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CDU will Klimakonzept beschließen - Von teureren Inlandsflügen bis zur Baumprämie

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Woche der Entscheidung in der Klimapolitik: Am Freitag soll das Konzept der Koalition stehen. Die CDU setzt auf CO2-Zertifikate, die SPD verspricht ein "sehr ehrgeiziges" Paket.

Teurere Inlandsflüge, CO2-Besteuerung, Baumprämien – Vorschläge zur Bekämpfung des Klimawandels gibt es viele. Heute will die CDU ihr Konzept beschließen.

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Vier Tage vor den geplanten weitreichenden Entscheidungen im schwarz-roten Klimakabinett will die CDU heute ihr Konzept für mehr Klimaschutz beschließen. In der Beschlussvorlage sprechen sich die Autoren für die Bekämpfung des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 über eine Ausweitung des Zertifikatehandels auf den Verkehrs- und den Gebäudebereich aus. Das würde den Verbrauch fossiler und nicht regenerativer Brennstoffe verteuern. Die Vorlage trägt den Titel "Klimaeffizientes Deutschland - Mit Innovationen in die Zukunft."

Die CDU tritt auch für eine Verdopplung der Ticketsteuer bei Inlandsflügen ein. Für Kurzstrecken unter 400 Kilometern soll diese Steuer sogar verdreifacht werden. Beim CO2-Zertifikatehandel plädiert die CDU nach dem Beschlussentwurf für die Einführung von Minimal- und Maximalpreisen. "Wir brauchen verbindliche Lenkungswirkung einerseits und soziale Haltelinien andererseits", heißt es in dem Papier. Ein Maximalpreis würde ähnlich wie eine - lange von der SPD favorisierte - Steuererhöhung auf Benzin, Heizöl oder Gas wirken, heißt es in der Union. Zudem könne er verhindern, dass die Preise "durch die Decke gehen".

CDU-Wirtschaftsrat gegen Belastungen und Einschränkungen

Die CDU schreibt in ihrem Konzept, falls wegen der Marktentwicklung der Maximalpreis greife, könne es erforderlich sein, zusätzliche Zertifikate zu generieren. Als Kompensation bringt die CDU nationale Projekte wie die Renaturierung von Mooren und eine Baumprämie ins Spiel: "Wer mit Bäumen CO2 bindet, kann dafür Zertifikate erhalten."

Der Wirtschaftsrat der CDU wandte sich gegen Belastungen und Einschränkungen für Unternehmen und Verbraucher. Das Erreichen der Klimaziele könne "nur durch technologischen Fortschritt und Innovation gelingen", heißt es in einem Papier des Wirtschaftsrats, das den Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft" (NBR) vorliegt. Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte der NBR: In der Debatte um eine CO2-Bepreisung müsse vor allem die "Wettbewerbsfähigkeit der Industrie" hierzulande berücksichtigt werden.

Das Klimakabinett der Bundesregierung will am 20. September ein Gesamtkonzept beschließen, einen Tag zuvor soll ein Treffen des Koalitionsausschusses letzte Hürden aus dem Weg räumen.

Scholz: "Sehr ehrgeiziges" Klimapaket

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) versprach am Sonntagabend im ZDF ein "sehr ehrgeiziges" Klimapaket. "Ich spüre bei allen Koalitionspartnern den Willen, tatsächlich etwas zustande zu bringen, das der Größe der Aufgabe gerecht wird", sagte der Vizekanzler. Zu Medienberichten über ein Volumen von etwa 40 Milliarden Euro bis 2023 sagte der Vizekanzler, niemand könne gegenwärtig eine genaue Summe nennen.

Scholz sprach sich des Weiteren für Fördermaßnahmen, Investitionen und "richtige Regeln" aus. Notwendig seien Entscheidungen, die die CO2-Belastung reduzierten, mit denen die Bürger aber auch "gut umgehen" könnten. Niemand kaufe sich am nächsten Tag ein neues Auto oder treffe innerhalb von zwei Wochen eine Entscheidung über eine neue Heizung.

Will die Bundesregierung 40 Milliarden Euro ausgeben, um das Klima zu retten? Finanzminister Olaf Scholz (SPD) im ZDF-Interview.

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Zurückhaltend äußerte sich Scholz dazu, wie eine CO2-Bepreisung künftig aussehen wird. Man sei sich einig, dass eine solche Bepreisung gebraucht werde. "Eins ist für mich klar: Wenn es eine Bepreisung gibt, muss sie sozial gerecht sein. Und es kann nicht einfach sein, dass der Staat mehr Geld einnimmt. Es muss den Bürgern auch zurückgegeben werden, auf verschiedene Weisen, zum Beispiel auch beim Strompreis."

Der Finanzminister hatte außerdem in der "Bild am Sonntag" zur Unterstützung des Umstiegs auf Elektroautos "so was wie ein Eine-Million-Ladesäulen-Programm" ins Gespräch gebracht. Der Energieverband BDEW begrüßte das im Grundsatz, hält aber die von Scholz genannte Zahl für überdimensioniert. "Nach unseren Berechnungen sind 350.000 öffentliche Ladepunkte für die geplanten zehn Millionen E-Autos vollkommen ausreichend", sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer.

DIW-Chef warnt vor "schädlicher Klientelpolitik"

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte vor einem "Sammelsurium kleinteiliger Reformen" und forderte ein "wirksames Gesamtkonzept". Dazu gehöre "ein klares, bindendes Klimaschutzgesetz, mit dem wir den CO2-Ausstoß in allen Sektoren - von Verkehr, Landwirtschaft bis zur Industrie - runter bekommen und die Pariser Klimaziele einhalten", sagte Hofreiter der "Welt". In der "Passauer Neuen Presse" kritisierte er, die Regierung habe dafür gesorgt, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien komplett ins Stocken geraten sei.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnte die Regierung vor falschen Weichenstellungen beim Klimaschutz. "Meine Sorge beim Paket zum Klimaschutz ist, dass die Große Koalition eine schädliche Klientelpolitik betreibt, die zugunsten der Automobilbranche und Finanzbranche und zulasten der Steuerzahler und des Klimas geht", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt". Dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 verpasse, sei ein "Armutszeugnis". Nun seien "massive Investitionen" in den Klimaschutz nötig, damit die Bundesregierung ihrer Verantwortung wieder gerecht werden könne.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Klima, Pendler, Arbeitsplätze – der Kulturkampf ums Auto" vom 12. September 2019.

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