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Neue EZB-Präsidentin - Hochgelobt und knallhart - Lagarde übernimmt EZB

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Christine Lagarde hat einen beinahe makellosen Werdegang. Nun tritt sie als erste Frau an die Spitze der Europäischen Zentralbank. In Frankfurt wird sie mit Spannung erwartet.

Viele haben es vergessen: 2012 stand es um den Euro Spitz auf Knopf. Da sagte der Chef der Europäischen Zentralbank: Ich werde „alles tun, um den Euro retten“. Mario Draghi hielt Wort. Heute, zu seinem Abschied, gab es also Lob und viel Kritik.

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Wo immer sie hinkam, war sie die erste Frau in einer Spitzenposition. Erste Chefin der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie, erste Finanzministerin in Frankreich - und damit auch in einem G8-Mitgliedsstaat, erste Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Und am 1. November wird Christine Lagarde die erste Präsidentin der EZB in Frankfurt am Main.

Die Kompetenz der 63-Jährigen ist relativ unumstritten, obwohl sie Juristin und nicht studierte Bankerin oder Volkswirtin ist. Ihre Nominierung war eine Idee von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, als Teil des Paketes mit Ursula von der Leyen als Chefin der EU-Kommission. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Christine Lagarde seit Jahren kennt, hatte dem nicht viel entgegenzusetzen.

Lagarde will sich um klarere Sprache bemühen 

Bei einem der wenigen öffentlichen Auftritte im Zusammenhang mit ihrer zukünftigen Funktion, Anfang September vor dem Währungs- und Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments, versprach die Französin unter anderem, sich künftig um eine klarere Sprache zu bemühen "damit die Bürger verstehen, wofür die EZB steht". Ein löblicher Vorsatz in unruhigen Zeiten für Europa und seine Zentralbank.

Wird Lagarde die Frankfurter Bankenwelt also entstauben? Ihre vergangenen Erfahrungen in Paris und Washington lassen daran glauben. "Frauen sind wie Teebeutel, sie zeigen ihre Stärke, wenn man sie ins Wasser taucht", sagte Christine Lagarde einmal im amerikanischen Fernsehen. Sie gilt als geschickt und diplomatisch, als menschlich und charismatisch, aber wurde auch vom niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte als "tough lady" bezeichnet, die knallharte Forderungen stellt.

Die derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, soll an die Spitze der Europäischen Zentralbank rücken. Frank Bethmann an der Börse über die Reaktion der Finanzwelt.

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Bewunderung bei Frauen als zusätzliche Verantwortung

Die elegante Französin, die Chanel-Kostüme und Perlenketten zu ihrer Uniform machte, wo andere Politikerinnen eher auf dunkle Hosenanzüge setzen, ist sich ihrer Stellung als Frau in einer Spitzenposition durchaus bewusst. "Ich würdige die Bewunderung und die Dankbarkeit, die ich hervorrufe, vor allem bei Frauen. Das ist eine zusätzliche Verantwortung (…). Man darf sie nicht enttäuschen", sagte sie 2014 der französischen Zeitschrift Vanity Fair, die sie zur einflussreichsten Französin der Welt kürte.

In Paris geboren, ist Christine Lagarde in Le Havre in der Normandie groß geworden. Brillant hat sie die schulische Laufbahn absolviert. Mit 15 wurde sie französische Vizemeisterin im Synchronschwimmen. Auch heute schwimmt sie noch morgens, wenn sie Zeit hat, ist jeden Tag um 6 Uhr auf den Beinen und lebt gesund. Nur Schokolade hat sie immer dabei, die sie gerne mit Gesprächspartnern teilt.

Der schwarze Fleck auf ihrem Lebenslauf

Nach dem Studium stieg sie bei Baker & McKenzie als Anwältin ein und schaffte es bis an die Spitze der Firma in Chicago. 2007 holte der französische Präsident Nicolas Sarkozy sie aus den USA zurück nach Paris, in seine Regierung. Erst als Ministerin für Außenhandel, dann als Finanzministerin. Ohne politische Erfahrung, nach vielen Jahren im Ausland - ein heikler Sprung, den sie ohne nennenswerte Pannen absolvierte. Sie galt als Politikerin, die zuhören kann und sich auf ein Team erfahrener Berater stützte.

Der einzige schwarze Fleck auf ihrem Lebenslauf stammt aus dieser Zeit in der Regierung. Als Ministerin habe Lagarde in der Affäre um eine Millionen-Zahlung an den Unternehmer Bernard Tapie fahrlässig gehandelt, befand 2016 der Gerichtshof der Republik. Die Richter in Paris verzichteten jedoch darauf, eine Strafe zu verhängen. Sie begründeten dies mit der "Persönlichkeit" Lagardes und ihrem "internationalen Ansehen", dem diese Verurteilung erstaunlich wenig geschadet hat.

Und das, obwohl Christine Lagarde zu der Zeit schon wieder in Washington war, wo mit solchen Affären eigentlich nicht gespaßt wird. Bei ihrer hochrangig besetzten Abschiedsparty im September wurden Lobeshymnen gesungen. Lagarde habe Washington zu erobern gewusst, trotz Eifersucht und Animositäten, meinte der Milliardär David Rubinstein.

Mario Draghi

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von Reinhard Schlieker

Ein größerer Rockstar als Bono

U2-Sänger Bono erheiterte die Gäste der Abschiedsparty mit einer Videonachricht: "Als ich in einem kleinen Schweizer Skiort angekommen bin, wo sich jedes Jahr die Mächtigen der Welt treffen, habe ich Teilnehmer sagen gehört, dass ein Rockstar erwartet würde, der den Gipfel aufmischen würde. Ich war geschmeichelt, dass man so von mir redete, bis ich begriff, dass der Rockstar nicht ich bin, sondern Christine Lagarde."

Die Heldin des Abends, an der Seite ihres Lebensgefährten Xavier Giocanti, einem Geschäftsmann aus Marseille, und einer ihrer beiden Söhne, ergriff als letzte das Wort. Sie dankte allen Anwesenden, verblüffte sie dann, indem sie singend Abschied nahm. Als gute Französin, im Abendkleid von Chanel natürlich, bediente sie sich bei einer anderen berühmte Landsmännin, Edith Piaf, und sang: "Non je ne regrette rien" (Ich bedaure nichts).

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