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Lagarde: "Wir sollten alle Träumer sein"

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EZB-Chefin wirbt für starke EU - Lagarde: "Wir sollten alle Träumer sein"

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Christine Lagarde hat ihren ersten öffentlichen Auftritt als Chefin der Europäischen Zentralbank absolviert. Sie warb in ihrer Rede für den Traum eines starken Europa.

Christine Lagarde am 22.11.2019 in Frankfurt
In ihrer ersten programmatischen Rede wirbt Lagarde vor allem dafür, dass Europa zur zweistärksten Ökonomie der Welt wird. Lob gab es dafür von der Deutschen Bank.
Quelle: Reuters

Schon zu Beginn der Rede der neuen Chefin der Europäischen Zentralbank ist klar – es weht ein anderer Wind. Lagarde schaut auf ihr Manuskript, zögert. Dann schweifen ihre Augen über die Reihen des Publikums. "Ich habe da gleich an John Lennon gedacht, als sie mehrmals von "Imagine" sprachen in Ihre Rede", sagte sie an ihren Vorredner gewandt, Commerzbank-Chef Martin Zielke. "Wir sollten alle Träumer sein".

Europa müsse seinen Platz neue finden

Ihr Vorgänger Mario Draghi wich nur äußerst selten von Redemanuskripten ab. Es war die erste programmatische Rede von Christine Lagarde seit ihrem Amtsantritt am 1. November. Und in dieser Rede malte sie aus, dass Träume angebracht seien, um Europa nach vorne zu bringen. Sie mahnte Europa besser, vereinter und stärker zu machen. Vor allem angesichts eines rauen globalen Umfeldes.

Neue Weltmächte wie China wandelten das globale Gefüge, rapide Umbrüche in technologischer Hinsicht seien an der Tagesordnung und der weitere Ausblick weltweit für Handel und Finanzen sei unsicher. "Das stellt Europa unausweichlich vor die Aufgabe, seinen Platz in der Welt neu zu bestimmen und seine Ziele neu zu setzen".

Lagarde: Mehr staatliche Investitionen nötig

Da es sich um gemeinsame Herausforderungen handele, müsse Europa ihnen auch mit einer gemeinsamen Antwort begegnen. Die skizzierte Unsicherheit berge aber vor allem auch Chancen für Europa. "Wir haben die einzigartige Gelegenheit, auf eine sich wandelnde und herausfordernde Welt durch Investitionen in unsere Zukunft, Stärkung unserer gemeinsamen Institutionen und der Handlungsfähigkeit des zweitgrößten Wirtschaftsraumes zu reagieren", bekräftigte sie.

Wie ihr Vorgänger Mario Draghi forderte Lagarde von Politik und Staaten das Wachstum der europäischen Binnenkonjunktur anzukurbeln – etwa durch mehr Investitionen.

Denn die befänden sich unter dem Level vor der großen Krise vor rund einem Jahrzehnt. Und die öffentlichen Ausgaben etwa für Infrastruktur, Forschung und Entwicklung oder Bildung seien in den letzten Jahren rückläufig, kritisierte Lagarde.

EZB habe Nebenwirkungen der Niedrgizinsen im Auge

Vor einigen Wochen hatte Lagarde bereits Länder mit Haushaltsüberschüssen wie Deutschland und die Niederlande zu mehr Ausgaben im Kampf gegen die Konjunkturschwäche aufgefordert. Die Europäische Zentralbank wiederum werde ebenfalls alles tun, um die europäische Wirtschaft zu stützen. Die lockere Geldpolitik habe in der Vergangenheit entscheidend zur Erholung der Wirtschaft beigetragen; und das werde auch noch eine Weile so bleiben.

Damit signalisierte Christine Lagarde wie erwartet, dass sie am bisher eingeschlagenen Kurs der Notenbank unter ihrem Vorgänger Mario Draghi bis auf weiteres festhalten wird. Dabei werde die Notenbank aber natürlich die möglichen schädlichen Nebenwirkungen durch die Niedrigzinsen genau beobachten.

Christine Lagarde hat ihre erste programmatische Rede als neue EZB-Chefin gehalten. Frank Bethmann über die Richtung, die Lagarde einschlagen will.

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Lagarde legt Fokus auf Europa

Aktuell werden die von der Zentralbank eingeführten Minuszinsen für Banken verstärkt kritisch diskutiert, weil sie allmählich auch zu Kleinsparern durchdringen könnten. So hat die Volksbank in Fürstenfeldbruck bestätigt, dass sie die Minuszinsen, die Banken bei der EZB bezahlen müssen, wenn sie dort kurzfristig Gelder parken, an Neukunden weitergeben würde - und zwar ab dem ersten Euro. Bislang erheben Banken Minuszinsen für Spargelder in der Regel nur für Firmenkunden oder Kunden mit hohen Vermögen.

Frau Lagarde, das war die ermutigendste Rede über Europa in den vergangenen zwei oder drei Jahren gewesen.
Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank

Abgesehen von diesen wenigen Bemerkungen zur Geldpolitik ging es Christine Lagarde in ihrer ersten öffentlichen Rede als Notenbankchefin aber offenbar vor allem um eine Aufbruch-Rede für Europa. Das kam bei den Hörern im Saal auch so an. "Frau Lagarde, das war die ermutigendste Rede über Europa in den vergangenen zwei oder drei Jahren gewesen", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing an Lagarde gerichtet. "Genau das ist es, was wir brauchen". Es sei, so Sewing weiter, das erste Mal, dass er von einer EZB-Persönlichkeit so deutlich gehört habe, dass Europa sich auf den Weg zur zweitstärksten Ökonomie der Welt machen müsse.

"Und dann wird der Traum wahr"

In der Tat sprach Lagarde von einem Aufbruch in Europa, der schwierig sei und viel Mut erfordere – auch unkonventionelle Herangehensweisen. "Tue zuerst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche", zitierte sie am Schluss ihrer Rede den heiligen Franz von Assisi. Und setzte dann hinzu: "Und dann wird der Traum wahr".

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