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Schwächeres Wachstum in China - Gebremste Wirtschaft gefährdet deutsche Exporte

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Das Wachstum in China liegt mit 6,6 Prozent im Vergleich zu anderen Ländern zwar hoch. Für China aber ist es wenig. Und es birgt Probleme - auch für die deutsche Exportwirtschaft.

Containerhafen in China. Archivbild
Containerhafen in China. Archivbild
Quelle: Yu Fangping/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa

Wenn ein Land selbst in schlechteren Zeiten noch 6,6 Prozent Wirtschaftswachstum vorweisen kann, ist das eigentlich ein Grund, zufrieden und glücklich zu sein. Für China allerdings gelten andere Maßstäbe. Denn das Schwellenland auf dem Weg zur Industrienation wächst seit vielen Jahren enorm. Seit 2008 hat sich die Größe der chinesischen Wirtschaft fast verdreifacht. Zweistellige Wachstumsraten waren über viele Jahre nicht besonderes. Deswegen wirkt das nun für 2018 veröffentlichte Wachstum von 6,6 Prozent wie eine kalte Dusche: Es ist der schwächste Wert seit fast drei Jahrzehnten.

Handelskrieg macht sich bemerkbar

Und es ist natürlich auch der Handelsstreit zwischen den USA und der Volksrepublik, der belastend wirkt; doch die sich wandelnde Struktur der chinesischen Wirtschaft trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass das Land wirtschaftlich anfällig auf den Gegenwind aus den USA reagiert.

Zum Jahresende jedenfalls ist das Wirtschaftswachstum noch etwas kräftiger zurückgegangen: Im letzten Quartal hat es die chinesische Wirtschaft nur noch auf 6,4 Prozent gebracht. Das ist ähnlich niedrig wie 2009, als die große Finanz- und Wirtschaftskrise tobte und die globale Konjunktur kräftig auf Talfahrt geschickt hatte.

"Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer steigenden Unsicherheit bemerkbar", sagt Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft beim China-Institut Merics. "Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt." Derzeit sprechen die Unterhändler der beiden wichtigsten Wirtschaftsnationen miteinander, um Möglichkeiten für eine Lösung des Handelskonfliktes auszuloten.

Peking ist besorgt - und reagiert

US-Präsident Donald Trump kritisiert an China vor allem den Außenhandelsüberschuss in Richtung USA - die Tatsache also, dass China mehr Waren in Richtung USA exportiert als dort für den heimischen Markt einkauft. Zudem fordert er eine stärkere Öffnung des chinesischen Marktes für internationale Unternehmen und eine besseren Schutz geistigen Eigentums. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatten die USA Waren aus China im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar mit Strafzöllen überzogen; die Strafzölle sind aber bis 1. März ausgesetzt - solange beide Nationen sich um eine Lösung des Konfliktes bemühen.

Peking zeigt sich nach Aussagen informierter Kreise "besorgt" über das abgebremste Wirtschaftswachstum - und will gegenlenken. So hat die Regierung bereits angekündigt, mit Steuersenkungen für Haushalte und Unternehmen reagieren zu wollen; auch kann Peking durch gezielte Investitionen der eigenen Wirtschaft mehr Schwung verleihen. Das hat in der Vergangenheit - etwa als die große Finanz- und Wirtschaftskrise grassierte - geklappt, dürfte sich in Zukunft aber schwerer gestalten. "Es hat sich zuletzt gezeigt, dass die Konjunkturprogramme etwas an Wirkung verlieren", meint Jörn Quitzau, Volkswirt der der Privatbank Berenberg. "Das heißt, es wird immer aufwendiger, die Konjunktur so zu stimulieren, wie es in den letzten Jahren gelungen ist."

Folgen für die Weltwirtschaft

Schwieriger gestaltet sich die Lage für die chinesische Regierung auch, weil sie seit einiger Zeit versucht, die Wirtschaft umzustellen. Sie will die Binnenwirtschaft stärken, sich also von den Exporten unabhängiger machen. Dies ist der Weg, den viele Schwellenländer gehen wollen oder gehen müssen, wenn sie zu reiferen Ökonomien erwachsen.

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Sollte sich die Wirtschaft Chinas allerdings noch stärker und dauerhaft abkühlen, hätte das auch Folgen für die Weltwirtschaft. So rechnet ein Bericht des Weltwirtschaftsforums in Davos einen Rückgang des chinesischen Wachstums zu den größten weltwirtschaftlichen Risiken. Die deutschen Autobauer übrigens können davon bereits ein Klagelied anstimmen. Denn haben im vergangenen Jahr schmerzlich erlebt, dass auch der chinesische Automarkt schwächeln kann - er verzeichnete den ersten Rückgang seit zwei Jahrzehnten.

Schwächeres China-Wachstum träfe auch Deutschland

Ein Abkühlen des chinesischen Wachstums würde also vor allem auch eine exportorientierte Wirtschaft wie die deutsche direkt spüren. "Deutschland wwurde schon im vergangenen Jahr stärker getroffen worden als der Durchschnitt der Eurozone", sagt Jörn Quitzau. Allerdings müsste es wirklich zu einem schärferen Rückgang in China kommen, schränkt der Volkswirt ein. "Kurzfristig sieht man zunächst, dass alle vorsichtiger werden, weil sie die negativen Nachrichten aus China lesen. Mittelfristig müsste sich die Konjunktur in China tatsächlich eintrüben, bevor materielle Bestellungen dann ausbleiben".

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