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Ausstellung - Christian Warlich: Der "König der Tätowierer"

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Über vier Jahrzehnte stach Christian Warlich unzähligen Menschen auf St. Pauli Bilder auf die Haut. Nun widmet Hamburg dem selbsternannten "König der Tätowierer" eine Ausstellung.

Hamburg, St. Pauli kurz nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1919. Mitten auf dem Kiez, zwei Straßen von der Reeperbahn entfernt: eine kleine, unscheinbare Kneipe, meistens bis auf den letzten Platz besetzt. Männer und Frauen allen Alters tummeln sich hier um einen kleinen, hölzernen Tisch in der Ecke der Kneipe, denn hier wird gestochen. Tattoos gestochen. Einer der begehrtesten Tätowierer seiner Zeit zeigt hier tagtäglich sein Können: Christian Warlich. Adrett gekleidet, mit Cord-Weste und Hornbrille, ist er seiner Zeit weit voraus und erkennt, wie beliebt die Tattoo-Kunst ist.

Christian Warlich in seiner Gaststätte (ca 1960)
Christian Warlich in seiner Gaststätte - circa 1960.
Quelle: SHMH

Für sage und schreibe sieben Mark sticht der damals 28-jährige Warlich in den 1920er Jahren beispielsweise ein mittelgroßes Schiff auf eine beliebige Körperstelle. Heute würde man dafür leicht mehr als 100 Euro bezahlen. Während seine Gäste ihr erstes Bier bestellen, breitet Christian Warlich seinen Tattoo-Katalog aus. Die Auswahl ist groß. Über 40 Jahre lang arbeitet er mit Herzblut und Leidenschaft in seiner Kneipe.

Bis heute eine Legende

Der Kunsthistoriker Dr. Ole Wittman hat in Hamburg eine Ausstellung zusammengestellt, die sich erstmals einem einzigen Tattoo-Künstler widmet. Dazu hat Wittmann nach vier intensiven Forschungsjahren 500 Einzelstücke aus Warlichs Nachlass und aus der bunten Welt der Tattoos zusammengetragen. Als Partner steht ihm das Museum für Hamburgische Geschichte zur Seite.

Früher teilweise noch nicht gesellschaftlich akzeptiert und ganz klar einem bestimmten Milieu-Typus zugeordnet, sind Tattoos heute schon fast Mainstream. Seit frühester Zeit bemalen und schmücken Menschen ihre Körper. Ob es damals schon so viele wie heute waren, lässt sich nicht sagen. 

Seine Konkurrenz, die zu dieser Zeit noch sehr überschaubar ist, kann mit Christian Warlich nicht mal ansatzweise mithalten, denn wie sich bald herausstellt, werden Tattoo-Liebhaber aus ganz Europa auf ihn aufmerksam. Mit seinen klaren, einfachen Strukturen und der großen Auswahl an Motiven, hebt er sich schon damals stark von der Masse ab und spielt in seiner eigenen Liga. Falls er mal keine Lust auf ein bestimmtes Motiv hatte, ließ er sich auch gerne mal eine Ausrede einfallen und erzählte, dass er dieses Motiv heute nicht auf Lager hätte.

Pionier in der Tattoo-Entfernung

Qualitativ so hochwertig, dass er zu seiner Zeit noch seinesgleichen gesucht hat.
Chriss Dettmer, Tätowierer

Trotzdem hat sich Christian Warlich bis heute einen Namen in der Tattoo-Szene gemacht und wird auch von vielen modernen Tätowierern geschätzt: "Mit seinen Arbeiten, so wie er das damals gemacht hat, war er qualitativ so hochwertig, dass er zu seiner Zeit noch seinesgleichen gesucht hat. In Deutschland gab es das definitiv  so nicht", schwärmt auch Chriss Dettmer, der seit 2009 sein eigenes Tattoo-Studio "The Black Hole Tattoo" in der Hamburger Sternschanze betreibt. 

Dass er Tattoos nicht nur besonders gut stechen konnte, sondern sie auch wieder entfernte, war kein Geheimnis. Geheimnisvoll und umstritten war zu dieser Zeit allerdings, welche Rezeptur er für die Entfernung der Tattoos verwendete. Heute ist bekannt, dass Christian Warlich auf Säure zum Ablösen der oberen Hautschichten zurückgriff. Da die Tätowierung nur bis zur zweiten Hautschicht eingestochen wurde, war dieser Vorgang recht effektiv. Eine Narbe blieb den meisten allerdings trotzdem.

Innerhalb seines Forschungsprojektes findet Dr. Ole Wittmann durch intensive Recherche sogar die genaue Zusammensetzung der Rezeptur heraus, zu der es eine interessante Anekdote gibt: "1935 hatte sich die Hand eines Matrosen entzündet, der sich sein Tattoo von Warlich entfernen ließ. Entsprechend wurde Warlich dann von der Gesundheitsbehörde angeschwärzt und musste daraufhin sein Rezept preisgeben."

Weitere spannende Anekdoten und ungeklärte Mythen über Christian Warlich gibt es noch bis Mai 2020 im Rahmen der Ausstellung "Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli" in Hamburg zu sehen.

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