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Crowd-Lieferdienste - Mitfahrgelegenheit für Pakete

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Unterwegs in den Urlaub? Einen Freund besuchen? Und dabei Platz für ein Paket im Auto? Das ist die Idee von Crowd-Lieferdiensten. Reisende nehmen Pakete von anderen Privatpersonen mit - und verdienen sich so etwas Spritgeld dazu. Doch es gibt Risiken.

Wem der Paketdienst zu langsam ist, kann sich einen privaten Kurier buchen – und zwar ganz einfach per App. Onlineplattformen vermitteln Reisende, die Pakete von anderen mitnehmen. Ein neues Erfolgsmodell?

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Victoria Birk biegt mit ihrem roten Kleinwagen in die Kurve ein. Es ist kurz vor 10 Uhr am Vormittag. In Magdeburg wartet ein frisch gebackener Kuchen auf sie. Das Päckchen muss dringend nach Berlin. "Ich fahre die Strecke sowieso und dann rentiert sich das noch mehr, wenn ich etwas Spritgeld bekomme", erklärt sie. 25 Euro muss der Auftraggeber bezahlen, damit Victoria das Paket mitnimmt. Ein kurzer Check, Details eingeben per App und die Fahrt beginnt. In zwei Stunden will Victoria in Berlin sein. Zeitlich wie preislich unschlagbar.

50 Fahrten am Tag

Das Start-up CoCarrier hat diesen Service im Januar gestartet und ist derzeit am erfolgreichsten in Deutschland. 50 Fahrer pro Tag bieten aktuell an, Pakete mitzunehmen. Tendenz steigend. Auf seiner Website gibt CoCarrier für 2017 das Ziel aus, 1.000 Lieferungen in 120 Städte und elf Länder zu bringen.

"Unser großer Vorteil ist, dass die Päckchen einer Person gegeben werden, die ich selbst sehe. Das schafft Vertrauen", erklärt Geschäftsführerin Anabel Ternès. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Paket wild durch den Wagen fliege, sei geringer, sagt sie. Doch was ist, wenn das doch passiert? Wenn das Paket beschädigt wird?

Experte: Bedingungen genau lesen

"Deshalb ist es wichtig, dass die Pakete gut versichert sind", erklärt Oliver Nissen, Fachanwalt für Transportrecht in Berlin. Standardmäßig sind die Pakete bis zu einem Wert von 500 Euro versichert. Für alles, was wertvoller ist, sollte man laut Nissen eine Zusatzversicherung abschließen.

Doch Achtung: "Oft steht in den Bedingungen, dass bei grob fahrlässigem Verhalten die Versicherung eventuell nicht zahlt", erklärt der Anwalt. Wird das Paket also wegen einer Vollbremsung beschädigt, kann sich die Versicherung unter Umständen stur stellen.

Crowd-Prinzip auch international

Finanziell interessant werden Crowd-Lieferdienste bei Sendungen ins Ausland. Berlin nach Toronto, Kanada, beispielsweise: 150 Euro für ein Fünf-Kilo-Paket. Davon behält das Unternehmen 25 Prozent als Provision, der Rest geht an den Kurier. Bei keinem internationalen Zusteller gibt es vergleichbare, günstigere Angebote.

Doch im In- wie im Ausland sollten Fahrer genau prüfen, was sie transportieren. Nissen dazu: "Wenn zum Beispiel Drogen in dem Paket sind und ich werde kontrolliert, dann habe ich als Fahrer ein gewaltiges Problem und muss erst einmal dafür geradestehen."

Identitätscheck für Fahrer

Damit es dazu nicht kommt, prüft CoCarrier nach eigenen Angaben die Fahrer genau, bevor sie Pakete mitnehmen dürfen. Versender sollen sich über Nutzerbewertungen ein Bild ihres "Privatkuriers" machen können. Außerdem werden potenziell verdächtige Strecken wie Amsterdam und Köln erst gar nicht angeboten. Ein Missbrauch sei aber nie ganz auszuschließen.

Studentin Victoria liegt gut in der Zeit. "Ich habe schon sehr ausgefallene Dinge mitgenommen", sagt die 21-jährige Marketingstudentin. "Einen Rollstuhl, eine Brille oder einfach sehr wichtige Dokumente." Der Kuchen ist ebenfalls ein Novum. Nach zwei Stunden ist er am Zielort angekommen.

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