Sie sind hier:

Seehofers Rückzug gefordert - Junge Union will "personellen Neuanfang"

Datum:

Die Junge Union in Bayern rebelliert gegen CSU-Chef Horst Seehofer. Bei der Landesversammlung fordert sie einen "personellen Neuanfang".

Horst Seehofer am 04.11.2017 in Berlin
Horst Seehofer am 04.11.2017 in Berlin Quelle: dpa

Ob es Horst Seehofer im Nachhinein bereut, an diesem Wochenende nicht doch noch eine Lücke in seinem Terminkalender für einen Besuch in Erlangen gefunden zu haben, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass die Absage seiner Teilnahme an der dreitägigen Landesversammlung der Jungen Union Bayern (JU) weder zu einer Beruhigung der Personaldiskussion vor der Landtagswahl in Bayern beigetragen hat, noch zu einer Stabilisierung seiner Position als Partei- und Regierungschef.

Weg frei machen für geordneten Übergang

Dies wurde bereits zu Beginn der Beratung über die sogenannte "Erlanger Erklärung" am Vormittag deutlich. Im vierseitigen Dokument spricht sich die JU für eine "spürbare Verjüngung" der CSU auf praktisch allen politischen Ebenen aus. Bei der Bundestagswahl hätten die Wähler ein klares Signal an die CSU gesendet, heißt es darin. Daraus müssten jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Ein "Weiter so" werde man nicht hinnehmen. Wird in der Erklärung selbst nicht konkret auf Personen eingegangen, sprachen die Delegierten am Vormittag Klartext.

Mit deutlicher Mehrheit und unter Beifall wurde ein gemeinsamer Antrag von Delegierten aus ganz Bayern angenommen. Demnach wird eine für Horst Seehofer womöglich brisante Ergänzung in die "Erlanger Erklärung" aufgenommen: Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr brauche es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang, heißt es. Bei allen Verdiensten, die sich Horst Seehofer in vielen Jahrzehnten für die CSU, Bayern und Deutschland erworben habe, müsse er jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung.

Das historisch schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl schwächt sowohl Kanzlerin Angela Merkel als auch CSU-Chef Horst Seehofer. Welchen Kurs schlagen beide bei Jamaika-Sondierungen ein?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Zerrüttetes Verhältnis zwischen Parteichef und Parteinachwuchs

Damit wurde das zum Ausdruck gebracht, was bereits seit Horst Seehofers Absage am gestrigen Nachmittag offensichtlich war: Das Verhältnis zwischen Parteichef und Parteinachwuchs scheint nachhaltig zerrüttet zu sein. Die Erwartungshaltung war schließlich groß. Von einer offenen und ehrlichen Aussprache war im Vorfeld die Rede. Eine ungeschminkte Analyse zur CSU-Wahlniederlage bei der Bundestagswahl hätte es mit dem Parteichef geben sollen. Das erste große Zusammentreffen von Vertretern der Basis sollte zum Beginn eines Dialogs werden.

Soweit der Plan. Seit sich der bayerische Ministerpräsident wegen der laufenden Sondierungsgespräche in Berlin für seine geplante Rede kurzfristig entschuldigen ließ, ist der Ärger darüber groß. Hätte Horst Seehofer gewollt, hätte er sicher einen Ausweichtermin finden können, heißt es aus dem JU-Landesvorstand. Die Versammlung dauere schließlich das ganze Wochenende und die Distanz zwischen Berlin und Erlangen sei keinesfalls unüberbrückbar.

Des einen Leid, des anderen Freud

Es sei ein unüblicher Vorgang, dass der Parteivorsitzende der Diskussion mit der JU-Basis ausweicht, kommentiert der JU-Vorsitzende Hans Reichhart die kurzfristige Absage. Horst Seehofer wolle damit kritischen Debatten ausweichen, wird seither unter den mehr als 300 Delegierten gemutmaßt. Andere finden noch deutlichere Worte, werfen Horst Seehofer ganz offen Feigheit vor. Mit seinem Fehlen sei er auf die Zielgerade seiner politischen Karriere eingebogen.

Tatsächlich könnte sich für Horst Seehofer sein Fernbleiben noch aus einem anderen Grund als fatal erweisen: Mit Markus Söder, dem bayerischen Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, ist morgen noch sein parteiinterner Rivale als Hauptredner in Erlangen angekündigt. Dieser ist bekanntlich gut vernetzt in der JU. Er wird mit Freude registrieren, was der Parteinachwuchs am Samstagvormittag als Ergänzung in die "Erlanger Erklärung" aufgenommen hat.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.