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Cyberkriminalität - Russland: Täter und Opfer

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Russland steht wegen mutmaßlicher Cyber-Attacken auf Institutionen anderer Länder am Pranger. Gleichzeitig hat das Land selbst große Probleme mit Kriminalität im Netz.

Hackerangriff auf einem Monitor
Russland wird vieler Cyberangriffe bezichtigt, kämpft aber selber mit Online-Kriminalität.
Quelle: dpa

Mehr als 107.000 Verbrechen im Internetbereich sind seit Jahresbeginn in Russland registriert worden. Tendenz steigend. Mit diesem Eingeständnis konnte die russische Staatsanwaltschaft dieser Tage freilich keinen überraschen, vor allem im Ausland nicht.

Schließlich häufen sich die Vorwürfe gegen Russland wegen massiver Hackerangriffe auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW), die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) oder das britische Außenministerium. Hinter den Angriffen wird Moskau vermutet. Und die Dimension, in der das Internet für ungesetzliche Aktionen genutzt wird, - sei es nun durch Russland oder andere Länder - scheint unbekannt zu sein.

CyberCrimeCon 2018 sucht Antworten auf drängende Probleme

Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich auch die Frage: Wie kann man sich vor der Cyber-Kriminalität schützen? Wo sind die Schwachpunkte, an denen gearbeitet werden muss? Mehr als 1.000 Experten aus Europa, dem Nahen Osten und Asien suchen in diesen Tagen bei der Moskauer CyberCrimeCon 2018 entsprechende Antworten. Sie wollen zudem Trends aufzeigen sowie Wege für einen besseren Schutz suchen.

Zum sechsten Mal organisiert das IT-Sicherheitsunternehmen Group-IB mit Sitz in Moskau das Forum, zumal es sich seit Jahren als zuverlässiger Partner unter anderem von Europol und Interpol bewährt hat. Über 1.000 Untersuchungen in 30 Ländern haben die Spezialisten von Group-IB durchgeführt, wie Generaldirektor Ilja Satschkow berichtet. Dadurch sei den Kunden ein Schaden von etwa 300 Millionen US-Dollar in insgesamt 150 Fällen wiedergutgemacht worden, sagt der 32 Jahre alte Informatik-Experte.

Schäden durch Attacken in Russland

Cyber-Kriminalität ist auch für Russland ein ernsthaftes Problem, das sich zusehends verschärft. Jedes 20. Verbrechen im Land hängt mit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zusammen, die laut Angaben der Generalstaatsanwaltschaft allein in diesem Jahr bereits Schäden im Umfang von circa 5,2 Miliarden Euro verursacht haben. Das Spektrum ist dabei ziemlich breitgefächert: Es reicht von der Verbreitung von Raubkopien aktueller Filme über Kreditkarten-Betrügereien bis hin zu DDoS-Attacken, die häufigste Form der Angriffe auf Unternehmen, um Schutzgelder zu erpressen.

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Group-IB schrieb beispielsweise in einem jüngst veröffentlichen Report, dass in den ersten neun Monaten des Jahres auf russischsprachigen Internetseiten 284 neue Raubkopien von den insgesamt beinahe 330 in die Kinos gekommenen Streifen gepostet wurden. Es sind Kopien, die direkt von Kinoleinwänden abgefilmt wurden und dementsprechend qualitativ minderwertig sind. Das Bemerkenswerte in diesem Zusammenhang ist, dass die über das Darknet angeheuerten Täter sehr organisiert sind und außerordentlich schnell agieren.

So handeln im Übrigen auch die Kreditkartenbetrüger im Putin-Reich. Vor allem in Moskau und rund um die russische Hauptstadt, wo es die meisten Betroffenen gibt. Im vergangenen Jahr registrierten die Banken Russlands fast 100.000 Kreditkartendiebstähle in dieser Region. Einziger Trost ist, dass die dabei verlorengegangenen Geldsummen von durchschnittlich 45 Euro für viele zu verschmerzen sein dürften.

Mangelnder Schutz persönlicher Daten in Russland

Weitaus mehr, wenn nicht gar die meisten Sorgen, löst der mangelnde Schutz persönlicher Daten in Russland aus. Sogar der Inlandsgeheimdienst FSB geriet aus diesem Grund dieser Tage in die Schlagzeilen. Dieser hat nämlich eiligst Untersuchungen eingeleitet, um herauszufinden: Wie konnten die Daten der "Salisbury-Touristen" Alexander Petrow und Ruslan Boschirow, denen Scotland Yard die Vergiftung des abtrünnigen russischen Agenten Sergej Skripal und seiner Tochter anlastet, ins Internet geraten?

Die Antwort zu dieser für Russlands Geheimdienstler peinlichen Panne liefert das kremlnahe Unternehmen InfoWatch. Einem Ende September vorgelegten Untersuchungsbericht zufolge wurde in der ersten Jahreshälfte mehr als die Hälfte des illegalen Abflusses von Personendaten aus Behörden, Unternehmen und NGOs durch eigene Mitarbeiter verursacht. Sicherlich haben sie sich damit ein ordentliches Zubrot verdient, denn auf dem russischen Markt zahlt man gut für Personendaten.

Da sind Erklärungen russischer Politiker, dass man sich vor dem "Cloud Act" der USA schützen müsse, wenig überzeugend. Vor allem, wenn man im eigenen Land noch so manches Sicherheitsloch stopfen muss.

Stichwort

Experten suchen Wege für mehr Sicherheit

Die CyberCrimeCon 2018 will helfen, Schwachstellen in Sachen Internetsicherheit weltweit auszumerzen. Dazu aber sind Vertrauen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit nicht nur in der Experten-Community, sondern auch auf politischer Ebene nötig. Die letzten massiven Vorwürfe in Sachen Hackerangriffe an die Adresse Moskaus schaffen dafür jedoch nicht unbedingt die beste Grundlage.

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