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CO2-Emissionen überraschend stark gesunken

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Klimaziel 2020 wieder erreichbar - CO2-Emissionen überraschend stark gesunken

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Es sind überraschend gute Zahlen: Die CO2-Emissionen in Deutschland sind 2019 nach ZDF-Informationen stärker gesunken als erwartet. Sogar das Klimaziel 2020 ist wieder erreichbar.

Im Vorjahr wurden die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 35% gesenkt – die Zahlen sind damit besser als erwartet. Dennoch werden die gesetzten Klimaziele nicht erreicht.

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Eigentlich hatte Deutschland sein Klimaziel 2020 quasi schon aufgegeben: Bis Ende des Jahres, so das offizielle Ziel, sollten die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent sinken. Nicht erreichbar, hieß es im vergangenen Jahr dazu - weil die deutschen Klimaanstrengungen schlicht nicht ausreichten. Doch die Auswertung der Klimadaten des Thinktanks "Agora Energiewende", die dem ZDF und der dpa exklusiv vorliegen, zeigt Überraschendes: Plötzlich rückt das Ziel wieder in greifbare Nähe. Denn die Energiewende kommt voran. 

Entscheidend: der CO2-Preis auf europäischer Ebene

Der Auswertung zufolge sanken die Treibhausgasemissionen in Deutschland 2019 um mehr als 50 Millionen Tonnen. Sie liegen damit etwa 35 Prozent unter dem Niveau von 1990 - also nur noch fünf Prozentpunkte vom Ziel für 2020 entfernt. Dieser Rückgang sei der Bundesregierung schlicht in den Schoß gefallen, kommentiert Agora-Direktor Patrick Graichen: "Entscheidend war einzig und allein der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel."

An den Börsen nämlich werden CO2-Zertifikate derzeit für rund 25 Euro gehandelt - ein vergleichsweise hoher Preis, auf den die Betreiber von Kohlekraftwerken reagierten. So sank die Stromproduktion durch Braun- und Steinkohle im vergangenen Jahr deutlich, um 20 bis 30 Prozent. Erneuerbare Energien hingegen deckten 42,6 Prozent der gesamten deutschen Stromnachfrage. Erstmals erzeugten sie mehr Strom als Kohle- und Kernkraftwerke zusammen.

Auf ZDF-Nachfrage wollte das Bundesumweltministerium die Daten nicht kommentieren, verwies auf die offizielle Erhebung, die das Umweltbundesamt erst in den nächsten Wochen veröffentlichen werde. In den vergangenen Jahren lagen die Forscher der renommierten Denkfabrik Agora mit ihren Schätzungen aber sehr nah an den späteren offiziellen Daten, die Abweichung 2018 betrug gerade mal einen Prozentpunkt.

Mehr SUVs auf den Straßen - mehr Emissionen im Verkehr

Während die CO2-Emissionen im Gebäudebereich stagnierten, nahmen sie 2019 im Verkehrssektor sogar zu - was den Rückgang der CO2-Emissionen im Stromsystem zum Teil wieder zunichte machte. Im Verkehr, so die Auswertung von Agora, führte "vor allem der steigende Anteil schwerer Fahrzeuge wie SUVs zu einem Anstieg der Emissionen".

Überhaupt seien die guten Klimadaten kein Grund, sich auszuruhen - im Gegenteil. "Es besteht die Gefahr, dass - nach dem Rückgang der Emissionen in den vergangenen beiden Jahren - im Zeitraum 2020-2022 wieder ein Anstieg folgt", warnt Agora-Direktor Graichen.

Erneuerbare Energien: Ausbau eingebrochen

Tatsächlich ist der Ausbau der Windkraft in Deutschland fast zum Erliegen gekommen: 2019 erreichte er nicht einmal mehr 20 Prozent der Werte früherer Jahre. Um das Klimaziel 2020 noch zu erreichen,  müsste Deutschland in diesem Jahr noch rund 60 Millionen Tonnen CO2 einsparen - also etwas mehr als 2019.

Ob das mit diesem Tempo erreichbar ist? Die Antwort des Energie-Forschers fällt eindeutig aus - und ziemlich knapp: "Nein."

Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

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