Sie sind hier:

Nach Fraktionssitzung der CSU - CSU: Die Revolution fällt aus - vorerst

Datum:

Nach der schweren Wahlschlappe hat die CSU den Machtkampf um die politische Zukunft von Parteichef Seehofer erst einmal vertagt. Für die diffizilen Verhandlungen mit der CDU wird er noch gebraucht - doch der einst allmächtige Parteichef ist angezählt.

CSU-Chef Horst Seehofer steht nach dem Wahldebakel parteiintern massiv in der Kritik, erhält aber eine Bewährungsfrist bis zum Parteitag Mitte November. Der Machtkampf um seine politische Zukunft ist somit vorerst vertagt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Es ist wie bei der Mode“, sagt ein Abgeordneter. "Die ersten und die letzten, machen sich lächerlich." Genauso sei es mit einem Putsch. Vielleicht ist das das ganze Geheimnis dieser mit Spannung erwarteten Fraktionssitzung. Keiner macht den Anfang und keiner traut sich am Ende aus der Deckung.

Durch Bayern hektisch telefoniert

"Er wird versuchen, uns einzulullen", hatte am Vorabend schon einer seiner Gegner befürchtet, als quer durch Bayern hektisch telefoniert wurde. Beide Seiten versuchten, Parteifreunde und Presse auf ihre Seite zu ziehen.

Christoph Röckerath
Christoph Röckerath, ZDF-Landesstudio Bayern Quelle: ZDF

Tatsächlich scheint Seehofer gleich zu Beginn die richtigen Worte zu finden, erzählen Teilnehmer: Er dankt Joachim Herrmann – tosender Applaus. Er räumt die Niederlage ein, appelliert aber sofort an die Geschlossenheit, malt mit Worten aus, was ein zerstrittener Haufen denn bitte in Berlin mit beziehungsweise gegen Merkel, die Grünen und die FDP ausrichten könne. Erneuter Applaus, in dem der Kampfeswille vieler wohl endgültig untergeht.

Noch mal gut gegangen

Entwarnung also? Nein, ganz so einfach ist es doch nicht. Die Risse sind da. Am Morgen vor dem Sitzungssaal sagt Seehofer auf die Frage, wie er unbeschadet da wieder heraus kommen wolle, mit Grabesstimme: "Der Schaden ist schon entstanden. Der ist nicht mehr auszuradieren." Und gefragt nach den Rücktrittsforderungen: Es sei gestern, bei den ersten Gesprächen in Berlin, "noch mal gut gegangen". "Aber wie sollen wir kraftvoll in Berlin auftreten, wenn das so begleitet wird?"

Seinen Zorn, so berichten Zeugen aus der nichtöffentlichen Sitzung, hat dabei vor allem Söder-Vasall Albert Füracker, Bezirksvorsitzender der Oberpfalz und Finanzstaatssekretär, auf sich gezogen. Der ließ gestern in die Presse rieseln, dass sich sein Verband für einen geordneten Übergang und eine zügige Klärung der Personalfrage ausgesprochen habe.

Showdown im Sitzungssaal

Es kommt zum Showdown im Sitzungssaal: Das müsse Konsequenzen haben, sagt Seehofer. Von hinten kommen aufgeregte Zwischenrufe, was das denn heißen solle? Seehofer und sein Fraktionschef Kreuzer müssen beschwichtigen: Es würden keine Köpfe rollen, aber man müsse über solche Forderungen reden. Aber nicht über die Medien.

So auf dem Präsentierteller ist Füracker sofort in der Defensive. Er sei falsch zitiert worden, von den Medien getrieben und überhaupt, so sei es nicht gemeint gewesen, rechtfertigt er sich. Punkt für Seehofer. Die Latte, gegen ihn das Wort zu erheben, hängt wieder ein Stückchen höher.

Parteitag im November

Am Ende ist klar – die Revolution fällt aus. Vorerst: Im November ist Parteitag, ein Wahlparteitag, lange geplant. Bis dahin soll Seehofer in Berlin - zumindest intern - bei Merkels CDU durchsetzen, dass sie die Ziele im eigenen Programm, dem sogenannten Bayernplan, unterstützt. Das ganze Paket – also inklusive Obergrenze und den CSU-Plänen zu Migration und Innere Sicherheit.

"Nur er kann das schaffen", sagen seine neuen alten Parteifreunde und damit dürfte auch klar sein: Wenn er es nicht schafft, kann es spannend werden, wenn auf dem Parteitag im November seine Wiederwahl ansteht. Seehofer ist angezählt, zum Erfolg verdammt. Viel Spielraum wird ihm das nicht geben für die Verhandlungen in Berlin.

Merkel braucht CSU-Stimmen

Für ihn spricht dort allerdings, dass Merkel dieses Mal die Stimmen der CSU braucht, um Kanzlerin zu bleiben. Doch das sagt nichts aus über Grüne und FDP – zwei Begriffe, die heute hier niemand in den Mund nehmen will.

Markus Söder, an den natürlich alle dachten, als aus seinem Frankenland am Vortag die Rücktrittsforderungen kamen, hielt sich den Tag über demonstrativ zurück. Er kam sogar ohne seine sonst große Entourage aus Pressesprecherinnen. Ein treuer Parteisoldat, das ist die Botschaft, um die er sich bemühte.

Umschalten auf Staatsmann

Und doch kann er nicht aus seiner Haut. Nach der Sitzung stellt er sich breitbeinig vor die Presse. "Hi!", sagt er mit süffisantem Blick. Schaltet dann aber um auf Staatsmann. Ernst die Miene, tief die Stimme. Es sei gut, dass es jetzt keine Personaldebatte gebe, es gäbe einen Berg von Arbeit in Berlin, alles für die Menschen und die Partei und so weiter. Und, sagt er zum Schluss, dann ist da ja noch der Parteitag im November. "Werden Sie kandidieren?", ruft noch einer, aber da ist er bereits - zufrieden blickend - auf dem Weg nach draußen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.