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Corona-Notlage an britischen Universitäten

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Weniger Studenten, weniger Geld - Corona-Notlage an britischen Universitäten

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Oxford und Cambridge, zwei der berühmtesten Studentenstädte, sind in diesen Tagen wie ausgestorben. Vorboten einer Krise des britischen Uni-Systems?

Ein Student mit Schutzmaske am 12.03.2020 an der Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts.
Student mit Schutzmaske in Cambridge
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

Die Colleges dicht, die Studenten ausgeflogen. Dort wo sonst für die Examen gepaukt wird, gähnende Leere. Surreal-romantisch nennen das einige, doch mancher Universität droht das Geld auszugehen. Nicht unbedingt "Oxbridge" (das geflügelte Wort für beste Uniausbildung gegen viel Geld), die berühmten Colleges haben Reserven. Aber für andere Hochschulstandorte im Land sieht es trübe aus.

Freier Markt, freier Fall

Das große Problem sei die marktradikale Ausrichtung des Universitäts-Systems, erklärt Jo Grady, Generalsekretärin der "University and College Union" (UCU), der weltweit größten Gewerkschaft für höhere Bildung. "Schauen wir uns die Universität Durham an. Ein Viertel der Studenten kommen dort aus dem Ausland. Deren Studiengebühren finanzieren die Hälfte des Jahreshaushalts - eine Folge der Privatisierung des Uni-Betriebs."

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Studenten aus aller Welt, die höhere Gebühren zahlen als die Einheimischen - ohne sie wird es für viele Hochschulen eng. In den vergangenen Jahren wurden es immer mehr, aktuell sind es rund 200.000. Allein ein Drittel davon aus China.

Opfer der Internationalisierung

Wir brauchen staatliche Unterstützung, und zwar jetzt.
Jo Grady, UCU-Generalsekretärin

Diese Beliebtheit hat ihren Preis - eine Studie der UCU geht davon aus, dass die Unis durch die Corona-Krise umgerechnet drei Milliarden Euro weniger Gebühren einnehmen werden. 30.000 Arbeitsplätze an den Hochschulen seien gefährdet. Und nochmal eine Milliarde Euro Einnahmen werden wegfallen durch Konferenzen, die ausfallen. Oder Studentenbuden, die leer bleiben.

Der Hauptfaktor dabei: ausländische Studenten, die nicht (wieder-) kommen werden. Wegen möglicher Reisebeschränkungen oder aus Angst. Weil unklar ist: Wie und wie viele im September überhaupt wieder studieren können? Wie "Abstand halten" in vollen Hörsälen organisiert werden kann? "Im Juni werden die Haushaltspläne für das kommende Jahr gemacht. Ohne Hilfen werden viele Unis mit dem Zusammenstreichen beginnen müssen, sagt Jo Grady.

Der Muff von Jahrzehnten der Privatisierung

Die Systemfrage stellen - vielleicht eine der wenigen positiven Dinge ausgelöst durch die Corona-Krise, hofft Grady. "Die Regierung muss anerkennen, was wir seit Jahren fordern. Höhere Bildung und Forschung werden nicht durch Wettbewerb am besten finanziert. Es braucht mehr Staat."

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Universitäten anders finanzieren, eher wie etwa in Deutschland, darüber denken wir nach, ergänzt Grady. Ein Paradox - ist die deutsche Hochschulpolitik doch seit Jahren eher darauf aus, so zu werden wie "Oxbridge", Harvard und Co.

Die britische Uni-Landschaft wird sich notgedrungen verändern. Ein Blick in weite Vergangenheit spendet vielleicht ein wenig Trost - als die Pest vor knapp 700 Jahren in Europa wütete, wurde Oxford hart getroffen. Nach der Krise wurden Naturwissenschaften und Medizin die neuen Renner. Ein Auslöser für die wissenschaftliche Revolution, die folgte, Fortschritt brachte - gerade auch im Kampf gegen Krankheiten

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