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Corona-Lockerungen - Iran: Die Menschen bleiben misstrauisch

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Fährt man durch Teheran, scheint wieder fast alles wie vor der Corona-Krise. Denn die Regierung gibt sinkende Infektionszahlen bekannt. Aber die Menschen sind skeptisch.

Menschen mit Schutzmasken in Teheran (Iran) 20.04.2020
Menschen in Teheran (Iran)
Quelle: Reuters

Die Autos schieben sich in langen Staus durch Irans Haupststadt Teheran, die meisten Läden sind wieder geöffnet, Menschen mit und auch viele ohne Mundschutz kaufen ein.

US-Sanktionen begleiten den Alltag

Die Leute haben einfach Angst. Viele glauben, dass die Zahlen viel höher liegen.
Vahid Seyfi, Geschäftsmann

Vahid Seyfi freut sich, dass er jetzt wieder mehr Kunden hat. Gerade hat er zwei Kisten Datteln an ein Lebensmittelgeschäft geliefert. Er beobachtet, wie viele Geschäfte wieder öffnen. Doch von einem normalen Umsatz könne keine Rede sein, sagt er. "Die Leute haben einfach Angst. Viele glauben, dass die Zahlen viel höher liegen. Aber naja, wir nehmen es hin, wie sie es behaupten."

Was sollen sie auch sonst tun? Sie müssen irgendwie ihre Familien ernähren. Durch die Wirtschaftssanktionen der USA steigen seit über zwei Jahren die Preise, die Wirtschaft lahmt, jeder kämpft ums Überleben, und die Corona-Krise hat die Situation noch verschärft.

"Keinem kann man hier vertrauen"

Negin Mousavi ist Studentin und verdient sich als Kassiererin noch etwas dazu. Auch sie glaubt nicht, dass die Infektionszahlen in Iran wirklich sinken, wie von der Regierung behauptet. "Für mich sind die Statistiken nicht glaubwürdig. Ich denke, die Regierung sagt uns nicht die Wahrheit", meint Nevin, "und was man in den sozialen Netzwerken findet, scheint dagegen übertrieben zu sein. Keinem kann man hier vertrauen."

So wie sie, denken viele. Dr. Talat Mokhtari Azad dagegen glaubt daran, dass Iran das Schlimmste überstanden hat. Er leitet das Labor des Nationalen Influenza-Forschungszentrums. "Es kann sein, dass wir an einzelnen Tagen wieder etwas steigende Zahlen sehen", meint sie, "aber im Großen und Ganzen scheint die Zahl der Neuinfektionen abzunehmen."

Zahlen gehen laut Statistikamt zurück

Über 100.000 Infektionen und knapp 6.500 Tote meldet das Statistikamt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Iran. Tatsächlich gehen die Zahlen seit Tagen zurück, und so ordnete Präsident Rouhani vergangene Woche an, dass schrittweise die Betriebe und Geschäfte wieder öffnen können und die inländischen Reisebeschränkungen wieder aufgehoben werden.

Für viele kommt das zu früh, und sie befürchten eine starke zweite Infektionswelle, aber die Regierung will offenbar verhindern, dass die iranische Wirtschaft vollends in die Knie geht.

Die Angst vor Corona bleibt

Jetzt verkaufen wir zwar wieder, aber aus Angst vor Infektionen wird auf den meisten Baustellen noch nicht wieder gearbeitet
Amir Khazayi, Baustoffhändler

Auch im 200 Kilometer von Teheran entfernten Nowshar wird wieder gearbeitet. Amir Khazayi hat einen Baustoffhandel, denn er vor einigen Tagen wieder aufmachen konnte.""Wegen Corona hatten wir eineinhalb Monate lang zu. Jetzt verkaufen wir zwar wieder, aber aus Angst vor Infektionen wird auf den meisten Baustellen noch nicht wieder gearbeitet", berichtet Khazayi. Er habe Schulden und hoffe, dass sich die Lage bald wieder bessere.

Etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Denn auf Hilfsprogramme der Regierung kann er kaum hoffen. Die hat zwar beim Internationalen Währungsfonds einen Milliardenkredit in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar beantragt. Doch Irans Erzfeind, die USA, blockieren die Auszahlung des Geldes. So bleiben die Menschen in Iran weiter auf sich allein gestellt.

Ein Computermodell des Coronavirus

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