muss?

Archiv: Stanislaw Tillich und Michael Kretschmer am 25.10.2017 in Dresden
Archiv: Stanislaw Tillich und Michael Kretschmer am 25.10.2017 in Dresden Quelle: dpa

Der bisherige CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer. Der muss zeigen, was er kann. Für die sächsische CDU geht es um viel, wenn nicht um alles. Nur anderthalb Jahre bleiben Kretschmer bis zur nächsten Landtagswahl, um Dinge zu verändern. Gelingt das nicht, ist zu befürchten, dass die Protestpartei AfD die Lücke füllen wird.

Zäsur in der sächsischen Nachwende-Geschichte

Bei der Bundestagswahl am 24. September wurde die AfD stärkste Kraft im Freistaat mit 27 Prozent. Die CDU, die sich seit 27 Jahren satt und sicher an der Spitze in Sachsen wähnte, landete 0,1 Prozentpunkte dahinter. Obwohl es bei der Wahl nicht vorrangig um ihn ging, zog Stanislaw Tillich - im Gegensatz zu anderen - die Konsequenzen und trat zurück. Es muss wohl auch hinter den Kulissen so einiges passiert sein, das den ansonsten so verlässlichen und berechenbaren Mann zu diesem unerwarteten Schritt bewog.

Auch für Michael Kretschmer war dieser 24. September schicksalhaft. Der bis dahin stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag verlor sein Mandat - ausgerechnet an einen AfD-Mann. Die bitterste Stunde seiner politischen Karriere, wie er sagt. Aus der Niederlage erwuchs eine Chance. Nur wenige Wochen später war er der Hoffnungsträger der sächsischen CDU.

Auf dem Landesparteitag in Löbau ist Michael Kretschmer heute zum neuen CDU-Chef in Sachsen gewählt worden. Wenn alles läuft, könnte am kommenden Mittwoch mit 42 Jahren der jüngsten Ministerpräsident Deutschlands werden.

Herausforderungen sind auch eine Chance

Kretschmer steht vor enormen Herausforderungen. Zu lange haben sich (auch) die Regierenden in Sachsen den Konflikten dort nicht offensiv gestellt. Dass der Freistaat ein Problem mit rechten Gesinnungen hat, die dort häufiger und dramatischer ausbrechen als anderswo, ist nicht schönzureden. Die Pegida in Dresden. Orte wie Heidenau oder Freital wurden zum Synonym für Gewalt gegen Fremde und Andersdenkende. Gerade ging der Preis für Zivilcourage zum dritten Mal in Folge nach Sachsen. Eine 15-Jährige hatte es an einer privat geführten Schule in Dresden nicht als normal empfunden, dass Mitschüler den Hitlergruß skandieren und Holocaust-Witze reißen.

Was ist dort los, fragt man sich. Sachsen braucht dringend qualifizierte Lehrer und einen eben solchen Unterricht. Darum kämpft der neue Kultusminister Frank Haubitz, der junge Lehrer verbeamten und etablierte Pädagogen besser bezahlen will.

Bei der Bundestagswahl hat fast jeder vierte Ostdeutsche seine Stimme AfD gegeben, viele aus Protest gegen die etablierten Parteien. Doch woher kommt diese Wut?

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Michael Kretschmer - eine neue Generation von Politiker

Kretschmer hat nie im Landtag gesessen oder ein Staatsamt innegehabt. Gleichwohl hat er 27 Jahre Erfahrung in der Politik. Als es in Dresden keinen Kita-Platz für einen seiner beiden Söhne gab, nahm er ihn mit zu seinem Bundestagsjob in Berlin. Manche rümpften da die Nase. Dem diplomierten Wirtschaftsingenieur rang das nur ein müdes Lächeln ab. Seine Lebensgefährtin ist Journalistin. Er ist eine neue Generation von Politiker.

Was will der Neue? Die AfD will Kretschmer überflüssig machen. Es gebe keine falschen Ängste, sagt er. Ein Politiker sei doch gewählt, um den Menschen erst einmal zuzuhören. Diese Botschaft hören die Sachsen wohl. In Görlitz, Kretschmers Heimatstadt, erwarten die Siemens-Beschäftigten, deren Werk geschlossen werden soll, Hilfe. Darauf hoffen auch die Arbeiter bei Bombardier und in der Braunkohle. In der Oberlausitz droht eine ganze Region zu sterben. Kretschmer hat ein 100 Tage-Programm in der Tasche, eine Schonfrist bekommt er nicht.

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