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Debatte um sexuelle Übergriffe - "Weckruf für alle Unternehmen"

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Übergriffe und Schikane werfen mehrere Frauen Dieter Wedel vor. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, blickt im ZDF über den Einzelfall hinaus.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sagt: "Wir müssen es schaffen, Beschwerdestellen zu haben". Chefs seien gezwungen, sich schützend vor Opfer zu stellen. Viele Frauen wüssten nicht, welche Rechte sie haben.

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Es handele sich sowohl um einen Fall Wedel als auch um einen Weckruf für alle Unternehmen, die Frauen, die sexuell belästigt, sexuell genötigt oder vergewaltigt werden, einfach ernstzunehmen, sagt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, im ZDF heute journal. "Und: Etwas dagegen unternehmen, das ist das Wichtige an der Sache."

Lüders fordert Beschwerdestellen

Dass sich viele der Frauen so spät melden, erklärt sich Lüders mit der speziellen Situation in der Filmbranche: Es sei natürlich "eine ungemein pikante Geschichte, wenn sie von einem Regisseur belästigt werden, von dem ihre Hauptrolle vielleicht auch abhängt - und andere Rollen auch." Es gehe dabei um Macht, um Respekt und um Respektlosigkeit gegenüber Frauen.

"Wir müssen es schaffen, Beschwerdestellen zu haben, an die sich Frauen wenden können", fordert Lüders, "auch für die Filmbranche, auch für die öffentlich-rechtlichen Sender." Hier müsse klar aufgeklärt werden. Jeder Chef, jede Chefin sei gesetzlich gezwungen, sich schützend vor die Opfer zu stellen.

Im Fall Dieter Wedel hatten Schauspielerinnen Vorwürfe erhoben, die von sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung reichen. Der heute 75 Jahre alte Wedel wies diese zurück. Die Intendanz der Hersfelder Festspiele gab der bekannte Film- und Theatermacher im Zuge der Affäre auf. Die Anfang der 1980er-Jahre für die Serie des Saarländischen Rundfunks (SR) "Bretter, die die Welt bedeuten" engagierte Schauspielerin Esther Gemsch hatte in der Wochenzeitung "Die Zeit" einen mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch geschildert, bei dem Wedel sie 1980 gewürgt haben soll. Sie habe dabei Verletzungen erlitten, weshalb sie ihre Rolle nicht habe weiterspielen können.

Schikaniert und gedemütigt?

Ihre Vorwürfe waren auch in einem internen Bericht des SR festgehalten worden. Dem "Zeit"-Bericht zufolge hatte Wedels damaliger Anwalt die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Dreharbeiten gingen mit Schauspielerin Ute Christensen weiter, die nach eigener Aussage von Wedel sexuell belästigt, schikaniert und gedemütigt worden sei. Man wisse leider nicht, warum damals niemand auf die Vorwürfe reagiert habe, erklärte der SR. Die Reaktion solle nun aufgearbeitet werden.

Es geht um Gewalttätigkeiten und um schwere sexuelle Übergriffe. In der Wochenzeitung "Die Zeit" erheben weitere Frauen schwere Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel. Sein Anwalt kritisiert die Veröffentlichungen.

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Der Sender hat nach eigener Aussage Kontakt zu den beiden mutmaßlichen Opfern und zu weiteren Zeitzeugen aufgenommen. Es solle "alles offen gelegt werden". Wedel hatte am Montag von einer "diffamierenden Diskussion" um seine Person gesprochen. Wedels Anwalt Michael Philippi sagte der ARD-"Tagesschau" zur Berichterstattung der "Zeit", einige Zeugen seien nicht mehr am Leben, außerdem könne Wedel wegen seiner Gesundheitsprobleme derzeit nicht Stellung beziehen. "Das halte ich ethisch nicht für verantwortbar, und ich halte es zudem auch rechtlich für unzulässig."

"Größtmögliche Aufklärung"

ZDF-Intendant Thomas Bellut forderte Transparenz: "Ich habe an alle Beschäftigen appelliert, Fehlverhalten nicht zu ignorieren, sondern zu benennen." Wedel hatte für das ZDF bei den Mehrteilern "Der große Bellheim" und "Der Schattenmann" Regie geführt.

Regisseur Dieter Wedel. Archivbild

Vorwürfe gegen Regisseur Wedel - ZDF lagen keine Hinweise vor

Sexuelle Übergriffe und Schikane werfen mehrere Frauen dem Regisseur Dieter Wedel vor. Das ZDF, das mit ihm zusammengearbeitet hat, hat dazu Unterlagen überprüft.

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Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) prüft nach eigenen Angaben derzeit, ob sich in den Produktionsunterlagen Hinweise auf entsprechende Vorkommnisse im Zusammenhang mit Wedel-Produktionen finden. "Von dem konkreten Vorwurf im Zusammenhang mit einer Produktion aus dem Jahr 1975 haben wir erst aus der "Zeit" erfahren", erklärte ein Sprecher. Nun gehe es um "größtmögliche Aufklärung".

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat gegen Wedel. Die Bad Hersfelder Festspiele wollen kommenden Montag mitteilen, wie es nach Wedels Rücktritt vom Posten des Intendanten weitergeht.

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