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Google-Browser - Chrome führt Werbeblocker ein

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Obwohl Google selbst sein Geld vor allem mit Online-Werbung macht, soll nun der konzerneigene Browser Chrome besonders nervige Werbung sperren.

Google Chrome
Google Chrome Quelle: imago

Nach fast einjähriger Vorbereitung schaltet Google heute den "Chrome Ad Filter" frei. Er soll Werbeformen wie Pop-Up-Fenster oder automatisch lostönende Werbespots auf Webseiten ausfiltern. Damit reagiert der Konzern auf die immer größere Verbreitung von Adblockern, die Online-Werbung möglichst komplett blockieren.

Genervte Werbeverweigerer

"Wir haben beobachtet, dass Nutzer immer häufiger von Werbungen genervt sind - auf dem Desktop genauso wie im Mobilbrowser", begründete Google-Manager Rahul Roy-Chowdhury die Einführung des neuen Adblockers. Für Googles eigenes Werbegeschäft ist diese Entwicklung beunruhigend - denn mit wenigen Mausklicks können sich Nutzer problemlos einen Werbeblocker installieren, der Werbung weitgehend und dauerhaft aus ihrem Browser verbannt.

Der "Ad Filter" ist ein Kompromissangebot an die Werbewirtschaft und die Nutzer. So beklagen die von Werbeeinnahmen abhängigen Medien seit Jahren die Verluste durch die Werbeverweigerung der Nutzer. Um die mangelnde Reichweite auszugleichen, setzt die Branche auf immer neue Werbeformen, die besser bezahlt, aber auch für den Leser schwerer zu ignorieren sind. Insbesondere sogenannte Autoplay-Videos, die automatisch abgespielt werden, sobald eine Webseite geladen ist, haben sich in den vergangenen Jahren stark verbreitet - und damit zum weiteren Siegeszug der Adblocker beigetragen. Googles "Ad Filter" soll das beenden.

Weniger als ein Prozent geblockt

Eine groß angelegte Blockade durch Google muss die Werbewirtschaft zunächst nicht befürchten. Die "Coalition for Better Ads" hat insgesamt zwölf Werbeformate definiert, die wegen der großen Ablehnung der Nutzer künftig nicht mehr verbreitet werden sollen. Werbetreibende hatten mehrere Monate Zeit, ihre Angebote an die neuen Vorgaben anzupassen. In Pressebriefings erklärte Google, dass zunächst weniger als ein Prozent der untersuchten Websites von dem neuen Werbeblocker betroffen sein sollen. Das liegt auch daran, dass die Kategorien unzulässiger Werbung sehr eng gefasst wurden. So sind Autoplay-Werbespots weiter erlaubt, wenn sie ohne Ton abgespielt werden.

Für die betroffenen Websites wird der "Ad Filter" dennoch teuer. Denn Chrome soll auf den Seiten der Anbieter mit zu viel aufdringlicher Werbung nicht nur Autoplay-Videos und Pop-Up-Fenster blockieren, sondern auch alle anderen Werbeformate tilgen. Selbst die von Google selbst vertriebene Werbung soll dort nicht mehr angezeigt werden. Da Chrome der am meisten genutzte Browser weltweit ist, dürften die resultierenden Einnahmeverluste enorm sein.

"Keine Weltpolizei für Werbung"

Deutsche Verlage zeigen sich abwartend. Großen Nachbesserungsbedarf sehen sie bei den eigenen Angeboten eher nicht. "Wir haben bereits vor zwei Jahren damit begonnen, Formate zu entfernen, die nicht den Richtlinien der Coalition for Better Ads entsprechen“, erklärt zum Beispiel Carsten Schwecke, der für die Werbeschaltungen auf den Online-Angeboten des Verlagshauses Axel Springer verantwortlich ist. Insofern habe der neue Werbeblocker keinen direkten Einfluss auf das Geschäft des Verlagshauses.

Dennoch sieht das Unternehmen den Vorstoß des amerikanischen Konzerns kritisch. "Eine Art Weltpolizei-Rolle über Online-Werbung lehnen wir strikt ab, da sie unsere verlegerischen Freiheiten massiv einschränken würde", erklärt Schwecke. Gegen andere Werbeblocker geht Axel Springer derzeit gerichtlich vor, auch andere Medienhäuser klagen. Ab April wird sich der Bundesgerichtshof damit befassen, ob Adblocker ein unzulässiger Eingriff in den Wettbewerb sind.

Online-Werbung und Adblocker: Fragen und Antworten

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