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Top-Managerin verhaftet - Huawei - der unheimliche Smartphone-Riese aus China

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Huawei schickt sich an, zum größten Technologiekonzern der Welt zu werden - und verschreckt den Westen. Die USA ließen jetzt eine Top-Managerin des Konzerns verhaften.

Ein Huawei-Shop in Peking am 06.12.2018
Ein Huawei-Shop in Peking
Quelle: ap

Ein Paukenschlag versetzt die Börsen weltweit in Aufruhr: Die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Huawei-Konzerns in Kanada, auf Betreiben der Vereinigten Staaten, lässt die Kurse in den Keller rauschen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, welche Bedeutung der Smartphone-Hersteller und Netzwerkausrüster in nur sechs Jahren auf dem Weltmarkt gewonnen hat, dann ist es diese Reaktion der Märkte. Die Tochter des Unternehmensgründers wurde festgesetzt, weil die USA dem Konzern vorwerfen, die Iran-Sanktionen unterlaufen zu haben. Beweise wurden zunächst nicht vorgelegt.

Meng Wanzhou soll nun in die USA ausgeliefert werden – für China ein unglaublicher Affront, bedeutet dies doch auch, dass Unternehmenschef Ren Zhengfei wohl keine Reisen in westliche Länder mehr planen sollte, will er nicht auch festgenommen werden. Die Vorgänge lassen ebenfalls daran zweifeln, dass im Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten so schnell Lösungen gefunden werden.

Der kometenhafte Aufstieg eines kleinen Händlers

In China ist Huawei, was übersetzte so viel heißt wie "China handelt", bereits seit über 30 Jahren aktiv, zunächst als reiner Elektronikhändler. Heute setzt der Konzern 100 Milliarden Dollar um und betreibt Forschung und Entwicklung in zahlreichen Ländern – vor allem in Deutschland. Hier betreibt der Konzern das Netz der Deutschen Telekom, sichert sich in Kooperationen deutsches Knowhow, etwa das des Fotounternehmens Leica.

Huawei ist zum zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt aufgestiegen, bietet außerdem Unternehmen seine Cloud-Dienste an und managt deren Datenverkehr. Den Aufbau des künftigen Mobilfunkstandards 5G wollen die Chinesen begleiten, und sie arbeiten zum Beispiel mit Daimler an der Entwicklung des autonomen Fahrens. Bei all diesen Aktivitäten fallen riesige Datenmengen an – wo die am Ende landen, weiß niemand, aber Vermutungen gibt es natürlich. Großbritannien etwa lässt Huawei durch seinen Geheimdienst beobachten und es ist anzunehmen, dass die übrigen westlichen Staaten dies ebenfalls tun.

Ein Huawei-Shop in Peking am 06.12.2018
Ein Huawei-Shop in Peking
Quelle: ap

An Huawei führt kein Weg mehr vorbei

Die Macht des Konzerns, der sich in China so verschwiegen gibt, dass nicht einmal die genauen Besitzverhältnisse bekannt sind, ist aber wohl kaum noch zu brechen. Den Aufstieg vom kleinen Computerhändler zum Datenkraken verdankt Huawei vor allem der Strategie, in seinen weltweiten Niederlassungen jeweils heimische Topkräfte anzuheuern - so besteht das Deutschland-Team aus ehemaligen Mitarbeitern von solchen Unternehmen wie Siemens, Kathrein oder Vierling Communications.

Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, wechselt bei den Abwerbungen auch Technologie den Besitzer. Zahlreiche chinesische Hackerangriffe sollen ebenfalls auf das Konto von Huawei gehen - angeblich stecken die Chinesen hinter einer groß angelegten Industriespionage, bei der sie den kanadischen Telekommunikationskonzern Nortel jahrelang anzapften und womöglich dessen Pleite mit verursachten.

Ohne Huawei kein Internet in Deutschland

Unklar sind auch die Verbindungen zum chinesischen Staat – man darf wohl getrost davon ausgehen, dass Huawei als weltgrößter Netzwerkkonzern wohlwollend bedacht wird, wenn die Erträge von Industriespionage verteilt werden. Deutsche Sicherheitsexperten sehen allerdings keine Alternative – eine heimische vergleichbar hoch entwickelte Technologie gibt es schlicht nicht. Huawei den Stecker zu ziehen, würde das Internet in Deutschland nicht mehr nutzbar machen.

Junge Frau surft auf ihrem Smartphone in einer Regionalbahn im Internet
Quelle: dpa

Bleibt nur Datenverschlüsselung beim Weg durch das Netz und zwischen Unternehmen, wenn sensible Informationen ausgetauscht werden sollen. Aber, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das nähmen zahlreiche Firmen trotz jahrelanger Aufklärung nicht ernst genug – der Tummelplatz für Spione jeglicher Couleur ist immer noch weit geöffnet.

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