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CSU kürt neue Doppelspitze - Vereint - zu 83,7 Prozent

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Die CSU hat eine neue Doppelspitze. Damit ist der Machtkampf zwischen Horst Seehofer und Markus Söder vorerst beendet. Können die beiden im Landtagswahlkampf zusammenarbeiten?

Am Ende ist Markus Söder mal ganz alleine. Nachdenklich steht er am Rande der großen Parteitagsbühne und wartet auf seinen Moment. Er hatte schon einige davon, aber heute ist es ein Triumph: sein Triumph. Über Horst Seehofer, der ihn mit allen Mitteln verhindern wollte und nun doch zu seinem Nachfolger im Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgerufen hat. Jetzt wird Markus Söder ihn nochmal als CSU-Chef vorschlagen. Ein Schritt hin zur Versöhnung. Ein Schritt, der Söder auch deshalb leicht fällt, weil er fest daran glaubt, dass er nicht von Dauer sein wird.

Als einen „echten Generationswechsel“ bewertet ZDF-Korrespondent Jürgen Bollmann die Nominierung von Markus Söder als CSU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018. Er erwartet, dass die CSU klare Kante zeigen will – auch gegenüber der CDU.

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"Ich habe viel von Dir gelernt und Du hast mich auch manchmal geprüft", sagt Markus Söder dann. "Respekt für diese Entscheidung! Ich schlage Horst Seehofer vor und bitte um große Unterstützung für ihn." Der Parteitag folgt – wenig überraschend - seinem Votum und wählt Seehofer wenig später mit 83,7 Prozent erneut für zwei Jahre zum CSU-Chef. Es ist Seehofers schlechtestes Ergebnis – und das Beste, was er unter diesen Umständen erwarten konnte.

Noch so ein Bild, das für diesen Parteitag steht: Horst Seehofer und Markus Söder am Tag zuvor. Gemeinsam wenden sie sich der riesigen Traube von Fotografen und Fernsehkameras zu. Ein Lächeln. Seehofer lächelt wie einer, den die ungeliebte Großtante mit aufs Foto gezwungen hat. Söder lächelt wie ein Profi nach dem Pokalsieg: "Na, habt ihr mich alle drauf?" Nicht nur die Medien erwarteten dieses Signal. Die Partei erwartete es auch.

Harmonie als letzter Ausweg

Über Jahre hinweg hatten sich die beiden Rivalen einen kraftzehrenden Machtkampf geliefert - zum Schaden der gesamten Partei. Selbst getreue Stammwähler wandten sich entnervt von der CSU ab. In Umfragen fiel sie auf 37 Prozent. Für die erfolgsverwöhnte Partei eine Katastrophe, zumal nicht ganz ein Jahr vor der so wichtigen Landtagswahl in Bayern. Nur wenig besser, mit 38 Prozent, schnitt die CSU bei der Bundestagswahl ab. Ein Ergebnis, das die Partei nicht etwa ihrem Spitzenkandidaten Joachim Herrmann anlastete, sondern einzig ihrem Parteichef Seehofer.

Die urplötzliche Versöhnung mit Angela Merkel, nach monatelangem Streit in der Flüchtlingsfrage, hätten die Wähler schlicht nicht nachvollzogen, heißt es aus Kreisen der Partei. Einer Aussprache mit der Basis entzog sich Horst Seehofer mit der Begründung, er sei bei den Sondierungen in Berlin unabkömmlich. Das Ergebnis: Viel Frust, kein Ventil. Das fand sich dann, in Form einer Abstimmung: Einstimmig nominierte die CSU-Landtagsfraktion Markus Söder zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018. Der Parteivorstand konnte gar nicht anders, als diesem Votum zu folgen, wollte er nicht eine noch tiefere Spaltung der Partei riskieren.

Die 25-jährige Rebecca Rinkl ist zum ersten Mal Delegierte auf einem CSU-Parteitag. Wir haben uns für einen Tag an ihre Fersen gehängt.

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Und so hatte auch dieser Parteitag früh ein Arbeitsmotto: "Harmonie um jeden Preis". Es war allen Beteiligten anzumerken, welche Kraftanstrengung dies erforderte. "Ich habe für das Bundestagswahlergebnis die Verantwortung übernommen, obwohl die Verantwortung dafür in Berlin lag", rief Horst Seehofer in den Saal und wirkte bitter dabei. Die Reaktion einiger Delegierter ließ nicht lange auf sich warten: "Er hat immer noch nichts verstanden!" Aber auch Versöhnliches kam von ihm, ein Signal an seine Kritiker. "Meine Rückkehr aus Berlin hat zu lange gedauert", sagte Seehofer und das "Genau" der Betroffenen war mit Händen zu greifen. Wenn es um seinen langjährigen Rivalen ging, nahm Horst Seehofer alle Kraft zusammen. "Markus Söder hat immer fehlerfreie und gute Arbeit abgeliefert", sagte er dann. "Deshalb sage ich euch, er kann es und er packt es. Das ist Markus Söder."

"Einen Wahlschlaf wird es nicht geben!"

"Lieber Horst, Du hast den Weg bereitet, wie keiner je zuvor", bedankte sich der frisch gebackene Kronprinz sogleich und sprach in seiner Bewerbungsrede zur Spitzenkandidatur von "authentischer Geschlossenheit", die sich im Alltag beweisen müsse. Es war eine Rede, die sich nicht groß von dem unterschied, was man von Markus Söder auch schon im Wahlkampf gehört hatte. Vor allem ein Loblied auf Bayerns Stärke, verbunden mit der Ankündigung, die AfD im kommenden Wahlkampf in Bayern hart zu attackieren. "Einen Wahlschlaf wird es nicht geben", so Söder zu den Delegierten, die seine Rede immer wieder mit starkem Applaus und Jubel bedachten.

Und so war das Ergebnis für Markus Söder als CSU-Spitzenkandidat dann auch nicht wirklich überraschend: Nur vier Gegenstimmen in offener Abstimmung. "Jetzt haben wir Weihnachten", sagte ein Vorstandsmitglied beim Verlasen der Nürnberger Messehallen – erleichtert.     

CSU-Parteitag in Nürnberg

Merkel beim CSU-Parteitag - Demonstrative Geschlossenheit in Nürnberg

Das Motto für den CSU-Parteitag: Harmonie. Zwischen Parteichef Seehofer und dem wohl künftigen Ministerpräsidenten Bayerns, Söder - und für den Besuch von Kanzlerin Merkel.

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