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Commerzbank vor DAX-Ausstieg - Abstieg einer Großbank

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Sie ist noch immer Nummer Zwei der deutschen Großbanken: die Commerzbank. Doch sie hat immer mehr an Bedeutung eingebüßt.

Die Commerzbank schrumpft Kosten und Mitarbeiterzahl.
Fliegt heute wahrscheinlich aus dem DAX: Die Commerzbank
Quelle: Arne Dedert/dpa

Entsprechend der Bedeutung ist auch der Aktienkurs der Bank gesunken, in den letzten zehn Jahren ist er um 92 Prozent abgestürzt. Deshalb ist es fast logisch, dass die Aktie nun aus dem DAX fällt. Denn dort sind die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften notiert - gemessen an Börsenumsatz und Handelsvolumen. 

Schön fände er das zwar nicht, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke vor einigen Tagen in Frankfurt, aber er meint auch, "für die Bedeutung der Bank für die deutsche Volkswirtschaft ändert sich überhaupt nichts" - auch nicht für die Kunden.

Schlechtes Timing zu Anfang der Krise

Das wird sich erst in den kommenden Jahren weisen, denn noch ist die Bank damit beschäftigt, sich für die Zukunft neu aufzustellen. Für diesen Niedergang der Bank gibt es verschiedene Gründe, zum Teil war auch einfach schlechtes Timing dabei, etwa als die Bank im Sommer vor zehn Jahren die Dresdner Bank übernahm, offiziell am 31. August. 2008. Zwei Wochen später kam es dann zur Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, und die Finanzkrise erreichte ihren Höhepunkt. Als Folge konnte die Commerzbank nur durch den Einstieg des Staates gerettet werden - der ist immer noch mit 15 Prozent beteiligt.

Schon drei Jahre zuvor hatte der damalige Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die Immobilienbank Eurohypo ganz übernommen. Auch das erwies sich im Nachhinein als falsche Entscheidung: Denn dann platzte im Sommer 2007 die Blase am Immobilienmarkt, die Folge waren erhebliche Wertverluste der Hypothekenkredite.

Selbst Abbau kostet

Nicht nur die verloren, das galt auch für Staatsanleihen, als auf die Finanz- die Staatsschuldenkrise folgte. Davon waren zwar auch die anderen Geldhäuser betroffen. Doch die Commerzbank hatte ein weiteres Geschäft, das sich nun als Risiko entpuppte: Schiffskredite. Das war sehr einträglich, solange die Konjunktur lief. Mit dem Konjunktureinbruch in der Krise aber brachten diese die Bank noch mehr ins Wanken. Erst in diesem Jahr zeigt sich Besserung, weil die Risiken in dieser Sparte weitgehend abgebaut sind.

Und so musste das Institut im Laufe der Jahre immer wieder neue Umbaustrategien vorlegen und tausende Mitarbeiter entlassen. Bis 2020 will die Bank die Zahl der Vollzeitstellen um 7.300 auf 36.000 verringern. Der Abbau kostet Geld und drückt auf den Ertrag - so führten die die Kosten für den Stellenabbau der Bank im zweiten Quartal 2017 zu einem Verlust von 640 Millionen Euro. Immerhin konnte die Bank jetzt zwischen April und Juni einen Gewinn nach Steuern von 272 Millionen Euro erwirtschaften. Es geht also etwas aufwärts.

Online-Projekt "Copernicus" eingestampft

Um die Bank fit zu machen für die neuen Herausforderungen, will Vorstandschef Martin Zielke bis 2020 vier Fünftel der Geschäftsprozesse schon digitalisieren. Die kleinen Finanztechnologieunternehmen machen den Banken da Dampf: Der Erfolg des Zahlungsabwicklers Wirecard ist nur ein Beispiel dafür. Doch eine aggressivere Gangart im Online-Banking, über die der Vorstand nachgedacht hatte, bleibt jetzt aus: Das Management hatte ausgelotet, ob sich der Aufbau einer europäischen Online-Bank lohnen könne. Die, so war der Plan, wollte man aus Polen heraus nach Europa expandieren lassen.

Das intern "Copernicus" genannte Projekt aber wäre eine direkte Konkurrenz für die deutsche Online-Tochter comdirect gewesen. Dieses Projekt werde man nicht weiterführen, sagte Privatkundenvorstand Michael Mandel vor wenigen Tagen in einem Interview des Intranets der Bank. Man müsse Prioritäten setzten, der Fokus liege auf Wachstum und Effizienz in den Geschäftsfeldern, die einen direkten Einfluss auf die Profitabilität der Bank hätten.

Zielke setzt auf Daten-Auswertung

Das Geldhaus muss aber vor allem Kosten reduzieren. Die seien mit gut sieben Milliarden Euro laut Halbjahresbilanz immer noch zu hoch, monieren Analysten. "Der beste Weg für einen höheren Aktienkurs wäre wohl ein Kostenabbau auf 6,5 Milliarden Euro bis 2020", rät etwa Markus Rießelmann von Independent Research. Ein mühsamer Weg. Denn in Wachstum und den Umbau zu einem Technologieunternehmen muss erst einmal investiert werden, bevor Gewinne fließen. Da setzt die Bank auch auf mehr Privatkunden: 2020 sollen es 14 Millionen in Deutschland sein, zwei Millionen mehr als 2016.

Die Banken müssten ihre Chancen nutzen, ihren Kunden auf Grundlage der zahlreichen Daten bessere Leistungen anzubieten. Dazu sei nicht Größe notwendig, sondern Flexibilität und Schnelligkeit, meint Commerzbank-Chef Zielke. Ob er Recht hat, wird sich in den nächsten Jahren weisen. Die Vorstellung statischer Geschäftsmodelle könne man vergessen, ist er überzeugt. Die Banken würden sich auch über 2025 und 2030 hinaus immer weiter verändern müssen. Wenn die Manager da die richtigen Entscheidungen treffen, ist vielleicht auch ein Wiederaufstieg in den DAX möglich.

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