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Iranischer Chefredakteur - "Wir haben mit den Amerikanern nichts zu besprechen"

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Hossein Shariatmadari ist Chefredakteur der iranischen Hardliner-Zeitung "Kayhan". Wer ihm zuhört begreift, warum der Iran gegenüber den USA so selbstbewusst auftritt.

Ausgabe der iranischen Tageszeitung "Kayhan" mit Sitz in Teheran vom 25.06.2019
Ausgabe der iranischen Tageszeitung "Kayhan" mit Sitz in Teheran vom 25.06.2019
Quelle: Reuters

Er gilt als einer der größten Hardliner im Land, als Mann mit Verbindungen und Einfluss, und als Stimme des obersten Religionsführers Ali Chamenei. Hossein Shariatmadari ist 71 Jahre alt, doch sein missionarischer Eifer ist ungebrochen, wenn es darum geht, die Feindbilder der Islamischen Republik zu pflegen - und anzugreifen: Israel und die USA.

Keine Einigung mit Washington in Sicht

Shariatmadari empfängt in seinem Arbeitszimmer im Redaktionsgebäude der Zeitung "Kayhan" im Stadtzentrum Teherans. Ein verblichener gelber Klinkerbau, endlose Flure, geschmückt mit Portraits des Revolutionsführers Chomeini und dessen Nachfolger Chamenei. Als Chameneis Repräsentant bezeichnet sich Shariatmadari auf seiner Visitenkarte. Gleichzeitig ist er Chefredakteur des Hardliner-Kampfblatts "Kayhan" und Präsident der "Kayhan"-Mediengruppe, staatlich finanziertes Sprachrohr der iranischen Führung.

Herr Trump braucht unbedingt ein Foto mit Herrn Rohani, denn Trump hat viele Niederlagen erlitten.
Hossein Shariatmadari

Gerade ist Präsident Rohani zur UN-Generalversammlung in New York aufgebrochen, da verkündet Shariatmadari nochmals die Marschroute: Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump, um eine Einigung über die verhängten Sanktionen zu erzielen? "Das wird auf keinen Fall geschehen", bekräftigt Shariatmadari das Credo von Irans oberstem Führer Chamenei, "wir haben mit den Amerikanern nichts zu besprechen. Herr Trump braucht unbedingt ein Foto mit Herrn Rohani, denn Trump hat viele Niederlagen erlitten".

Hossein Shariatmadari
Die Stimme seines Herrn: Der Chefredakteur der iranischen Hardliner-Zeitung "Kyhan", Hossein Shariatmadari
Quelle: imago/ZUMA Press

Teheran glaubt an Trump-Bluff

Je länger das Gespräch dauert, desto klarer wird, dass die iranische Führung tatsächlich glaubt, dass der US-Präsident nur blufft. Man hält Trump für wankelmütig, unglaubwürdig und schwach. "Trump hat geprahlt, er würde dies und jenes tun. Doch nachdem wir seine Drohne abgeschossen haben, hat er uns nur mit seinen Tweets angegriffen. Sonst hat er nichts unternommen."

Trump hat geprahlt, er würde dies und jenes tun. Doch nachdem wir seine Drohne abgeschossen haben, hat er uns nur mit seinen Tweets angegriffen.
Hossein Shariatmadari

Shariatmadaris Hohn bezieht sich auf einen Vorfall Ende Juni. Damals traf eine iranische Luftabwehrrakete eine US-Drohne, die iranisches Staatsgebiet ausspioniert hatte. Ob sie auch iranischen Luftraum verletzt hat, ist strittig. Doch der Abschuss taugt zur Heldengeschichte und zum Beweis, den Amerikanern eine weitere Niederlage beigebracht zu haben. Eine Niederlage, die ohne Folgen blieb.

Sanktionen ohne gewünschte Wirkung?

"Trump braucht Verhandlungen nur der Verhandlungen halber. Inhalte sind ihm egal", so Shariatmadari, "ihm reicht es herauszuposaunen, dass wir verhandelt haben. Das ist, was er im Wahlkampf braucht. Aber den Gefallen tun wir ihm nicht." Ein Treffen mit dem US-Präsidenten käme einer Kapitulation gleich, ist Shariatmadari überzeugt. Es wäre ein Beweis, dass der Iran durch die Sanktionen erpressbar sei. Ein fatales Zeichen für die Zukunft. Alleine deshalb sei ein Treffen völlig ausgeschlossen, solange die Sanktionen nicht aufgehoben würden. Sanktionen, die Iran niemals in die Knie zwingen würden.

Shariatmadari verweist auf die lange Geschichte von US- und UN-Sanktionen gegen ein Land, die es dennoch nie erreicht hätten, den Iran in seiner Entwicklung aufzuhalten. Auch diesmal, so ist er überzeugt, werde das nicht gelingen.

Iran treibt Gegner vor sich her

Hossein Shariatmadaris Position spiegelt das Vorgehen der iranischen Führung, der es offenbar gelungen ist, den Lauf der Ereignisse zu bestimmen. Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf, die Zerstörung wichtiger Ölanlagen in Saudi-Arabien. All das blieb ohne militärische Folgen. Und nun die Ankündigung, auf der UN-Generalversammlung einen iranischen Kooperationsplan vorzulegen. Eine Art Friedensplan der Golf-Anrainer, um die Sicherheit im Persischen Golf ohne Beteiligung fremder Mächte sicherzustellen.

Ob die arabischen Nachbarn auf dieses Angebot eingehen werden, ist zweifelhaft. Doch Irans Führung treibt seine Gegner nun auch diplomatisch vor sich her. Ein Machtspiel, von dem Hossein Shariatmadari überzeugt ist, dass Iran es gewinnen wird. Denn der Westen, so sein Fazit, sei uneins und schwach.

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