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Streit um Regierungs-Masterplan - Künstliche Intelligenz: Kanzlerin macht Druck

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Nach dem Vorbild China macht die Kanzlerin Druck in Sachen Künstliche Intelligenz (KI). Ein Masterplan der Regierung soll her. Auf der CEBIT wird das Thema kontrovers diskutiert.

Standbild:Holger Volland / künstliche Intelligenz
Quelle: colourbox

Gut drei Stunden hatte die Bundeskanzlerin Ende Mai mit Wissenschaftlern, Analysten und Unternehmern über eine nationale Forschungsstrategie in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) diskutiert. Danach war zumindest für Forschungsministerin Anja Karliczek die Welt in Sachen KI eine völlig andere.

Regierungsstrategie bisher Fehlanzeige

"Die vielen konkreten Anregungen von Experten aus der Wissenschaft und Wirtschaft sollen jetzt zu einem Entwurf für ein Eckpunktepapier verdichtet werden", fasst Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, das Ergebnis des Spitzengesprächs mit der Kanzlerin zusammen. Ein anderer Teilnehmer am KI-Gipfel im Kanzleramt wird da deutlicher: "Der Blick der Politik auf die Künstliche Intelligenz war extrem einseitig."

Und das haben die Wissenschaftler der Kanzlerin auch mit Nachdruck klargemacht. "Im Forschungsministerium müssen jetzt einige Strategie-Papiere völlig umgeschrieben werden", meinte ein Analyst nach dem Termin im Kanzleramt. Auf den KI-Gipfel mitgebracht hatte die Kanzlerin nämlich ihre beim China-Besuch gewonnenen Eindrücke über Big-Data-Analysen.

Verengung auf Big Data

Entsprechend war in den Tagen vor dem KI-Gipfel aus dem Forschungsministerium zu hören, dass hier dringend mehr Projekte gefördert werden müssen. Bei diesen KI-Anwendungen geht es immer um intelligente Vorhersagen. Dabei spielen Mustererkennung und Wahrscheinlichkeitsberechnung eine Rolle. Es geht hier um Antworten auf Fragen wie: Wann ist ein Mensch besonders bereit, eine Lebensversicherung abzuschließen? Wann wird jemand eine rote Ampel überfahren? Wann lädt sich ein Mensch ein bestimmtes Musikstück herunter?

Aber auch um Fragen wie: Welche Ersatzteile braucht ein Elektromotor wann, damit er nicht ausfällt? Wieviel Kilogramm Frischfleisch oder Obst wird ein bestimmter Supermarkt in einem bestimmten Stadtteil an einem bestimmten Tag verkaufen? Das lässt sich alles ziemlich präzise mit intelligenter Mustererkennung und Wahrscheinlichkeitsberechnung prognostizieren. Genau solche KI-Anwendungen haben die Kanzlerin bei ihrem China-Besuch auch ungemein fasziniert.

Doch Wissenschaftler und Unternehmer konnten sie von diesem einseitigen Blick auf die Künstliche Intelligenz abbringen. Das bringt jetzt die darauf fixierte Ministerialbürokratie im Forschungsressort ziemlich durcheinander.

Künstliche Intelligenz ohne Massendaten

"Die Forschungspolitik sollte auf datenarme KI-Systeme setzen", meint Stefan Heumann von der Stiftung Neue Verantwortung. Er hat gemeinsam mit drei Co-Autoren "Eckpfeiler einer deutschen KI-Strategie" erarbeitet.

Diese Eckpfeiler werden jetzt in die regierungsamtliche KI-Strategie mit einfließen. Dadurch wird zwar die unglückliche Fixierung auf Big-Data-Anwendungen aufgebrochen. Gleichzeitig ist dadurch aber eine neue Auseinandersetzung entstanden. "Politik und viele Forschungseinrichtungen haben in den letzten Jahren nicht agil genug auf neue Ansätze reagiert", schreiben die Autoren um Stefan Heumann etwa. Diese Spitze richtet sich eindeutig gegen das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Kampf um Forschungsgelder

Das wurde im Jahr 1988 gegründet und ist der Platzhirsch in der KI-Forschung. Seiner Grundlagenforschung verdankt Deutschland zum Beispiel eine exzellente Position bei der Entwicklung von Kontrollsystemen für KI-System beim autonomen Auto. In das DFKI floss ein großer Teil der Forschungsgelder hierzulande. Doch das an den Eckpfeilern beteiligte Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München will auch mehr Forschungsgelder und muss sich dafür entsprechend positionieren.

Da droht ein neuer Streit um die Ausrichtung der nationalen KI-Strategie, von dem die Wissenschaft langfristig nicht profitieren wird. Die Institute wären deshalb gut beraten, eine gemeinsame Position für die KI-Forschung zu entwickeln. Die jetzt in Hannover stattfindende Cebit bietet dafür einige gute Ansatzmöglichkeiten.

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