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Giftanschlag auf Ex-Spion - Der Fall Skripal: Eine Chronologie

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Die Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal und seiner Tochter Julia hat große Spannungen zwischen Russland und dem Westen ausgelöst. Eine Chronologie des Falls.

Polizisten stehen an der Absperrung am Tatort in Salisburry (Großbritannien) am 13.03.2018
Absperrung am Tatort in Salisbury (Archiv) Quelle: ap

2010: Der wegen Spionage für Großbritannien inhaftierte frühere russische Militärgeheimdienstoffizier Sergej Skripal kommt bei einem Agentenaustausch frei und wird in das Vereinigte Königreich geflogen. Er lässt sich in Salisbury, 145 Kilometer südwestlich von London, nieder. Skripal war 2006 in Russland wegen Hochverrats zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

3. März 2018: Julia Skripal trifft aus Russland kommend am Londoner Flughafen Heathrow ein, um ihren Vater in England zu besuchen.

4. März, 13.40 Uhr: Sergej Skripals BMW steht auf einem Parkplatz in der Innenstadt von Salisbury. Wenig später besuchen Sergej und Julia Skripal den Pub "The Mill". Zwischen 14.20 und 15.35 Uhr essen beide im Restaurant "Zizzi" zu Mittag.

4. März, 16.15 Uhr: Eine Person, die über einen Mann und eine Frau im Stadtzentrum von Salisbury besorgt ist, ruft den Notdienst. Beamte finden die Skripals bewusstlos auf einer Bank. Die beiden werden in ein Krankenhaus gebracht. Bis heute befinden sie sich in einem kritischen Zustand.

5. März: Die Polizei teilt mit, dass zwei Personen in Salisbury behandelt würden, weil sie mutmaßlich einer unbekannten Substanz ausgesetzt worden seien. Die Polizei nennt nicht ihre Identität. Die BBC berichtet aber, dass der sich in Behandlung befindliche Mann Sergej Skripal sei.

6. März: Anti-Terror-Ermittler übernehmen die Ermittlungen.

7. März: Die Polizei teilt mit, dass die Skripals wahrscheinlich bei einem gezielten Mordversuch mit einem Nervenkampfstoff vergiftet worden seien. Ein Polizeibeamter, der nach dem Angriff auf die Skripals im Einsatz war, befindet sich laut Polizei in ernstem Zustand im Krankenhaus.

9. März: Rund 180 Soldaten, die sich mit chemischer Kriegsführung und Entseuchung auskennen, werden in Salisbury stationiert, um bei den Polizeiermittlungen zu helfen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagt, Moskau sei möglicherweise bereit, bei der Untersuchung zu helfen. Er äußert Verärgerung über Vermutungen, dass der Kreml hinter dem Angriff stecke.

11. März: Die Gesundheitsbehörde Public Health England fordert Personen, die das Restaurant "Zizzi" und den Pub "The Mill" am Tag des Angriffs oder am Tag danach besucht haben, auf, als Vorsichtsmaßnahme ihre Kleidung zu waschen.

12. März: Premierministerin Theresa May sagt vor dem britischen Unterhaus, die Skripals seien mit dem militärischen Nervengift Nowitschok vergiftet worden, das während des Kalten Kriegs von der Sowjetunion entwickelt worden sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es aus Russland komme. May gibt Russland bis Mitternacht am 13. März Zeit, eine Erklärung dafür abzuliefern. Sonst müsse es mit "umfassenden" Vergeltungsmaßnahmen rechnen.

13. März: Russland teilt mit, dass es nicht auf die Frist von Großbritannien eingehen werde, es sei denn, es erhalte Proben des Nervenkampfstoffs. Lawrow sagt, Vorwürfe einer Verantwortung Russlands für den Angriff seien "Unsinn".

14. März: Russland hat die Frist verstreichen lassen. May teilt daraufhin mit, dass 23 russische Diplomaten Großbritannien innerhalb einer Woche verlassen müssen. Sie gibt eine Reihe diplomatischer und wirtschaftlicher Maßnahmen gegen Russland wegen der Vergiftung der Skripals bekannt. Es könne nur die Schlussfolgerung gezogen werden, dass der russische Staat des versuchten Mordes an beiden Skripals schuldig sei, sagt May.

17. März: Russland reagiert: Als Gegenmaßnahme nach den Ankündigungen Mays verweist die russische Regierung 23 britische Diplomaten außer Landes. Sie müssen Russland ebenfalls innerhalb einer Woche verlassen. Die Kultureinrichtung British Council werde geschlossen, eine Vereinbarung über die Wiedereröffnung des britischen Konsulats in St. Petersburg sei am Ende.

18. März: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich zu einer Zusammenarbeit mit Großbritannien bei den Ermittlungen wegen der Vergiftung des ehemaligen Spions Sergej Skripal bereit erklärt. Die Anschuldigungen der britischen Regierung bezeichnete Putin als Unsinn.

19. März: Die EU-Staaten fordern schnelle Aufklärung des Gift-Anschlags, vermeiden aber eine klare Schuldzuweisung. Die EU nehme die britische Einschätzung "äußerst ernst, dass es höchst wahrscheinlich ist, dass die Russische Föderation verantwortlich ist", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der 28 Minister.

20. März: Die von London ausgewiesenen russischen Diplomaten treten die Heimreise an.

Die Regierung in Prag bestellt den russischen Botschafter ein. Er solle die "lügnerische Aussage der russischen Seite" erklären, das bei dem Anschlag verwendete Nervengift Nowitschok könne aus Tschechien stammen.

Das Gift Nowitschok könnte nach Darstellung des an seiner Entwicklung beteiligten russischen Wissenschaftlers Leonid Rink im Westen hergestellt worden sein. Der Chemieexperte Wil Mirsajanow habe nach seiner Auswanderung in die USA die Formel verraten, weswegen Großbritannien und andere Länder es einfach herstellen könnten, sagte Rink der staatlichen russischen Agentur Ria Nowosti. Das Gift habe einen anderen Namen gehabt, als es in der Sowjetunion als chemische Waffe entwickelt wurde, sagte Rink. Es würde für Moskau keinen Sinn machen, Skripal zu vergiften, sagte Rink und wiederholte damit Aussagen der russischen Regierung. Großbritannien benutze den Namen Nowitschok für das Gift, um die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass die Schuld bei Russland liege, sagte Rink.

21. März: Russland hat im Fall Skripal konkrete Fragen an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) gestellt. Das sagt der russische Außenminister Sergej Lawrow. "Wir werden durchsetzen, dass alle unsere Fragen beantwortet werden." Lawrow wirft der britischen Regierung vor, vorschnell zu urteilen. London treibe auch seine internationalen Partner in eine "verlogene Solidarität".

22. März: Die EU-Staaten halten eine Verantwortung Russlands für den Giftanschlag für "höchstwahrscheinlich". Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten sich bei ihrem Gipfel in Brüssel dieser Einschätzung der britischen Regierung angeschlossen, teilt EU-Ratspräsident Donald Tusk per Twitter mit. Demnach gibt es für die Tat mit einem Nervengift "keine andere plausible Erklärung". Die EU-Staats- und Regierungschefs gehen damit über eine gemeinsame Erklärung der EU-Außenminister vom 19. März hinaus.

Ein britisches Gericht erteilt der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Erlaubnis, Blutproben von Skripal und dessen Tochter zu untersuchen.

Ein mit dem Gift in Berührung gekommener Polizist ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Gesundheitszustand von Skripal und dessen Tochter Julia ist laut Behörden weiterhin kritisch, aber stabil.

Das britische Kulturinstitut British Council hat wie vom Kreml angewiesen seine Arbeit in Russland eingestellt.

23. März: Wegen des Giftanschlags beordert die EU ihren Botschafter aus Moskau für Konsultationen zurück nach Brüssel.

24. März: Skripal hat einem Freund zufolge vor einigen Jahren ein Gnadengesuch an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet. Skripal habe ihm dies 2012 in einem Telefonat berichtet, sagt sein Schulfreund Wladimir Timoschkow in einem Interview mit der BBC. Skripals Ziel war es demnach, seine Verwandten in Russland zu besuchen. Die russische Botschaft in London dementiert den Bericht umgehend. Es habe keinen entsprechenden Brief von Skripal an Putin gegeben,

25. März: Russland kritsiert die Reaktion der EU-Staaten auf den Giftanschlag scharf. "Zu unserem großen Leidwesen haben wir es mit unberechenbaren und aggressiven Gegenüber zu tun", zitiert die Nachrichtenagentur Ria Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Russland werde nicht nachlassen, seine Position bei den europäischen Ländern vorzubringen.

26. März: Die westlichen Staaten lassen Russland mit einer beispiellosen Ausweisungsaktion ihren Unmut über den Giftanschlag spüren. Mehr als 20 Staaten - unter ihnen die USA und die Mehrzahl der EU-Mitglieder, auch Deutschland, - fordern in einer koordinierten Aktion mehr als 110 russische Diplomaten zur Ausreise auf. Allein in den USA sind 60 Russen betroffen.

Das Außenministerium in Moskau spricht von einer "Provokation" und kündigt Vergeltungsmaßnahmen an.

27. März: Russlands Außenminister Sergej Lawrow macht Washington für die Ausweisung zahlreicher Diplomaten seines Landes aus westlichen Staaten verantwortlich. Die Ausweisungen seien das "Ergebnis kolossalen Drucks, kolossaler Erpressung" seitens der USA, sagt Lawrow.

28. März: Laut britischer Polizei sind Sergej Skripal und seine Tochter in seinem Haus vergiftet worden. Ermittler fanden an der Eingangstür von Skripals Haus Spuren des Nervengiftes Nowitschok, dabei handele es sich um die bislang höchste Konzentration des Giftes, das die Ermittler sicherstellen konnte.

29. März: Russland kündigt als Reaktion auf die Ausweisung seiner Diplomaten eigene Maßnahmen an: Unter anderem sollen 60 US-Diplomaten ausgewiesen werden, zudem werde das US-Konsulat in St. Petersburg geschlossen.

Währenddessen scheint sich der Gesundheitszustand von Skripals Tochter Julia zu verbessern. Britische Ärzte sagten, ihr Zustand sei jetzt stabil. Ihr Vater dagegen befinde sich weiter in kritischem Zustand.

30. März: Vier deutsche Botschaftsangehörige müssen infolge der Krise Russland verlassen. Auch zahlreiche weitere Diplomaten anderer EU-Staaten werden ausgewiesen. Zuvor hatte das russische Außenministerium in Moskau die Botschafter Deutschlands und anderer Länder einbestellt, um sie über Vergeltungsmaßnahmen der russischen Seite im Zuge der Skripal-Affäre zu informieren.

Am Londoner Flughafen Heathrow wird eine Maschine der russischen Fluglinie Aeroflot durchsucht. Die russische Botschaft in London verurteilt die Durchsuchung als "eine weitere offensichtliche Provokation durch die britischen Behörden".

Russland verlangt zudem Antworten von der britischen Regierung auf 27 konkrete Fragen, etwa wie Skripal und seine Tochter genau behandelt werden. "Nervengifte wirken eigentlich sofort. Warum war das nicht bei den Skripals der Fall?", heißt es unter anderem in der Mitteilung.

31. März: Russland fordert Großbritannien zum Abzug mehr als 50 weiterer diplomatischer Vertreter auf. Zusammen mit den bereits ausgewiesenen 23 Diplomaten sei dann Gleichstand bei der Zahl der Vertreter im jeweils anderen Land hergestellt, so das Außenministerium in Moskau.

2. April: Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnet das Verhältnis zum Westen als so schlecht wie lange nicht mehr. "Vor allem Großbritannien, die USA und zahlreiche Staaten, die ihnen blind folgen, haben jeden Anstand verloren", sagt Lawrow.

3. April: Das britische Militärlabor räumt ein, dass eine russische Herkunft des Nervengifts im Fall Skripal nicht eindeutig nachgewiesen werden kann. "Wir konnten nachweisen, dass es sich um Nowitschok handelte, nachweisen, dass es sich um ein Nervengift militärischer Art handelte", sagt der Chef des Labors, Gary Aitkenhead. Und: Zur Herstellung eines solchen Nervengifts seien "extrem komplexe Methoden" vonnöten, über die nur ein "staatlicher Akteur" verfügen könne.

Die britische Regierung bleibt dennoch bei ihren Anschuldigungen, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. "Es gibt keine andere plausible Erklärung dafür", teilt das Außenministerium mit. Man wisse, dass Russland kleine Nowitschok-Mengen für eventuelle Attentate hergestellt und gelagert habe.

4. April: Russland scheitert bei einer Sondersitzung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag mit seinem Bestreben, in die Ermittlungen einbezogen zu werden. Die erste direkte Konfrontation der beiden Länder seit dem Vorfall endete bei der Sondersitzung mit heftigen gegenseitigen Vorwürfen. In New York forderte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

5. April: Auch bei der Sondersitzung im UN-Sicherheitsrat kommt es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Russland und Großbritannien. Der russische UN-Botschafter Nebensja wirft London "dreckige Spiele" vor. "Wir haben nichts zu verstecken, aber ich fürchte, dass Russland etwas zu befürchten haben könnte", warnte die britische UN-Botschafterin Karen Pierce.

Die bei der Giftattacke verletzte Tochter des Ex-Agenten, Julia Skripal meldet sich erstmals zu Wort und spricht von einer "verwirrenden" Situation. Es gehe ihr von Tag zu Tag besser. Zugleich bat sie um Achtung ihrer Privatsphäre.

Die 60 ausgewiesene US-Diplomaten verlassen die Botschaft in Moskau. Die jetzt zu unerwünschten Personen erklärten Diplomaten seien Brückenbauer zwischen Russland und den USA gewesen, teilt das US-Außenministerium mit.

6. April: Sergej Skripal ist nach Angaben des Krankenhauses in Salisbury nun außer Lebensgefahr und befindet sich auf dem Wege der Besserung. Skripals Gesundheitszustand "verbessert sich rasch", hieß es.

10. April: Sergej Skripals Tochter Julia wird aus dem Krankenhaus Salisbury entlassen. "Das ist nicht das Ende ihrer Behandlung, aber es markiert einen bedeutenden Meilenstein", sagt die medizinische Direktorin der Klinik, Christine Blanshard.

12. April: Die OPCW bestätigt die britischen Angaben, nach denen Skripal mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Die Experten der OPCW sagten aber nichts über die Herkunft des Giftes, auch der Name sowie die genaue Struktur werden nur im vollständigen Bericht genannt. Der ist aber nicht öffentlich zugänglich.

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