Contra Feiertag: Den braucht sie nicht

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Frauentag in Berlin - Contra Feiertag: Den braucht sie nicht

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Blumen, Schokolade, so war es beim Frauentag in der DDR. Echte Parität? Natürlich nicht! Die aber brauchen wir, steht ja sogar im Grundgesetz. Aber niemand braucht diesen Feiertag.

Ein Mann mit Blumen im Arm aufgenommen am 07.03.2019 in Weißrussland
Blumen? Echte Parität wäre für Frauen wichtiger.
Quelle: dpa

Frauentag in der DDR. Es gab Blumen und Schokolade für die Frauen im Betrieb, die Kinder bastelten. Wie Muttertag eben, nur dass alle Frauen beschenkt wurden. Waren deswegen Lohn, Chefposten, Hausarbeit und Kindererziehung gleich mit den Männern geteilt? Natürlich nicht. Echte Parität wird durch einen Feiertag so wenig erreicht, wie durch noch einen neuen Witz der Berliner Flughafen fertig wird.

Tut endlich was!

Frauen brauchen keinen Feiertag, der ihnen gönnerhaft gewährt wird. Es ist sogar ein Rückschritt. Die Gleichberechtigung steht längst im Grundgesetz. Artikel 3, Absatz 2: Der Staat muss auf die Beseitigung von Nachteilen hinwirken. Parität ist gesellschaftlicher Konsens. Und? Tut endlich etwas dafür! Dass mehr Frauen in die Politik gehen, dass sie in ihrem Beruf nicht an der gläsernen Decke hängen bleiben, dass sie nicht allein vor die Wahl gestellt sind: Kind oder Beruf? Dauerteilzeit oder Dauerspagat mit schlechtem Gewissen? Das sind handfeste Aufgaben.

Da geht es um mehr Kitaplätze, um Hortplätze für Grundschulkinder. Da geht es um gleiche Löhne bei gleicher Arbeit. Undundund. Blumen und Schokolade helfen da ganz wenig. Wirklich. Auch nicht gegen Diskriminierung, die in vielen scheußlichen Geschichten bei #aufschrei und #metoo ans Licht kam.

Kein Projekt, kein Brückenschlag, nichts

Und noch etwas spricht gegen den Frauentag als Feiertag: Die rot-rot-grüne Landesregierung verbindet damit nichts. Kein Projekt zu mehr Gleichberechtigung, kein Brückenschlag zwischen Ost und West, nichts. Vier Bundesländer im Norden haben es im vorigen Jahr besser gemacht. Sie haben sich auf ihre Wurzeln besonnen, sich abgesprochen und sich fünf (atheistischen) Ost-Bundesländern angeschlossen: Ihr neuer Feiertag ist der Reformationstag.

Reformationstag - wie innovativ wäre das gewesen!

Selbst wenn Christen in Berlin mittlerweile eine Minderheit sind: Der Reformationstag erinnert neben Martin Luther auch daran, dass "reformare" erneuern bedeutet. Weil es einer Gesellschaft gut tut, einmal im Jahr innezuhalten: Sind wir auf dem richtigen Weg? Was ist verzichtbar? Wie wollen wir als Gesellschaft die Zukunft gestalten?

Ach, wie innovativ wäre das gewesen! Die sieben Lutherstraßen in Berlin und die Tatsache, dass diese Stadt seit 1539 protestantisch ist, hätte alles neuen Sinn. Aber darum ging es bei der Auswahl nicht. In der Diskussion war alles und nichts, fehlte nur noch der Tag der Currywurst. Hauptsache Feiertag. Echt jetzt, Berlin: Das haben wir Frauen nicht verdient!

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