Sie sind hier:

Chinas Planziel - Die totale Überwachung

Datum:

Intelligente Technologien kontrollieren die Bürger; erwünschtes Verhalten wird belohnt, Fehlverhalten bestraft. Das ist China - auf dem Weg in den digitalen Überwachungsstaat.

China: Kameraüberwachung (Symbolbild)
Keine Chance dem toten Winkel: China überlässt in Sachen Überwachung nichts dem Zufall. Quelle: imago

Seit Montag tagt in Peking der Nationale Volkskongress. Auf der Agenda steht nicht nur eine Verfassungsänderung, die Staatspräsident Xi Jinping eine unbegrenzte Amtszeit ermöglichen soll. Beschlossen werden soll auch die Schaffung einer nationalen Überwachungskommission, einer Art Superbehörde gegen Korruption. Auch der einzelne Bürger soll stärker überwacht werden - mit Hilfe künstlicher Intelligenz, einem Netz aus Überwachungskameras und ausgefeilten Techniken zur Gesichtserkennung.

Lückenlose Abdeckung mit Überwachungskameras

Millionen Videokameras sorgen schon jetzt für ein dichtes Überwachungsnetz in China. Vor allem in den großen Städten gibt es kaum noch öffentliche Bereiche, die nicht rund um die Uhr gefilmt werden. So gab die Pekinger Polizei schon 2015 bekannt, dass die Abdeckung mit Überwachungskameras in Chinas Hauptstadt 100 Prozent erreicht habe.

Viele Überwachungskameras arbeiten bereits mit Techniken zur automatischen Erkennung von Personen. Unternehmen wie das Start-up SenseTime haben die Gesichtserkennung perfektioniert. Was noch fehlt, ist eine zentrale Datenbank mit den biometrischen Daten aller Bürger. Aber auch daran wird bereits gearbeitet. Ziel ist es, jeden der knapp 1,4 Milliarden Bürger Chinas innerhalb von nur drei Sekunden automatisch zu identifizieren.

Pranger für Verkehrssünder

Die Personendaten, die die intelligenten Kameras liefern, werden von Chinas Polizeibehörden ausgiebig genutzt - so etwa zur Überwachung gefährlicher Ampelkreuzungen. Fußgänger, die bei Rot über die Straße gehen, werden automatisch identifiziert. Anschließend werden Name und Foto des Verkehrssünders auf großen Bildschirmen öffentlich angezeigt.

Seit Februar testet die Polizei in der Millionenstadt Zhengzhou intelligente Kamerabrillen. Kleine Kameras, die an Sonnenbrillen befestigt sind, schießen Fotos von Gesichtern, die mit Fotos in einer mobilen Datenbank abgeglichen werden. Verdächtige Personen können so in Bruchteilen von Sekunden identifiziert werden. Wer verdächtig ist, legen die Behörden fest, warnen Menschenrechtsaktivisten. Sie befürchten, dass die Brillen zur Verfolgung von Dissidenten und Minderheiten eingesetzt werden könnten.

Wenn man im Netz seine Meinung sagt, ist das eigentlich ziemlich normal. Nur in China nicht. Warum dort Wörter wie Winnie Puuh gefiltert werden, erklärt Stefanie Schöneborn.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Vorausschauende Polizeiarbeit

Straftaten erkennen, bevor sie begangen werden: Was nach Science Fiction klingt, ist in den USA und in Europa längst an der Tagesordnung. Mit einer ausgefeilten Analysesoftware will die Polizei herausfinden, wo die Gefahr von Straftaten etwa durch Serientäter besonders groß ist. Experten sprechen von "Predictive Policing", vorausschauender Polizeiarbeit.

Auch Chinas Polizeibehörden nutzen diese Technik. Die nötige Software wird von Firmen wie CloudWalk und UniView programmiert. Beide Unternehmen rühmen sich damit, dass sie ihre Software mit den Personen- und Bewegungsdaten von Überwachungskameras kombinieren. Verdächtige Personen werden automatisch verfolgt. Anders als in Europa oder in den USA können die Behörden also nicht nur ermitteln, wo die Gefahr von Straftaten besonders groß ist, sondern auch von wem sie begangen werden könnten.

Gute Bürger - schlechte Bürger

Unternehmen, die an künstlicher Intelligenz, Big Data oder Gesichtserkennung arbeiten, werden von Chinas Regierung großzügig unterstützt. So soll in Peking ein Industriepark für künstliche Intelligenz entstehen, den sich die Stadt knapp zwei Milliarden Euro kosten lassen will. Einer der Einsatzbereiche dieser digitalen Technologien ist ein neues System zur sozialen Kontrolle der Bürger, das die Regierung bis 2020 landesweit einführen will.

Alle Informationen, die die Behörden über die Bürger speichern, sollen in einem zentralen Register zur Bürgerbewertung, dem Sozialkreditsystem, zusammenfließen. Sogar die Datenspuren beim Surfen oder das Einkaufsverhalten im Netz werden ausgewertet. Chinas Internetunternehmen sollen diese Daten zuliefern. Jeder Bürger startet mit 1.000 Punkten. Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, erhält Pluspunkte. Wer auffällig wird, Kritik an der Regierung übt oder im Internet Gerüchte verbreitet, bekommt Minuspunkte.

Totale Kontrolle

Die Punktzahl soll zum Beispiel über die Zulassung zu Schulen, die Gewährung staatlicher Sozialleistungen oder die Kreditwürdigkeit einer Person entscheiden. Erwünschtes Verhalten wird dadurch belohnt, Fehlverhalten abgestraft. Natürlich sammeln auch andere Staaten Daten über ihre Bürger. Aber kein Land treibt die Überwachung seiner Bürger mit Hilfe digitaler Technologien derzeit so schnell und konsequent voran wie China.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.