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Hacker zwiegespalten bei Digitalscham

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Chaos Communication Congress - Hacker zwiegespalten bei Digitalscham

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"Resource Exhaustion": Um die Erschöpfung der Ressourcen auf dem blauen Planeten geht es dem Chaos Computer Club auf dem 36. Hackerkongress. Die Forderung: "Wir müssen mehr tun."

Teilnehmer des Chaos Communication Congress (Archiv 2017)
Teilnehmer des Chaos Communication Congress vor zwei Jahren.
Quelle: dpa

Luftverschmutzung und Klimakrise, Überdüngung der Böden und Wasserknappheit, Plastikmüll und Elektroschrott, Energiewende und neue Mobilität -– die Hackergemeinde hat eine Menge Konzepte und konkrete Techniken für mehr Nachhaltigkeit im Kongressgepäck.

Digital-Unterstützung für Klima-Proteste

"Wir brauchen dringend viele digitale Werkzeuge, um eine bessere Nachhaltigkeit zu erreichen", hatte Alexander Bonde, Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt, bereits im Vorfeld des Leipziger Kongresses gemahnt. Auf dem Leipziger Messegelände können diese Werkzeuge besichtigt werden.

Teilnehmer des Chaos Communication Congress (Archiv 2018)
Hackerspace des letzten Chaos Communication Congress.
Quelle: dpa

Open-Source-Projekte zum Bau von E-Bikes, Reparaturanleitungen, um Elektrogeräte länger nutzen zu können, Drohnen für die nachhaltige Bio-Landwirtschaft oder transportable Solarpanels für die mobile Laptop-Nutzung sind solche bereits alltagserprobten Ideen, die schon von jedem umgesetzt werden können.

Aber die Hacker und "Haecksen" fühlen sich auch für die Klima-Protestbewegungen verantwortlich. Server-Strukturen, um die Proteste effizient organisieren zu können, sind deshalb in Leipzig genauso Thema wie Softwarewerkezuge für die Kampagnenplanung.

Und auch Konzepte für Energiespeicher der Zukunft, sichere Smartmeter für die dezentrale stabile Energieversorgung oder Strukturen für ein nachhaltiges World Wide Web werden in den Vorträgen und Workshops diskutiert.

Klimakrise ist ein typisches Hacker-Thema

"Hacker wollen gute technische Lösungen für gesellschaftliche und individuelle Probleme finden", meint Falk Garbsch, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs. Dazu zählen eben auch technische Lösungen, um die Klimakrise zu bewältigen und sorgsamer mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Deshalb sind nicht wenige Hacker auch etwas zwiegespalten, wenn das Gespräch auf die seit neuestem stärker diskutierte "Digitalscham" kommt. Den Begriff hat unter anderem Petra Grimm, Professorin für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart, in diesem Herbst sehr populär gemacht.

Sie meinte damit in Anspielung auf die Flug-Scham, dass immer mehr Menschen den Ressourcenverbrauch kritisieren, der durch Digitalisierung entsteht. Spätestens seit die Teilnehmer an der Herbstkonferenz der Datenschützer in Nürnberg den Begriff aufgenommen haben, ist diese Diskussion ist weitergeführt und populär geworden.

Zwiespältige Digitalscham

Einige Datenschützer mit Nähe zum Chaos Computer Club arbeiteten dabei heraus, dass Datenschützer ja schon immer so etwas wie Digitalscham entwickelt hätten, nämlich Scham im Umgang mit den Daten der Menschen. Aber jetzt müsse auch der Energieverbrauch der Supercomputer und Serverfarmen, der Ressourcenverbrauch für die Produktion von Smartphones, Tablets und PCs mit bedacht werden.

Das sehen die meisten Teilnehmerinnen am Chaos Communication Congress auch so. Gleichwohl ist ihnen der Generalverdacht, der auch im Begriff "Digitalscham" steckt, nicht so recht geheuer. Wenn Digitalscham dazu führe, nicht alle zwei Jahre sein Smartphone wegzuwerfen und ein neues zu kaufen, sei das ja in Ordnung, so wird argumentiert.

Digitalscham taugt nicht als Keule gegen Technik

Aber manchmal werde Digitalscham eben auch als Argumentationskeule gegen Rechenzentren, Internet-Nutzung oder den Betrieb von Internet-Knotenrechnern eingesetzt. Und da wittern einige Hacker doch etwas Technikfeindlichkeit in der Diskussion.

Dass Rechenzentren heutzutage oftmals noch schlimme Energiefresser sind, steht auch für die Kongressteilnehmer außer Frage. Aber die Lösung lautet dann für sie nicht "Rückbau der Rechenzentrumskapazitäten". Sie setzen vielmehr darauf, die Abwärme aus den Rechenzentren und Serverfarmen zur Heizung benachbarter Häuser zu nutzen. Außerdem wollen sie die notwendige Energie für die Digitalisierung mit Sonne, Wind und Wasserkraft erzeugen.

Doch ganz vordringlich ist für die meisten auf dem Leipziger Kongress der Protest dagegen, dass sich in der Politik so wenig tut im Kampf gegen die Klimakrise. Und da helfen dann auch keine technischen Lösungen.

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