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Googles "Stadia" - Scheitern Gamer am langsamen Internet?

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Mit Googles Online-Service "Stadia" zieht die Spielekonsole ins Internet. Doch Millionen Deutsche bleiben erst einmal außen vor.

Ein Controller fuer Googles Spieledienst Stadia ist auf der Entwicklerkonferenz Google I/O zu sehen.
Gaming der Zukunft: Ein Controller für Googles "Stadia".
Quelle: dpa

Schöne neue Spielewelt: Statt sich eine Spielekonsole zu kaufen und neue Spiele oft über Stunden oder ganze Tage herunterzuladen, können sich Spieler bald direkt im Internet einloggen und die neusten Spiele innerhalb von Sekunden in höchster Auflösung zocken.

Am 19. November startet Google seinen Cloud-Gaming-Dienst "Stadia" in Deutschland. Konkurrenzangebote von Sony und Microsoft oder Nvidia sind auch auf dem Weg.

Nicht jeder wird "Stadia" nutzen können

Millionen deutscher Haushalte können die neuen Dienste aber erst einmal nicht oder nur eingeschränkt nutzen. "Cloud-Gaming setzt schnelle und latenzarme Internetverbindungen voraus", erklärt Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbandes Game. In der Praxis empfehlen die Anbieter Bandbreiten von mindestens 35 Megabit pro Sekunde, damit das Spielen in der Cloud Spaß macht.

Laut den amtlichen Statistiken gebe es bei knapp einem Drittel der ländlichen Gemeinden in Deutschland keine Internetanschlüsse mit einer Bandbreite von 30 Megabit oder mehr. "Dieses Beispiel zeigt erneut, dass wir als Digitalstandort in Deutschland hinterherhinken", beklagt Falk.

10 MBit sind genug - fürs Erste

Laut Google ist das Problem jedoch nicht ganz so groß: Nach der offiziellen Ankündigung funktioniert der neue Dienst schon bei erheblich geringeren Bandbreiten: Ab zehn Megabit pro Sekunde ist man dabei - wenn auch die Spiele in geringerer Auflösung und ohne Surround-Sound laufen.

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur gab es 2018 noch 4,1 Millionen Anschlüsse, die eine Bandbreite von unter 10 Megabit pro Sekunde boten. Und nach Zahlen Providerverband VATM liegen heute noch 2,1 Millionen Haushalte unter sechs Megabit pro Sekunde.

Um den Kunden eine Orientierung zu bieten, hat Google einen Breitband-Test auf der Stadia-Webseite integriert. Hier können Nutzer prüfen, ob und in welcher Qualität sie bei  mitspielen können. Eine Garantie sind solche Tests allerdings nicht.

Datenstau hält Spieler auf

Denn Bandbreite ist nicht gleich Bandbreite. Denn auch wenn man einen Internetanschluss mit offiziell 20 MBit pro Sekunde bucht, ist nicht immer gewährleistet, dass auch so viele Daten ständig beim eigenen Router ankommen. So nimmt bei DSL die Datenübertragungsrate ab, je weiter der Anschluss vom nächsten Schaltkasten des Providers entfernt ist.

Zusätzlich kommt es darauf an, wie viele Haushalte sich die Infrastruktur teilen. Gehen zu viele Haushalte gleichzeitig online, kommt es mitunter zu  Datenstaus.

Bildschirmfoto von Googles Geschwindigkeitstest für das Cloud-Gaming
Cloud-Gaming, aber nicht für alle: Geschwindigkeitstest für Googles "Stadia".
Quelle: Google

Drittes Problem: Nicht nur die Menge der übertragenen Daten ist wichtig, sondern auch wie lange es dauert, eine bestimmte Information von Googles Rechenzentrum zum Spieler zu transportieren und wieder zurück - die sogenannte "Latenz" oder "Lag".

Konventionelle Spiele wie Egoshooter werden bei Verzögerungen von mehr als einer Zehntelsekunde unspielbar. Internet-Anschlüsse über Satellit, die insbesondere in ländlichen Gegenden angeboten werden, sind deshalb für die meisten Online-Spiele untauglich.

Stresstest für die Spieler

Ein zu hoher Lag macht sich in einem ruckelnden Spielablauf bemerkbar, weil sich alle beteiligten Rechner immer wieder neu darauf einigen müssen, wo die Spielfiguren tatsächlich stehen, ob ein Schuss geglückt oder ein Tor gefallen ist. Folge: Ein ruckelnder Spielablauf, zuweilen sogar ein kompletter Spielabbruch.

Beim Cloud-Gaming ist der Lag sogar noch störender. Denn wenn eine Figur auf dem Bildschirm nicht in Sekundenbruchteilen auf jeden Spielzug reagiert, sind Spieler desorientiert.

Wer die notwendige Bandbreite hat, aber unter einer hohen Latenz leidet, kann sich eventuell vom Provider helfen lassen. Vodafone bietet etwa spezielle DSL-Anschlüsse mit reduzierter Latenz für Gamer an. Google arbeitet unterdessen an einer Technik, die Spielzüge vorausahnen kann und somit die effektive Verzögerung minimiert.

Cloud-Gaming ein Problem für die Provider?

Cloud-Gaming kann zum Stress-Test für die Provider werden. So haben bereits Streaming-Dienste wie Netflix das übertragene Datenvolumen in die Höhe gejagt.

Laut Statistik des VATM hat sich das übertragene Datenvolumen in Deutschland seit 2014 mehr als verfünffacht: Von 9,3 Milliarden Gigabyte im Jahr 2014 auf schätzungsweise 57 Milliarden Gigabyte in diesem Jahr. Pro Haushalt entspricht das einem Datenvolumen von 137 Gigabyte.

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