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Commerzbank prüft Schließung von Filialen

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Privatkundengeschäft - Commerzbank prüft Schließung von Filialen

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Die Commerzbank wird ihr ziemlich dichtes Filialnetz möglicherweise ausdünnen. In der Debatte über die künftige Ausrichtung des Instituts sind Filialschließungen kein Tabu mehr.

Das Logo der Commerzbank. Symbolfoto
Wird künftig vielleicht weniger zu sehen sein: Das Logo der Commerzbank-Filialen.
Quelle: Boris Roessler/dpa

Während viele andere Banken und Sparkassen konsequent Zweigstellen schließen oder lediglich noch für die Kundschaft ein Selbstbedienungsterminal zurück lassen, bürstete die Commerzbank in den vergangenen Jahren konsequent gegen den Strich. Das Filialgeschäft sei zwar teuer, aber enorm wichtig. 450.000 Menschen würden täglich in die Zweigstellen kommen. Die Filiale sei Wachstumsmotor, hieß es noch vor gut einem Jahr von der damals neu eingestellten Herrin des Filialmanagements, Susanne Fleckenstein. Wie als Beleg dafür ergänzte sie eine weitere Zahl: 60 Prozent der Neukunden kämen über die Filiale zur Bank. 

100 bis 200 Filialen weniger?

Und tatsächlich, das Privatkundengeschäft der Bank wuchs tatsächlich. Die schlechte Nachricht aber: Der Gewinn der Bank brach zuletzt trotzdem um über ein Viertel ein, weil in anderen Bereichen die Erträge wegbröckelten. Noch immer kämpft die Bank mit ihrer Positionierung im Markt. Nirgendwo auf der Welt ist die Filialdichte so hoch wie in Deutschland. Die Konkurrenz unter den Banken ist riesengroß, wird sogar noch größer durch neue Anbieter, die mit neuen Technologien und neuen kundenfreundlichen Angeboten in den Markt drängen.

Überzeugende Antworten, wo die Commerzbank besser als ihre Wettbewerber ist, hat sie noch nicht gefunden. Deswegen gibt es nun offenbar keine Tabus mehr. Wie das Handelsblatt schreibt, rechne eine Arbeitsgruppe innerhalb der Bank durch, ob eine Reduzierung um 100 bis 200 Filialen sinnvoll ist. Eine grundsätzliche Entscheidung darüber und ob das gleichzeitig mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen verbunden ist, sei noch nicht gefallen und dürfte frühestens im Oktober präsentiert werden.

Aktie auf Talfahrt

Der Druck aber ist enorm. Die Kosten müssen runter, sagen Investoren. Manche finden, das Management hätte bereits deutlich früher reagieren müssen, angesichts eines Aktienkurses der letzte Woche auf ein neues Rekordtief von 4,66 Euro abrutschte. Nie war die Commerzbank weniger wert. Multipliziert man die Anzahl der gehandelten Aktien mit diesem Mickrig-Kurs, dann bringt es die gelbe Bank nur noch auf eine Marktkapitalisierung von 6,3 Milliarden Euro. Bedenkt man, dass das Geldhaus über mehr als 1.000 Filialen zumeist in exzellenten Lagen verfügt, darüber hinaus weitere Spitzen-Immobilien, nicht zuletzt den Hauptsitz in Frankfurt, ihr Eigen nennt, dann wäre es zumindest spannend zu fragen, ob nicht allein der aktuelle Marktwert der Immobilien die Börsenkapitalisierung übersteigt. Bei den derzeitigen Immobilienpreisen ein interessantes Rechenexempel.

Zerschlagung kein Thema

Solange jedoch der Bund mit mehr als 15 Prozent bei der Commerzbank mitredet, bleibt es bei diesem Gedankenspiel. Vor der Zerschlagung steht die Bank nicht. Interessenten für eine mögliche Übernahme stehen aber auch nicht Schlange. Und so lange die Ertragslage der Bank schlecht und die Kosten hoch sind, wird sich daran auch nichts ändern. Deswegen könnten schon bald weitere heilige Kühe wie das kostenlose Girokonto, das die Bank seit Jahren mit erheblichem Aufwand bewirbt, geschlachtet werden.

Im Übrigen ist auch das Ausdünnen des Filialnetzes nicht ganz ohne. Zum einen hat die Commerzbank zuletzt viel Geld für den Umbau der Zweigstellen zu modernen City-Filialen in die Hand genommen. Zum anderen hat die Bank den Anspruch, mit ihren Zweigstellen auch weiterhin von Nord bis Süd und von West bis Ost präsent zu sein, denn sonst lohnen sich ja bundesweite Werbekampagnen nicht mehr. Die aber sind der Commerzbank unter anderem auch als Sponsor der deutschen Fußballnationalmannschaft besonders wichtig.

Frank Bethmann ist Moderator der ZDF-Börsenredaktion.

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