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USA-Nordkorea-Gipfel - Der Countdown läuft

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Der Countdown läuft. Singapur bereitet sich vor. Nur noch wenige Stunden, dann treffen sich morgen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un, Staatschef von Nordkorea, zum Gipfel.

Zuschauer an der Straße warten auf Donald Trump
Singapur ist im Ausnahmezustand - tausende Zuschauer säumten die Straßen, um Kim Jong Un und Präsident Trump um einen Blick auf die Limousinen der beiden Staatschefs ergattern zu können.
Quelle: epa

Donald Trump und Kim Jong Un treffen sich im "Capella"-Hotel auf der Insel Sentosa im Süden des Stadtstaates. Die Erwartungen sind riesig, aber ob sie erfüllt werden? Niemand weiß es. Das Debakel rund um den G7-Gipfel in Kanada ist zwar einerseits auch in Singapur ein Thema, doch andererseits für die Singapurer ziemlich weit weg. Denn seit gestern kennt die Finanzmetropole nur ein Thema: "ihren" historischen Gipfel zwischen Trump und Kim.

Trubel in der Stadt

Einen ersten Vorgeschmack auf das Brimborium der kommenden Tage erhielt die Stadt am gestrigen Sonntag, als die beiden Staatschefs in dem südostasiatischen Stadtstaat im Abstand von wenigen Stunden ankamen. Den Anfang macht Kim Jong Un. Der Diktator landet mit einer Maschine der Air China um 14.30 Uhr Ortszeit (8.30 Uhr in Deutschland) auf dem Internationalen Flughafen Changi; seine eigene Iljuschin blieb zu Hause in Pjöngjang.

Hunderte Neugierige, Journalisten und Sicherheitsbeamte stehen am Straßenrand, als seine Mercedes-Limousine und 30 weitere Autos im Schlepptau am St.-Regis-Hotel in der Nähe der Einkaufsmeile Orchard Road vorfahren. Doch die Scheiben des gepanzerten Autos sind verdunkelt, von Kim ist nichts zu sehen. Den Schaulustigen ist das egal. "Es ist einfach nur aufregend", sagt eine Touristin aus Kiel am Straßenrand. "Hauptsache, ich habe das Auto gesehen."

Strenge Dienstanweisungen

Mann liest einen Zeitungsartikel über Trump und Kim
Ein Mann in Singapur liest einen Zeitungsartikel über Trump und Kim.
Quelle: reuters

Die einzigen Personen, die sich in der Straßenmitte postieren dürfen, sind zwei Kameramänner aus Nordkorea. Der eine filmt erst alle umherstehenden Journalisten und dann die Kolonne seines Präsidenten. Der andere stellt sich mit zwei Fotoapparaten auf eine Trittleiter, fotografiert ebenfalls erst die Journalisten und dann die Kim-Limousine. Frage an den Fotografen aus Nordkorea: Woher stammt seine Kamera? "No", sagt er. Wann kommt denn Kim an? "No", erwidert er. Gefällt ihm Singapur soweit? "No", antwortet er. Herr "No" schwitzt in Anzug und Krawatte. Ob vor Aufregung oder von der Sonne und den 32 Grad im Schatten? Man würde ihn das gerne fragen, aber seine Antwort kennt man ja bereits.

Knapp drei Stunden nach der Ankunft verlässt Kim das St-Regis-Hotel wieder. Und dieses Mal begleiten ihn wieder seine joggenden Bodyguards im feinen Zwirn, die beim innerkoreanischen Gipfel vor über einem Monat für Furore gesorgt hatten. Doch die drei Kilometer zum Istana-Palast, dem Amtssitz von Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong, sind wohl auch für die joggende Elitetruppe zu weit. Nach nur wenigen Metern fährt die Limousine mit Kim an Bord seinem Begleittrupp auf und davon.

Dann die ersten bewegten Bilder von Kim, die ihn mit Lee beim Plausch zeigen, beim Handshake, beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. "Die ganze Welt guckt auf diesen historischen Gipfel zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten von Amerika", sagt der Diktator während seines Treffens mit dem Gastgeber. Und fügt hinzu: "Sollte der Gipfel erfolgreich sein, wird er Singapur einen Eintrag in die Geschichtsbücher bescheren."

Trump ist optimistisch

Zu der Zeit ist US-Präsident Donald Trump noch in der Luft an Bord der Air Force One. Die G7-Partner, die er vorzeitig in Kanada verließ, hatte er kurz nach dem Start von Bord der Präsidentenmaschine aus mit einem Tweet brüskiert, indem er seine Zustimmung zur mühsam erarbeiteten gemeinsamen Abschlusserklärung zurückzog. Doch spätestens nach einem Tank-Zwischenstopp auf der griechischen Insel Kreta dreht sich sein Twitteraccount nur noch um Kim und Singapur. "Wir haben die Möglichkeit, ein wahrlich wundervolles Resultat zu erzielen für Nordkorea und die Welt", twittert er in der Luft. Und schiebt hinterher: "Ich habe das Gefühl, dass diese einmalige Chance nicht vergeudet wird."

Trump vom Dealbreaker zum Dealmaker? Seine Unberechenbarkeit ist legendär. Auch beim Gipfel rechnet fast jeder mit einem kurzfristig geänderten Programm. Offiziell traf Trump heute Mittag um 12 Uhr auf den Premier Singapurs in dessen Amtssitz und trifft morgen um 9 Uhr auf Kim. Danach soll es eine gemeinsame Erklärung geben. Aber was heißt das schon bei Trump? Die Nachrichtenagentur "Reuters" will zudem erfahren haben, dass Kim bereits morgen am frühen Nachmittag zurück nach Nordkorea fliegen werde.

Singapurer stolze Gastgeber

Donald Trump bei der Ankunft in Singapur
Donald Trump bei der Ankunft in Singapur
Quelle: ap

Gestern Abend um 20.30 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr in Deutschland) landete Donald Trump auf dem Militärstützpunkt Paya Lebar. Es ist bereits dunkel, als der US-Präsident zum "Shangri-la"-Hotel gefahren wird. Trump winkt bei der Ankunft den Journalisten und ein paar Fans aus seiner Limousine zu. Er wohnt nur ein paar Hundert Meter von Kim entfernt und teilt mit ihm eine gemeinsame Sicherheitszone. Von Kim ist derweil nichts mehr zu sehen. Rechtzeitig vor Trumps Ankunft wird er nach seinem Treffen mit Premierminister Lee ins Hotel gebracht - und verlässt es nicht mehr am Abend. Die Singapurer sind stolz, als Gastgeber des Gipfeltreffens fungieren zu dürfen. 20 Millionen US-Dollar kostet der Gipfel, sagt Lee. "Aber das sind wir bereit zu zahlen."

Zwar sei der Weg zu einer Denuklearisierung weit, aber der erste Schritt in die richtige Richtung werde hier in Singapur gemacht, sagt der Premier. Dass die Einheimischen außer den Limousinen der beiden Protagonisten nicht viel zu sehen bekommen - geschenkt. Mit asiatischer Gelassenheit nehmen sie die Straßensperren, Taschenkontrollen und Umleitungen hin.

Burger für Trump, Pizza mit viel Schinken für Kim

Viel lieber spekulieren sie über die kulinarischen Vorlieben der Staatschefs. Sterneköche erklärten in der lokalen Zeitung "Straits Times", welche Menus sie den beiden kredenzen würden. Es gibt geschäftstüchtige Inhaber von Imbissbuden und Restaurants, die spezielle Gipfelmenus servieren. Auch der Trump-Kim-Burger darf da nicht fehlen. Doch was mögen die beiden denn? Von Trump weiß man, dass er Steaks – well done – mit Ketchup und Big Macs liebt. Aber Kim? Aus dem St.-Regis-Hotel heißt es hinter vorgehaltener Hand, er fände Hennessy-Cognac und Champagner toll. Offiziell will niemand etwas dazu sagen. Aber für hiesige Verhältnisse ist das bereits erstaunlich viel. Also, was mag er sonst noch, der Diktator? Emmentaler Käse, so wird geflüstert, auch Sushi, Kobe-Rind und Pizza mit viel Schinken.

Ansonsten dringt nichts durch von nordkoreanischer Seite. Für Aufregung sorgt lediglich ein Zwischenfall an der nordkoreanischen Botschaft in Singapur. Zwei südkoreanische Journalisten hatten sich auf deren Grundstück gewagt. Und weil das Botschaftspersonal die Polizei rief und die zwei Eindringlinge festnahm, stand das Ereignis am nächsten Tag in der Zeitung. Aber lediglich im Innenteil, versteckt unten rechts auf ein paar Zeilen. Den positiven Eindruck will man sich hier nicht kaputt machen. Die beiden Journalisten wurden übrigens wenige Tage nach dem Eklat, des Landes verwiesen. Singapur fackelt da nicht lange.

Singapurs Aufgabe: "Kaffee und Tee servieren"

Den unaufgeregtesten Eindruck von allen macht Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan. Er nahm sowohl Trump als auch Kim am Flughafen in Empfang. Er könnte vor Stolz aus allen Nähten platzen und seine Bilder auf Facebook um die Welt schicken. Doch der Topdiplomat blieb bescheiden, als er gefragt wurde, wie er die Rolle des Gastgebers definiert: "Ich sage Amerikanern und Nordkoreanern, dass wir da sind um Kaffee und Tee zu servieren."

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