Sie sind hier:

Chaos Computer Club - Hacken verändert die Welt und die Hacker

Datum:

Über den Chaos Computer Club gibt es viele angebliche Gewissheiten. Eine lautet, die Hacker seien hochbezahlte IT-Sicherheitsexperten geworden. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Archiv: Ein Teilnehmer des Symposiums "Datenspuren 2016" des Chaos Computer Clubs arbeitet am 22.10.2016 im Museum Technische Sammlungen in Dresden (Sachsen) an einem Laptop
Archiv: Ein Teilnehmer des Symposiums "Datenspuren 2016" des Chaos Computer Clubs arbeitet am 22.10.2016 im Museum Technische Sammlungen in Dresden (Sachsen) an einem Laptop Quelle: dpa

"Hacker wollen Technik ausreizen, und das geht gemeinsam besser", schilderte Wau Holland am 12. September 1981 sein Motiv, den Chaos Computer Club zu gründen. An den moralischen und technischen Ansprüchen der Clubmitglieder hat sich seither nichts geändert. Die Hackerethik gilt unverändert.

Hacks müssen die Welt verbessern

Die CCC-Mitglieder treibt der Forscherdrang. Deshalb haben sie 1984 den Zugangsrechner des Bildschirmtextes der Deutschen Bundespost gehackt, sich die Zugangsdaten der Hamburgischen Sparkasse besorgt und 135.000 Deutsche Mark auf das Clubkonto überwiesen. Sie wollten zeigen, wie unsicher der Btx-Dienst war. Das ist ihnen durch den Haspa-Hack gelungen. Die 135.000 DM haben sie übrigens der Hamburgischen Sparkasse zurückgegeben. Dieser Forscherdrang war auch das Motiv, die als Bundestrojaner bekannt gewordene staatliche Spionagesoftware im Jahre 2011 detailliert auseinanderzunehmen und nachzuweisen, dass die Spähsoftware in technischer Hinsicht mehr kann, als sie gesetzlich darf.

Hackerethik gilt unbedingt

Und genau dieser Forscherdrang war das Motiv, die auch bei der Bundestagswahl 2017 eingesetzte Auszählsoftware namens "PC Wahl" auf Schwachstellen zu untersuchen. Es gibt viele Sicherheitslücken und Computerrisiken, die von CCC-Mitgliedern aufgespürt und veröffentlicht wurden.

"In der Gesellschaft wird Hacken allerdings sehr unterschiedlich wahrgenommen", meint Constanze Kurz, eine Sprecherin des Clubs. Von Beratungsgesellschaften und IT-Sicherheitsunternehmen werden Hacker als hochspezialisierte Fachkräfte gesucht und entsprechend bezahlt. Mitglieder des Chaos Computer Clubs werden als Sachverständige zu Beratungen des Deutschen Bundestages eingeladen.

Kampf mit nerdigen Klischees

So manchem Sicherheitspolitiker sind die Hacker vom CCC allerdings immer noch ein Dorn im Auge. Die fühlen sich durch eine kritische Bewertung von Videoüberwachung oder technische Argumente gegen die Vorratsdatenspeicherung mitunter persönlich angegriffen.

Und deshalb pflegen sie wohl immer noch ihr Feindbild des Chips essenden, übergewichtigen Nerds, der - leicht verwahrlost - vom Bildschirm kaum wegzubringen ist. Zahlreiche Romane, Filme und Medienberichte greifen ja auch immer wieder auf dieses Klischee zurück. In den Anfängen des Clubs haben einige wenige CCC-Mitglieder allerdings auch durchaus dieses Klischee gepflegt, auch auf dem Chaos Communication Congress.

Chaos Communication Congress 2017

Congress ist profimäßig organisiert

"Der Chaos Communications Congress hat sich zweifelsohne professionalisiert", meint Frank Rieger, ein anderer Sprecher des Clubs. Was 1984 im Eidelstedter Bürgerhaus zu Hamburg als Klassentreffen von Hackern und Hacksen begann, ist mittlerweile zu einem Kongress mit wissenschaftlichem und vor allen Dingen politischem Anspruch geworden.

Doch auch der diesjährige Kongress in Leipzig wird mit demselben Selbstverständnis der Hacker organisiert wie das Treffen im Eidelstedter Bürgerhaus. "Hacks müssen die Welt besser machen", bringt Linus Neumann, ein weiterer Clubsprecher, dieses Selbstverständnis auf den Punkt.

Hoodie und Anzug als Dresscode

Wer das auch so sieht, kann im CCC mitmachen, auch ohne Mitglied zu sein. "Er kann dabei einen Hoodie oder einen Anzug tragen", fasst die langjährige Aktivistin Rena Tangens die liberale Grundeinstellung des Clubs zusammen.

In einem Punkt allerdings hat sich die Selbsteinschätzung der Hacker vom CCC massiv verändert während der vergangenen zehn Jahre: Sie wissen, dass sie politisch viel bewegen können, und zwar mit ihrer Hacker-Expertise.

Dass da gesellschaftlich etwas geht, das hatten die Gründer um Wau Holland und Klaus Schleisiek des Öfteren ausgesprochen skeptisch eingeschätzt. Inzwischen hat der CCC bewiesen, dass die "galaktische Gemeinschaft von Lebewesen" durchaus politischen Einfluss hat und ihn zu nutzen weiß.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.