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Ausschreitungen in Chemnitz - "Neue Dimension der Eskalation"

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Ein Mann wird in Chemnitz erstochen, Rechte rufen zu Protesten auf. Es folgen Gewalt und Jagdszenen. Sachsens Innenminister spricht von einer "neuen Dimension der Eskalation".

In Chemnitz wird ein 35-Jähriger getötet. Als Reaktion ziehen Hunderte Menschen durch die Stadt, Zeugen berichten von Hetzjagden auf Migranten. Vor neuen Demonstrationen mahnen Politiker zur Besonnenheit.

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Auf dem Bürgersteig liegen Blumen. Sie markieren den Ort, an dem am Sonntag in Chemnitz ein Mann niedergestochen wurde, der später an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus gestorben ist. Der Grund für den Streit zwischen dem Deutschen und mehreren Ausländern ist bisher unklar.

Spontandemo von Hooligans initiiert

Inzwischen sind zwei Gedenkorte voller Blumen und Kerzen in der Innenstadt von Chemnitz entstanden, die einige Meter voneinander entfernt liegen. Unter einer Kerze sind noch Reste von Blut zu sehen. Zwei Kamerateams haben daneben Aufstellung genommen. Vielleicht halten deswegen an diesem grauen, regnerischen Montag nur wenige Menschen dort inne. Ohnehin ist schwer auszumachen: Wer trauert? Wer ist nur neugierig? Wer vereinnahmt den Tod des Mannes für seine Ziele?

Denn nach Bekanntwerden des Todes des 35-Jährigen beherrschten am Sonntagnachmittag vorwiegend Anhänger rechtsextremer Gruppierungen die Innenstadt von Chemnitz. Knapp vier Monate nach dem Aufmarsch von Neonazis am 1. Mai steht die Stadt wieder wegen rechter Hetze gegen Migranten im Blickpunkt. Die laut sächsischem Verfassungsschutz rechtsextremistische Hooligan-Gruppierung Kaotic aus dem Umfeld des Fußball-Regionalligisten Chemnitzer FC hatte noch am Sonntag zu einer Spontandemo aufgerufen. Etwa 800 Menschen, darunter erkennbar zahlreiche Rechte, zogen durch die Innenstadt.

Innenminister Wöller: "Neue Dimension der Eskalation"

Aus der Masse heraus wurden Ausländer attackiert sowie ausländerfeindliche und rechte Parolen gerufen. Sachsens Linken-Chefin Antje Feiks fühlte sich "an die Pogrome zu Beginn der 1990er Jahre" erinnert. Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer, Innenminister Roland Wöller (beide CDU) und der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, prangerten Hetzjagden gegen Ausländer und Selbstjustiz an.

"Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird", sagte Kretschmer in Dresden. Wöller kritisierte "Mutmaßungen, Falschmeldungen und regelrechte Lügen im Netz". Er sieht in den Ereignissen von Chemnitz eine "neue Dimension der Eskalation". "Das Gebot der Stunde ist Besonnenheit und Ruhe", sagte er in Chemnitz. Man werde Gewalttätern und Chaoten nicht die Straße überlassen, sondern dem Rechtsstaat.

Haftbefehl gegen zwei Verdächtige

Unterdessen wurden Haftbefehle gegen die beiden Tatverdächtigen erlassen, die den Deutschen niedergestochen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 23-jährigen Syrer und einem 22 Jahre alter Iraker gemeinschaftlichen Totschlag vor. Sie sollen mehrfach ohne erkennbaren Grund auf ihr Opfer eingestochen haben. Allerdings seien verbale Auseinandersetzungen vorangegangen, hieß es. Die Ermittler kennen das Motiv für die Bluttat noch nicht.

Am Montag sollte es neue Demonstrationen geben. Die rechtspopulistische Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" rief ausgerechnet vor dem Karl-Marx-Monument zu einer Versammlung auf. Als Gegenpol meldete Die Linke in Sicht- und Hörweite im Stadthallenpark eine Demonstration "Nein zu Rassismus und Gewalt" an. Die zwischen beiden Orten liegende Brückenstraße ist noch vom Stadtfest gesperrt.

Kaum Ausländer im Stadtzentrum

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig rief zur Besonnenheit auf. "Kein Verbrechen rechtfertigt es, zu Gewalt aufzurufen oder selbst gewalttätig zu werden", sagte die SPD-Politikerin.

Das Zentrum von Chemnitz wirkt auf den ersten Blick normal. Die letzten Teile von Buden und Bühnen des Stadtfestes, das am Sonntag wegen Sicherheitsbedenken vorzeitig beendet wurde, werden abgeräumt. Die Geschäfte haben geöffnet, Passanten bummeln vor Schaufenstern entlang. Beim genaueren Hinsehen aber fällt auf: Es fehlen die Gruppen junger ausländischer Männer, die sich gewöhnlich rund um den Stadthallenpark treffen. Auch die Mütter, die dort meist mit ihren Kindern spielen, sind nicht zu sehen.

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