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ZDF-Korrespondent Reichart - "China will Stabilität"

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Erstmals seit 14 Jahren besucht mit Xi Jinping ein chinesischer Präsident wieder Nordkorea. China wolle Stabilität auf der koreanischen Halbinsel, sagt ZDF-Korrespondent Reichart.

Präsident Xi Jinping ist am Donnerstag zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Pjöngjang eingetroffen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Es ist der erste Besuch eines chinesischen Präsidenten in Pjöngjang seit 14 Jahren. China habe ein großes Interesse an Nordkorea, "weil es sozusagen sein Hinterhof ist", erklärt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart. China betrachte Nordkora als eine Art Pufferstaat zu Südkorea und den gewaltigen US-Truppenkontingenten, die dort stationiert sind.

Xi wird natürlich auch versuchen, Bewegung zu bringen in die verfahrenen Abrüstungsverhandlungen.
Thomas Reichart, ZDF-Korrespondent

"Und China will Stabilität auf der koreanischen Halbinsel. Das Letzte was Peking möchte, ist eine Situation wie 2017, als sich Kim und Trump da gegenseitig mit der nuklearen Vernichtung bedroht haben", sagt Reichart. Xis Besuch werde sehr hoch aufgehängt, es sei ein Staatsbesuch. Im Vorfeld werde viel geredet über die alte Freundschaft zwischen China und Nordkorea, die gemeinsam im Koreakrieg gegen die USA und Südkorea gekämpft haben. Xi habe in einem Namensartikel im Parteiblatt sogar erklärt, er wolle einen großen Plan für die koreanische Halbinsel entwickeln, sagt Reichart.

"Xi wird natürlich auch versuchen, Bewegung zu bringen in die verfahrenen Abrüstungsverhandlungen und wird vermutlich hoffen, dass ein Erfolg ihm möglicherweise auch hilft im eigenen Handelskonflikt mit den USA." Aber klar sei auch: Xi fahre da nicht als Botschafter Trumps nach Pjöngjang, sondern komme als jemand mit sehr eigenen, sehr machtvollen, sehr chinesischen Interessen.

Kim braucht Pekings Rückendeckung

Kim wiederum werde versuchen, eigene Interessen durchzusetzen. Er werde darauf drängen, dass die UN-Sanktionen gegen sein Land aufgehoben würden. "Die schaden Nordkorea sehr. Nordkorea steht die schlechteste Ernte seit Jahren bevor, und dem Land geht es wirtschaftlich schlecht. Eine Erholung können sie nur schaffen, wenn China da nicht mehr weiter sanktioniert", sagt Reichart. Und Kim werde auch versuchen, für weitere Verhandlungen mit Trump die Rückendeckung Pekings zu bekommen.

Kims zweites Gipfeltreffen mit Trump war Ende Februar in Vietnam gescheitert. Beide konnten sich in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Nordkoreas nicht einigen. Seitdem sind die Gespräche festgefahren. Kim hatte später die Bedingung gestellt, die USA sollten bis Ende des Jahres neue Lösungsvorschläge vorlegen. Zuletzt hatte Nordkorea auch wieder Raketen getestet.

Xis Besuch macht die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen China und Nordkorea deutlich. Historisch gelten die beiden kommunistischen Staaten als Freunde. Die ersten Jahre nach der Machtübernahme Kims in Nordkorea Ende 2011 waren jedoch von einer merklichen Abkühlung des Verhältnisses geprägt. Mit seinen Atom- und Raketentests verärgerte Pjöngjang auch Peking immer stärker, das einen unkalkulierbaren Konflikt oder einen Krieg in seiner Nachbarschaft verhindern will. China ist Nordkoreas wichtigster Handelspartner und gilt als Lebensader für das Land.

Kims neuer Status auf weltpolitischer Bühne

Xi reist chinesischen Medienberichten zufolge mit seiner Frau Peng Liyuan und einer Delegation von hochrangigen Funktionären der Kommunistischen Partei und Regierungsmitgliedern, darunter auch Außenminister Wang Yi. Die Reise des chinesischen Präsidenten findet kurz vor dem G20-Gipfel in Japan Ende des Monats statt, wo ein direktes Treffen Xis mit US-Präsident Donald Trump geplant ist.

Der Staatsbesuch zeigt erneut den geänderten Status des nordkoreanischen Machthabers auf der weltpolitischen Bühne. Kim hatte sich außer mit Xi seit dem vergangenen Jahr unter anderen auch mit den Präsidenten der USA und Russlands getroffen. Insbesondere der erste der beiden Gipfeltreffen mit Trump im Juni 2018 wurde als diplomatischer Sieg Kims gewertet, weil er dabei auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Präsidenten verhandelte.

Um im Atomkonflikt Nähe zu Peking zu zeigen, hatte Kim den chinesischen Präsidenten zuvor bereits mehrfach in China besucht. Seit März 2018, als Kim zum ersten Mal überhaupt einen offiziellen Staatsbesuch machte, ist er insgesamt vier Mal in China mit Xi Jinping zusammengekommen.

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