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Speichern in der Datenwolke - Die unterschätzten deutschen Cloud-Anbieter

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Beim Cloud-Computing denken viele an Amazon, Google & Co. Dabei bieten deutsche Anbieter meist viel mehr Sicherheit. Doch sie bleiben oft unbeachtet von Regierung und Behörden.

Ein Mann schaut während der Cebit-Computermesse in Hannover am 05.03.2012, wie Cloud-Computing mit Handy demonstriert wird.
Cloud-Computing: Datensicherheit spielt eine immer größere Rolle bei der Entscheidung für einen Cloud-Anbieter. (Archivbild)
Quelle: Reuters

Personalakten, Videos, Konstruktionsunterlagen - immer mehr Unternehmen speichern das alles in der Datenwolke. Die Umsätze der Cloud-Anbieter wachsen deshalb stetig. Für das Jahr 2017 haben die Analysten des Marktforschungsunternehmens Gartner rund 260 Milliarden Dollar weltweit ermittelt.

Cloud-Umsätze wachsen rasant

Für das nächste Jahr erwarten sie mehr als 400 Milliarden Dollar. Und es könnte massive Marktverschiebungen zugunsten der deutschen Cloud-Anbieter geben. "Datensicherheit und Datenschutz spielen bei der Entscheidung für einen Cloud-Anbieter eine immer größere Rolle", sagt der russische IT-Sicherheitsspezialist Eugene Kaspersky.

Zurzeit beherrschen Amazon und Microsoft den Cloud-Markt noch und verleiben sich immerhin knapp die Hälfte des weltweiten Cloud-Umsatzes ein. Doch das könnte sich schon bald ändern.

Datensicherheit und Datenschutz spielen bei der Entscheidung für einen Cloud-Anbieter eine immer größere Rolle.
IT-Sicherheitsspezialist Eugene Kaspersky

"Denn immer mehr amerikanische Unternehmen orientieren sich an der europäischen Datenschutzgrundverordnung", berichtet Shue-Jane Thompson, die den Bereich Public Service bei IBM in Washington leitet.

Datenschutzgrundverordnung wirkt

Cloud-Anbieter IBM rechnet sich deshalb noch einmal gute Chancen auf Wachstum mit der Datenwolke aus. Im Europa-Geschäft dürften vor allen Dingen die großen Cloud-Anbieter wie SAP, die Telekom oder Cancom von diesem Wachstum profitieren.

"Die genießen wegen ihrer hohen Sicherheitsstandards einen hervorragenden Ruf", urteilt Udo Schneider vom japanischen IT-Sicherheitsunternehmen Trend Micro. Doch dem durchschlagenden Erfolg der Cloud-Anbieter hierzulande steht noch ein massives Hindernis entgegen: Die Missachtung durch Regierung und Behörden.

Als bekannt wurde, dass die Bundespolizei Videoaufnahmen von den Bodycams ihrer Beamten auf Servern des amerikanischen Cloud-Anbieters Amazon speichern will, gab es Protest. Und zwar nicht nur von Bürgerrechtlern, sondern auch aus der Industrie.

Das Cloud-Debakel der Bundespolizei

Die deutschen Cloud-Anbieter fühlten sich übergangen. Selbst die sonst äußerst zurückhaltenden Manager der Bundesdruckerei merkten an, dass sie mit ihrem Cloud-Service Bdrive doch eine geeignete Speicherlösung für die Bundespolizei im Angebot hätten. Sie wunderten sich, dass dies offenbar im zuständigen Ministerium niemand wisse.

Die Politik nahm die Kritik am Amazon-Deal der Bundespolizei auf. "Wenn das überhaupt ausgelagert werden soll an einen privaten Anbieter, dann an ein deutsches oder europäisches Unternehmen", merkte der Netzpolitiker Jimmy Schulz an. Er ist Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion.

Seine Kollegin Saskia Esken von der SPD unterstützt ihn in diesem Punkt: "Dass Bundespolizei und Innenministerium da nicht auf die Idee gekommen sind, einen deutschen Anbieter mit seinen hohen Sicherheitsstandards auszusuchen, kann ich nicht nachvollziehen", sagt die Informatikerin.

Der Ärger bei den deutschen Cloud-Anbietern über Regierung und Verwaltung ist groß. Vor allen Dingen Spezialanbieter, die ihre Datenwolke sicherheitstechnisch so hochgerüstet haben, dass selbst NATO-Zulieferer bei ihnen speichern, sind empört.

Deutsche Cloud-Anbieter sind oft Spezialisten

"Offensichtlich fehlt den politischen Beamten in Behördenleitungen und Ministerien jedwede Marktkenntnis", merkt der Geschäftsführer eines Cloud-Anbieters mit Sitz in Süddeutschland an. Er will seinen Namen nicht veröffentlicht sehen, weil er befürchtet, sich mit solcher Kritik für Geschäfte mit Regierungsstellen auszuschließen. "Nur wer einen in der Öffentlichkeit bekannten Namen hat, kann etwas Druck auf die Regierung ausüben."

Serverraum der Firma SAP (Archivbild)
Serverraum der Firma SAP (Archivbild)
Quelle: ap

Auch deswegen denken nicht wenige der über 50 etablierten Cloud-Anbieter in Deutschland inzwischen darüber nach, in das wenig lukrative Geschäft mit Privatanwendern einzusteigen, weil sie sich davon erhoffen, dass ihr Name bekannter wird.

Tatsächlich scheint der Nachholbedarf der Bundesregierung in Sachen Cloud-Wissen groß zu sein. Weder das Wirtschaftsministerium noch das Innenministerium konnten auf Nachfrage sagen, ob Google oder SAP die größere Bedeutung im Cloud-Geschäft haben. Nach bereinigtem Umsatz ist es übrigens die SAP, also ein deutscher Anbieter.

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