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Champions League | Halbfinale - Bayern hoffen auf eine Trotzreaktion

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Nach der 1:2-Niederlage gegen Titelverteidiger Real Madrid kreiden sich die Münchner Naivität an. Im Rückspiel in Madrid setzen sie auf bessere Chancenverwertung.

Einige wie Mats Hummels schlichen wortlos aus der Arena, andere wie Thomas Müller sprachen ihren Frust offen aus. "Wir waren zu naiv. Wir hatten mehrere sehr, sehr gute Chancen. In der Bundesliga sagen wir danke, heute hat vielleicht die Bedeutung des Spiels eine Rolle gespielt", mutmaßte Müller nach der 1:2 (1:1)-Niederlage des FC Bayern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Titelverteidiger Real und trauerte auch der vergebenen Chance auf eine weitaus günstigere Ausgangslage für das Rückspiel am Dienstag in Madrid hinterher. "Das ist ein ganz schwer zu verdauendes Spiel", sagte er, "wir hätten ein viel besseres Ergebnis holen müssen. Das tut weh."

Es war in der Tat ein Spiel der vergebenen Möglichkeiten aus Sicht der Münchner. Nicht nur, dass sie zahlreiche Chancen nach dem 1:0 durch Joshua Kimmich (28.) ausließen. Sie verpassten es danach auch, mit Konsequenz und Konzentration Reals seltene Annäherungen an Sven Ulreichs Tor auszubremsen. Wie beim 1:1 durch Marcelo (44.), als der gesamte Abwehrverbund des FC Bayern zu unentschlossen agierte. Und wie beim 1:2 durch den eingewechselten Marco Asensio (57.), dem ein grotesker Pass von Rafinha in Asensios Füße vorausgegangen war. "Wir haben Madrid zwei Tore geschenkt durch eklatante Fehler. Wenn man dann auch noch so viele große Chancen nicht nutzt, darf man sich nicht wundern, wenn man gegen Real verliert", sagte Trainer Jupp Heynckes.

Robben und Boateng früh verletzt

Zuletzt hatte der 72-Jährige immer deutlicher seine Zuversicht zum Ausdruck gebracht, sich womöglich noch einmal mit dem ganz großen Triumph in seinen seit Oktober unterbrochenen Ruhestand verabschieden zu können. Auch eine Wiederholung des Triples, nach dem sich Heynckes 2013 ins Privatleben auf seinen Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein zurückgezogen hatte, traute er seiner aktuellen Mannschaft zu. Zumal diese den Meistertitel und Einzug ins Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt am 19. Mai in Berlin bereits äußerst souverän erreicht hatte. Doch nach Heynckes‘ letztem Heimspiel in der Champions League ist der erste Einzug in ein Finale seit fünf Jahren in weite Ferne gerückt. Ein 2:0-Sieg in Madrid wäre nun beispielsweise nötig, um doch noch die Zulassung fürs Endspiel am 26. Mai in Kiew zu erhalten.

Das Schicksal schien es aber schon am Mittwochabend nicht gut zu meinen mit den Münchnern, ähnlich wie in der Vorsaison, als sie von zahlreichen Verletzungen geplagt waren. Diesmal musste Arjen Robben bereits in der achten Minute angeschlagen vom Platz, nach einer guten halben Stunde folgte Jérôme Boateng. Bei beiden werden die genauen Diagnosen an diesem Donnerstag erwartet, vermutet werden bei beiden muskuläre Verletzungen. "Bei Arjen ist es wohl nicht so schlimm. Bei Jérôme denken wir schon, dass er ausfällt", sagte Heynckes. Sollte sich der Innenverteidiger schwerer verletzt haben, wonach es aussah, könnte sogar seine WM-Teilnahme in Gefahr geraten.

"Wenn wir 5:2 gewinnen, kann sich Real nicht beschweren."

Übergeordnet aber schmerzte es die Bayern noch mehr, sich mehr oder weniger selbst geschlagen zu haben. "Wenn wir 5:2 gewinnen, kann sich Real nicht beschweren. Ich habe so ein schwaches Real nicht so oft gesehen in München", befand gar der für Boateng eingewechselte Niklas Süle. "Zwei Eiertore" habe man bekommen, obwohl man gesehen habe, "wie wir Real packen können, wie sie hinten anfällig sind und wie wir eigentlich gut stehen gegen diese Weltoffensive". Cristiano Ronaldo stand stellvertretend für die nicht besonders beeindruckende Vorstellung der Königlichen. Erstmals in dieser Saison erzielte der Portugiese kein Tor in einem Champions-League-Spiel, zuvor hatte er 15 Treffer in zehn Spielen angehäuft. Diesmal brachte er nur zwei Torschüsse zustande, mit 28 Ballkontakten entfielen auf ihn zudem die wenigsten bei Real. Was Madrid den Bayern aber entscheidend voraus hatte, war die nötige Kaltschnäuzigkeit, vor allem bei den wenigen Gelegenheiten. "So viele Riesenchancen hatten wir nicht mal gegen Hannover letzte Woche. Ich glaube, die haben zweimal aufs Tor geschossen und zwei Dinger gemacht", klagte Kimmich.

Die Münchner setzen nun auf eine Trotzreaktion in Madrid, um doch noch ins Finale einzuziehen und den Traum vom Triple am Leben zu halten. "Wir haben noch Hoffnung, dass wir auch in Madrid unsere Torchancen haben und die besser nutzen", sagte Heynckes. Müller sieht dafür "realistische Möglichkeiten". Mut mache zudem, ergänzte Süle, dass Real sein Viertelfinal-Rückspiel zu Hause gegen Juventus Turin nach einem 3:0-Auswärtssieg 1:3 verloren hatte und erst dank eines verwandelten Elfmeters von Ronaldo in der Nachspielzeit eine Verlängerung und das mögliche Aus abwenden konnte. Man habe auch jetzt wieder gesehen "wie verwundbar Madrid ist", sagte Müller.

Die Münchner wissen aber auch, dass sie mit einer sehr schweren Hypothek in Spaniens Hauptstadt reisen werden. Und dass sie diesmal, anders als nach der 1:2-Heimniederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Vorsaison gegen Real, "einen super Tag" erwischen müssen, an dem "alles passt", wie es Sportdirektor Hasan Salihamidzic ausdrückte, um tatsächlich noch die äußerst komplizierte Wende zum Weiterkommen vollziehen zu können. Oder wie es Müller formulierte: "Wir brauchen eine andere Killermentalität."

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