ZDFheute

Chile unter Schock

Sie sind hier:

Präsident spricht von "Krieg" - Chile unter Schock

Datum:

Brutale Gewalt bei Ausschreitungen überschatten weitgehend friedliche Demonstrationen: Chiles Präsident Pinera spricht vom "Kriegszustand" - und einem "mächtigen Feind".

Notstand ausgeweitet: Chiles Präsident Pinera spricht von Kriegszuständen

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Der Montag begann für Chiles Präsidenten Sebastian Pinera mit Ermahnungen: "Es ist essenziell, dass alle Aktionen, von den Behörden und den Demonstranten, die zu Verletzungen und Tod geführt haben, Gegenstand einer unabhängigen, unparteiischen und transparenten Untersuchung führen müssen", teilte UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet mit. Sie sei erschüttert und traurig über die Gewalt, Zerstörung, die Toten und die Verletzten der letzten fünf Tage in Chile.

Die Aussagen sind deshalb politisch brisant, weil Bachelet Vorgängerin von Chiles konservativen Präsidenten Sebastian Pinera ist und das südamerikanische Land gleich zwei mal regierte. Zuvor hatte Pinera schon vom eigenen Chef der Nationalverteidigung eine indirekte Belehrung erhalten. "Ich führe keinen Krieg gegen niemanden", sagte General Javier Iturriaga. Er reagierte damit auf die Aussage Pineras, Chile führe Krieg gegen einen mächtigen Gegner, der bei der Anwendung von Gewalt keine Grenzen kenne. Die Regierung weitete den Ausnahmezustand auf mehr als die Hälfte der Regionen des Landes aus.

Hausgemachte Probleme

Tatsächlich war die Gewalt verheerend: Demonstranten zündeten Gebäude an, verwüsteten Haltestellen von Bussen und der Metro, attackierten Symbole eines Systems, das sie verachten. Viele Chilenen sahen die Bilder schockiert im Fernsehen. Bei den Unruhen kamen nach Angaben des Innenministers Andrés Chadwick mindestens elf Menschen ums Leben. Allein in einer Kleiderfabrik im Großraum Santiago verbrannten offenbar fünf Menschen. Die Regierung reagierte mit mehr als zehntausend Sicherheitskräften auf den Straßen und mehr als 1.000 vorübergehenden Festnahmen. In einem Land, in dem nicht wenige die brutale rechte Militärdiktatur von General Pinochet selbst miterlebt haben, wirken solche Bilder noch einmal besonders.

Entzündet hatte sich der Protest an den Erhöhungen der Buspreise. Doch die Ursachen liegen tiefer. Die Ureinwohner, die Mapuche, fordern seit Jahrzehnten ihre Landrechte ein. Während die Metropolregion Santiago boomt, leidet die chilenische Provinz unter enormen Problemen. Wegen Wassermangels kommt es auf dem Land immer wieder zu Protesten. Es sind oft Kleinbauern, die vor dem Verlust ihrer Existenz stehen. Sie werfen der Agrarindustrie Wasserdiebstahl vor. Zudem stellt die Zuwanderung venezolanischer Flüchtlinge das Land vor humanitäre Herausforderungen. All das übersieht Pinera, wenn er davon ausgeht, dass es nur aus dem Ausland gesteuerte Kräfte sind, die das Land ins Chaos stürzen wollen.

Kampagne von Außen?

Nicht wenige lateinamerikanische Politiker wie Kolumbiens Vize-Präsidentin Martha Lucia Ramirez sind allerdings überzeugt, dass hinter der jüngsten Gewaltwelle in Ecuador und Chile eine gezielte Destabilisierungskampagne steckt. Gesteuert aus Venezuela und Kuba. Ähnlich äußerten sich der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa und auch die Organisation Amerikanischer Staaten. Beweise legten sie bislang allerdings nicht vor.

Die chilenische Kirche rief zur Besonnenheit auf. Die Bischöfe forderte alle sozialen Gruppen zum Dialog auf. Im Zentrum der Debatte sollten die großen sozialen Themen stehen, die das Land derzeit bestimmen. Von der Sozialpolitik zur Gesundheitspolitik bis hin zu den Folgen der Migrationskrise. Doch von einem Dialog scheint Chile noch weit entfernt. Stattdessen beginnt eine schwierige Woche.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.