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Die CRISPR-Methode - Eine Revolution in der Landwirtschaft

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Klimakrise und Welternährung stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Eine Möglichkeit: die Genschere CRISPR. Heute hat der EuGH über deren Einstufung entschieden.

Mikrobiologie: CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats)
Mikrobiologie: CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) Quelle: dpa

Hitzestress, Wassermangel, Schädlinge, Pflanzenkrankheiten oder versalzene Böden - diese Faktoren können die Ernährung von Mensch und Tier weltweit gefährden. Um die Nutzpflanzen robuster zu machen, soll eine neue molekularbiologische Technik die Landwirtschaft revolutionieren: CRISPR/Cas heißt die Erfolgsformel.

Unerwünschte Erbinformationen werden entfernt

CRISPR steht für Clustered Regularly Interspaced Short Plandromic Repeats. Forscher bezeichnen die CRISPR-Methode als eine Art Genschere, mit der sich Erbinformationen in einer bislang unerreichbaren Genauigkeit ein- und ausschalten lassen oder hinzugefügt werden können.

Dazu wird an einer exakt definierten Stelle der Erbgut-Strang - die DNA - zerschnitten, so dass die ungewünschte Erbinformation herausgeschnitten wird. In einem natürlichen Reparaturprozess fügen sich die beiden Strangteile dann wieder zusammen. Die CRISPR-Methode ermöglicht aber auch, dass zielgerichtet Erbinformationen von anderen Pflanzen an der Schnittstelle eingebaut werden können.

CRISPR wird seit rund fünf Jahren weltweit an Universitäten sowie Forschungseinrichtungen großer Konzerne erprobt und angewandt. In den USA stellen Unternehmen mit Hilfe von CRISPR sogar schon Produkte wie Champignons und Äpfel her, die nach dem Anschneiden nicht braun werden. Eine umfassende Risikobewertung der Methode gibt es bislang noch nicht.

Ergänzung für den "Werkzeugkasten der Pflanzenzüchter"?

Befürworter sehen in der CRISPR-Methode ein enormes ökonomisches Potenzial. Denn ein Züchtungsunternehmen benötigt für die herkömmliche Züchtung etwa einer hitzeresistenten Getreidesorte bis zu zwölf Jahre Zeit, um sie auf den Markt zu bringen. Die CRISPR-Methode lässt die Neuzüchtung einer Sorte auf acht Jahre schrumpfen.

Zudem könnten auch  kleine landwirtschaftliche Unternehmen mit Hilfe der Methode gentechnisch veränderte Nutztiere und -pflanzen entwickeln und auf den Markt bringen. Denn die Lizenz kann jeder Betrieb erwerben, so die Befürworter. Und sie halten das Verfahren für weniger bedenklich als die bisherige Gentechnik. "Neue Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas ergänzen den Werkzeugkasten der Pflanzenzüchter und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, gewünschte Eigenschaften in Pflanzen noch gezielter zu entwickeln. Kämen die neuen Methoden durch zusätzliche gesetzliche Regulierung nicht zur Anwendung, wäre ihr Potenzial für die Landwirtschaft und damit die Gesellschaft in Gefahr", sagt Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter.

Gentechnik oder gentechnisch veränderte Organismen?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat nun die Grundsatzfrage geklärt, ob CRISPR unter das Gentechnikrecht fällt und ob die auf diese Weise veränderten Pflanzen rechtlich gesehen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind. Sie müssen künftig gekennzeichnet werden. Eine Regulierung über das Gentechnikrecht gewährleistet zudem ein verpflichtendes Zulassungsverfahren mit einer Risikobewertung für Mensch und Umwelt.

Die Kennzeichnungspflicht aber ist bei CRISPR ein Problem. Beispiel: Bringt man mit Hilfe der neuen Methode einen hitzeresistenten Mais aus Südamerika mit einem besonders ertragreichen Mais aus Europa zusammen, entsteht eine neue Maispflanze. Diese lässt sich nicht mehr von einer herkömmlich gezüchteten Maispflanze - die nichtkennzeichnungspflichtig wäre - unterscheiden.       

Verbraucherschützer hatten auf ein generelles Vorsorgeprinzip bei gentechnisch veränderten Organismen, auch wenn CRISPR zum Einsatz kommt, bestanden. Es sei "notwendig, dass diese Produkte als gentechnisch hergestellt eingestuft werden", sagt Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. CRISPR ohne Kennzeichnungspflicht? Das wäre "ein riesiger Feldversuch" geworden, so Mühleisen.

Pflanzen könnnten andere verdrängen

Und auch Umweltschützer hatten Risiken sowie Gefahren für Mensch und Natur befürchtet. Denn das Einsetzen artverwandter Gene ist nicht gleichbedeutend mit mehr Sicherheit. Auch vordergründig harmlose Veränderungen hätten derzeit noch weitgehend unerforschte Nebenwirkungen haben können.

Beispielsweise könnte eine Pflanze sich schneller ausbreiten und so ursprünglich hier vorkommende Arten verdrängen, meint Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). "Notwendig ist in diesem Zusammenhang auch die Beobachtung möglicher Auswirkungen auf Natur und Umwelt, das sogenannte Monitoring", so die BfN-Präsidentin.

Kennzeichnungspflicht oder nicht?

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