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Chaos Computer Club zu Datenklau - CCC: Angreifer hat viele Fehler gemacht

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Im Fall des massiven Datenklaus hat der bislang unbekannte Täter nach Ansicht des Chaos Computer Clubs zu viel von sich bekanntgegeben. Das BKA ermittelt indes auf Hochtouren.

Person vor einem Laptop
Nach Ansicht von Experten hat der Angreifer viele Informationen von sich preisgegeben.
Quelle: dpa

Nach Ansicht des Chaos Computer Clubs (CCC) hat der unbekannte Täter sehr viele Informationen von sich preisgegeben. "Das Vorgehen war einfach sehr unvorsichtig, es wurde mit den Betroffenen gechattet, es wurden Details des Vorgehens preisgegeben. Es wurden sehr viele Metadaten, Zugriffszeiten und Motivationen, Rechtschreibfehler, eigene Gedanken in diesen Daten hinterlassen", sagte CCC-Sprecher Linus Neumann der Deutschen Presse-Agentur. "Das sind alles kleine Puzzlestücke darauf, wie der Angreifer drauf ist, was seine Motivation ist und wann er was getan hat."

Nach Ansicht von Neumann hat der Angreifer ein "viel zu großes Geltungsbedürfnis". Er habe sich regelmäßig damit gerühmt, bestimmte Personen in Fallen gelockt und ihre Accounts übernommen zu haben. "Stellen Sie sich einen Bankräuber vor, der nach seiner Tat damit angibt, wie einfach es war, eine Bank zu überfallen oder wie viel Geld er jetzt hat - das geht nicht lange gut." Bei solch einer Fülle an Daten wäre er überrascht, wenn sich nicht am Ende ein Bild ergeben würde, "das fähige Strafverfolgungsbehörden relativ schnell dazu bringt, diese Person zu fassen", erklärte der CCC-Sprecher. Zumal es schon erste Hausdurchsuchungen bei Menschen gegeben habe, die aus dem Umfeld des Täters stammten.

Wohnung eines 19-jährigen Zeugen durchsucht

Am Sonntag wurde im Zusammenhang mit dem Hackerangriff die Wohnung eines Zeugen in Heilbronn durchsucht, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Montag mitteilte. "Die verdeckte Phase der Ermittlungen dauert an", so der Sprecher. Zuvor hatten das ARD-Politikmagazin "Kontraste" und das RBB-Inforadio über die Durchsuchung berichtet.

Demnach handelt es sich bei dem Zeugen um einen 19-Jährigen. Er sei "über mehrere Stunden befragt worden", zitierte "Kontraste" den Mann. Das BKA habe auch seinen Hausmüll durchsucht und technische Geräte beschlagnahmt. Der 19-Jährige gab den Berichten zufolge an, dass er in Kontakt mit dem Hacker stand, der für den Datendiebstahl verantwortlich sein soll. Der Diebstahl persönlicher Daten hunderter deutscher Politiker und Prominenter und deren Veröffentlichung im Internet waren am Freitag öffentlich bekannt geworden. Links zu den Datensätzen wurden über den mittlerweile gesperrten Twitter-Account @_0rbit verbreitet.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes haben Analysen ergeben, dass vereinzelte kompromittierte Datensätze bereits 2018 wegen Datenmissbrauchs bei der Polizei angezeigt worden seien und sich in den vorliegenden Listen wiederfänden. Von dem Online-Angriff sind rund 1.000 Politiker und Prominente betroffen.

Cyber-Abwehrzentrum soll verbessert werden

Als Konsequenz hat das Bundesinnenministerium Verbesserungen in der Abwehr solcher Attacken angekündigt. Das Cyber-Abwehrzentrum, das im konkreten Fall die Ermittlungen führe, werde verbessert, "ein Cyber-Abwehrzentrum plus" werde in den nächsten Monaten konkret ins Werk gesetzt, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) am Rande der Jahrestagung des Beamtenbundes dbb in Köln.

Das Cyber-Abwehrzentrum ist Teil der Cyber-Sicherheitsstrategie der Regierung und soll die operative Zusammenarbeit der Behörden optimieren sowie Schutz- und Abwehrmaßnahmen koordinieren. Das Innenressort werde in den nächsten Monaten zudem einen Entwurf für ein zweites IT-Sicherheitsgesetz vorlegen, sagte Mayer. Regierungsnetze seien von dem jüngsten Diebstahl der Daten von Politikern und Prominenten offensichtlich nicht betroffen. Alle Informationen würden dem Innenausschuss für eine Sondersitzung am Donnerstag zur Verfügung gestellt.

Betroffene Personen sollen informiert werden

Noch am Montag wollte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) laut Mayer die Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundeskriminalamts (BKA), Arne Schönbohm und Holger Münch, anhören. Dabei gehe es um Fragen des Zeitablaufs beim aktuellen Datenklau und darum, wer hinter den Angriffen stecke.

Nach BKA-Angaben wurde inzwischen damit begonnen, die von der Veröffentlichung der Daten betroffenen Personen zu informieren. Im Auftrag der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main sei eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet worden.

Der Diebstahl und die Veröffentlichung umfangreicher persönlicher Daten von Politikern und weiteren Prominenten war am Freitag bekannt geworden. Danach geriet besonders das BSI in die Kritik: Vertreter mehrerer Parteien warfen der Behörde vor, zu spät über die Veröffentlichung vertraulicher Daten im Internet informiert zu haben. Am Donnerstag befasst sich der Innenausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung mit der Angelegenheit.

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