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Konzert in Chemnitz - "Wir sind mehr": Zehntausende rocken gegen rechts

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Erst eine Schweigeminute, dann wird es laut: In Chemnitz setzen derzeit Zehntausende beim Konzert "Wir sind mehr" ein Zeichen gegen rechts. Die Stadt spricht von 50.000 Besuchern.

Unter dem Motto "Wir sind mehr" treten heute Bands wie Kraftklub, K.I.Z. und die Toten Hosen in Chemnitz auf. Sie wollen ein Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus setzen.

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Die deutschen Bands wollen bei ihrem Konzert ein Zeichen gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt setzen. Neben Kraftklub und den Toten Hosen treten unter anderem die Rapper Marteria, Casper, K.I.Z und der gebürtige Chemnitzer Trettmann auf.

In einem schriftlichen Statement warfen die teilnehmenden Künstler den rechten Demonstranten in Chemnitz vor, die Tötung des Deutschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren: "Es geht ihnen nicht darum zu trauern, sondern um ihrem Hass freien Lauf zu lassen." Dem "rassistischen Mob" dürfe aber nicht unwidersprochen die Straße überlassen werden. "All den Menschen, die von den Neonazis angegriffen wurden, wollen wir zeigen, dass sie nicht alleine sind", heißt es in dem Aufruf zum Konzert.

Eine ebenfalls für Montag beantragte Kundgebung des thüringischen Pegida-Ablegers Thügida wurde nicht genehmigt. Grund sei die "bereits belegte Veranstaltungsfläche", sagte ein Sprecher der Chemnitzer Stadtverwaltung. Weitere Versammlungen waren nicht angemeldet.

Streit um Rostocker Punkband

Über das Konzert wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert. Auslöser dafür ist die Teilnahme der Rostocker Punkband Feine Sahne Fischfilet, die zeitweise vom Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wurde - wegen "linksextremistischer Bestrebungen". So heißt es im Lied "Staatsgewalt" der Band: "Die Bullenhelme, die sollen fliegen, eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein."

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte deshalb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Veranstaltung auf Facebook teilte. "Ich halte das für sehr kritisch", sagte Kramp-Karrenbauer. "Denn das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln (...), dann halte ich das für mehr als kritisch."

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisierte im "Spiegel", während in Chemnitz Rechtsradikale auf der Straße seien, habe die CDU "nichts anderes zu tun als den Bundespräsidenten dafür anzugreifen, dass er auf ein Konzert hinweist".

Situation in Chemnitz seit Tagen angespannt

In Chemnitz gibt es seit Tagen Demonstrationen von Rechtsgerichteten, Neonazis und Gegnern der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sowie Gegenproteste. Auslöser war der Tod eines 35 Jahre alten Deutschen, der vor gut einer Woche in der Stadt Opfer einer Messerattacke geworden war. Zwei seiner Begleiter wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft. Beim Konzert sollen Spenden für die Familie des Getöteten sowie für sächsische Antirassismus-Initiativen gesammelt werden.

In Hannover nahmen am Montagabend nach Polizeiangaben 3.000 Menschen an einem "Friedensweg" gegen Rechtsextremismus teil. Die Veranstalter sprachen von bis zu 5.000 Teilnehmern. Zu dem Marsch - zeitgleich zu dem Konzert in Chemnitz - hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Bündnis "Bunt statt Braun" aufgerufen. Unter den Teilnehmern war auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). "Wir müssen diejenigen stärken, die in Chemnitz und anderswo für Menschlichkeit und Demokratie eintreten", sagte Weil am Rande der Veranstaltung dem Evangelischen Pressedienst. "Alle sind gefordert, unsere Grundrechte und Grundwerte zu verteidigen. Für Selbstjustiz, Hass und Rassismus ist kein Platz in diesem Land, dieses Signal soll heute auch von Niedersachsen ausgehen."

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