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Credit Suisse - Bäume, Baulärm, Banken-Krimi - und ein Suizid

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Ein Banken-Krimi hält die Schweiz in Atem. Die Credit Suisse hat einen Top-Manager illegal beschattet. Der Börsenkurs ist gesunken, ein Mittelsmann hat sich umgebracht.

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Die Credit Suisse ist die zweitgrößte Bank der Schweiz. Ihr Wert ist um rund 1,8 Milliarden Euro gefallen - Hauptgrund: Ein Nachbarschaftsstreit zwischen zwei Top-Managern.
Quelle: ap

Streit unter Nachbarn: Das kommt selbst an den besten Adressen vor - auch bei Millionären des Schweizer Top-Managements. Aktuell beschäftigt die Bankenwelt eine Affäre der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse. Sie begann als grotesker Nachbarschaftsstreit und hat sich nun zu einer ernsthaften Krise entwickelt, die die Aktionäre Geld kostet: Seit Bekanntwerden der Affäre verlor die Credit Suisse zwei Milliarden Franken an Wert, umgerechnet rund 1,83 Milliarden Euro.

Streit wegen Baulärm und Bäumen eskaliert

Tidjane Thiam
Tidjane Thiam - Chef der Credit Suisse
Quelle: Reuters

Im Zentrum der Affäre stehen CEO Tidjane Thiam und Vermögensverwalter Iqbal Khan. Beide sind Nachbarn in Herrliberg, einem Nobelvorort am Zürichsee. Lange galten sie als berufliches Traumpaar, doch im Januar kam es zum Showdown: Auf einer Cocktailparty für Kaderleute soll es im Hause Thiam zu einer Auseinandersetzung mit dem Nachbarn Khan gekommen sein. Es soll um Baulärm und Bäume gegangen sein - die klassischen Zutaten eines Nachbarschaftsstreits.

Iqbal Khan (M.), aufgenommen am 29.08.2019 in Zürich (Schweiz)
Vermögensverwalter Iqbal Khan
Quelle: Reuters

Aus dem menschlichen Zerwürfnis wurde schließlich ein berufliches. Khan kündigte bei der Credit Suisse und wechselte zur Konkurrentin UBS, der größten Bank der Schweiz. Die Credit Suisse befürchtete, Khan könne wohlhabende Kunden und erfolgreiche Kundenberater abwerben. "Es ist ein Kampf um Assets", sagt Monika Roth, Expertin für Wirtschaftsstrafrecht.

"Es geht um die Kundenbindung von Millionären und Milliardären. Die möchten nicht von irgendjemandem betreut werden, sondern von einer bestimmten Person, zu der sie ein Vertrauensverhältnis haben", sagt Roth. Wechsle ein Top-Mitarbeiter die Bank, bestehe die Gefahr, dass ihm die Kundschaft folge. Die Gewinnmargen seien bei den Banken stark eingebrochen. Laut Roth werden "Schlüsselmandate mit reichen Kunden immer wichtiger".

Es geht um die Kundenbindung von Millionären und Milliardären. Die möchten nicht von irgendjemandem betreut werden, sondern von einer bestimmten Person, zu der sie ein Vertrauensverhältnis haben.
Monika Roth, Expertin für Wirtschaftsstrafrecht

Die Credit Suisse fürchtete also den Verlust wichtiger Kundschaft. Daraufhin beschloss sie, über eine Detektei Khan zu beschatten. Der Vermögensverwalter bemerkte eines Abends ein Auto, das ihn und seine Frau bedrängte. Vor einem japanischen Restaurant in der Zürcher Altstadt soll es dann zu einem Streit gekommen sein. Khan rief die Polizei, drei Detektive wurden vorübergehend festgenommen.

"Beschämend für den Finanzplatz Schweiz"

So flog die Beschattungsaktion letztlich auf. Die Staatsanwaltschaft Zürich leitete ein Strafverfahren wegen mutmaßlicher Nötigung ein. Am Montag wurde bekannt, dass sich ein Mittelsmann das Leben nahm. Laut Medienberichten fühlte er sich "schuldig, dass die Aktion in sich zusammengefallen war".

Für Monika Roth steht fest: "Der Fall ist beschämend für den Finanzplatz Schweiz." Es könne "nicht sein, dass zwei bestbezahlte erwachsene Männer über Büsche streiten und am Ende das Unternehmen in Mitleidenschaft ziehen."

Der Cassiopeiasteg im Zürichsee (Schweiz), aufgenommen am 24.06.2019
Nachbarn am Zürichsee: die beiden Top-Manager.
Quelle: imago images / Kraft


Mittlerweile hat sich die Credit Suisse vom Leiter des operativen Geschäfts und vom Sicherheitschef getrennt. "Der Verwaltungsrat ist der Ansicht, dass der Auftrag zur Überwachung falsch und unverhältnismäßig war und zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank geführt hat", teilte das Unternehmen mit.

Affäre wohl noch nicht ausgestanden

Bankchef Thiam hingegen darf bleiben, der Verwaltungsrat sprach ihm das Vertrauen aus. Der oberste Banker habe nichts von der Beschattungsaktion gewusst. Da in den letzten Tagen aber immer neue Details ans Licht kamen, ist die Affäre wohl noch nicht ganz ausgestanden. Finanz-Expertin Roth ist überzeugt: "Ich bin mir sicher, dass wir noch lange nicht alles wissen."

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